Erfurt, 29. Juni 2021. Qualitätsindikatoren stehen für die Thüringerinnen und Thüringer bei der Krankenhauswahl ganz oben. Objektive Daten zur Behandlungsqualität sind nach der Empfehlung der behandelnden Ärztin bzw. des behandelnden Arztes der zweitwichtigste Aspekt, wenn die Menschen im Freistaat eine Klinik für einen planbaren Eingriff wählen. Wohnortnähe und die Größe der Klinik sind am unwichtigsten. Das zeigen die Ergebnisse einer Forsabefragung im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) in Thüringen. 

"Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Thüringerinnen und Thüringer nötigen Strukturveränderungen in der Krankenhauslandschaft des Freistaates deutlich offener gegenüberstehen, als es so manche veröffentlichte Meinung vermuten lässt", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

"Wichtig ist, bei diesem Thema offen die Beweggründe für nötige Veränderungen zu diskutieren und geeignete Lösungen zu entwickeln: Wir haben schlicht nicht mehr genug Fachkräfte, um die bestehenden Strukturen langfristig aufrecht zu erhalten. Darunter leidet im schlimmsten Fall die Qualität der Versorgung. Sinnvolle Spezialisierungen können ein Teil der Lösung sein. Gleichzeitig könnte ein zum Regionalen Gesundheitszentrum umstrukturiertes Krankenhaus, das ambulante und stationäre Angebote bündelt, Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor in der Region bleiben und grundlegende Bedarfe vor Ort decken."

Behandlungsqualität wichtiger als Wohnortnähe

Einer Spezialisierung stehen viele Befragte offen gegenüber: Wenn die Thüringerinnen und Thüringer vor einer Operation die Wahl haben, ziehen neun von zehn Menschen eine Klinik vor, die umfassende Erfahrungen mit dem sie betreffenden Eingriff hat. Lediglich neun Prozent würde sich für ein Krankenhaus entscheiden, das vom eigenen Wohnort gut erreichbar, aber nicht auf die Behandlung spezialisiert ist.

Im schlimmsten Fall, falls in einer Klinik-Fachabteilung nicht genug Fachkräfte zur Verfügung stehen, um rund um die Uhr eine gute Versorgung zu bieten, plädieren drei von vier Thüringerinnen und Thüringer dafür, die Abteilung zu schließen oder sie mit entsprechenden Fachabteilungen anderer Kliniken zusammenzulegen. Nicht einmal ein Viertel der Menschen ist dafür, in diesem Fall die Abteilung vor Ort zu erhalten.

Sichere Behand­lung wird bevor­zugt

Grafik zur Forsa-Frage, wie man mit dem Fachkräftemangel umgehen sollte.  Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Grafik zur Frage, wie man mit dem Fachkräftemangel umgehen sollte. 

Hohe Zufriedenheit mit Gesundheitsversorgung

Gefragt nach ihrer generellen Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung im Freistaat gaben neun von zehn Befragten an, mindestens zufrieden zu sein. Ein Viertel (26 Prozent) der Thüringerinnen und Thüringer sind sehr zufrieden, zwölf Prozent sogar vollkommen zufrieden.

Statistisch relevant ist bei der Einschätzung, wie die Menschen ihren eigenen Gesundheitszustand bewerten. Wer diesen als "sehr gut" oder "gut" einschätzt, urteilt auch über die Versorgung positiver als Menschen, die ihre eigene Gesundheit "zufriedenstellend", "weniger gut" oder "schlecht" sehen. Ob die Menschen chronisch krank sind oder nicht, hatte allerdings keinen relevanten Einfluss auf ihre Einschätzung des Gesundheitssystems.

Zufrieden mit Gesund­heits­ver­sor­gung

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Grafik zur Frage: Wie zufrieden sind Sie mit der Gesundheitsversorgung im Land?

Eine Rolle spielen auch demografische Faktoren: Männer beurteilen das Gesundheitssystem positiver als Frauen. Mit zunehmendem Alter sinkt die Zahl derjenigen, die "vollkommen" oder "sehr" zufrieden mit der Gesundheitsversorgung sind. Gleichzeitig bewerten besonders viele Menschen ab sechzig Jahren die Versorgung als zufriedenstellend. "Weniger zufrieden" mit der Gesundheitsversorgung sind am häufigsten Thüringerinnen und Thüringer von 40 bis 59 Jahren.

Gesundheitspolitik Topthema für Landtagswahl in Thüringen

Mit Blick auf die geplante Landtagswahl wurden die Menschen gefragt, wie relevant verschiedene Themen für ihre Wahlentscheidung sind. 94 Prozent der Befragten gaben an, dass Gesundheitspolitik "wichtig" oder "sehr wichtig" für sie sei. Das ist die höchste Relevanz, knapp gefolgt von Bildungspolitik (93 Prozent) und Innerer Sicherheit (91 Prozent).

"Da sich die meisten Menschen in den vergangenen eineinhalb Jahren fast täglich mit Gesundheitsthemen und auch mit gesundheitspolitischen Aspekten auseinander gesetzt haben, die vor Corona lediglich eine kleine Gruppe oder direkt Betroffene interessierte, ist dieses Ergebnis nicht verwunderlich. Die Pandemie hat sowohl die Stärken als auch die Schwächen der Gesundheitsversorgung im Freistaat in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt", sagt Dressel.

Hinweis für die Redaktion

Im Januar 2021 befragte Forsa mittels computergestützter Telefoninterviews 1.500 Menschen in fünf Bundesländern zu Gesundheitsthemen, davon 300 in Thüringen. Sie repräsentieren einen Querschnitt der erwachsenen Bevölkerung im Bundesland. Gewichtet wurde die Personenstichprobe nach Alter, Geschlecht und Bildung.