Frankfurt am Main, 17. November 2020. Das Frankfurter Universitätsklinikum untersucht zurzeit in einer Forschungsstudie gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK), der Jacobs University Bremen und weiteren Partnern, wie eine gute Kommunikation die Sicherheit und Zufriedenheit von werdenden Müttern und Babys rund um die Geburt verbessern kann.

Aktuell haben fast 100 Studienteilnehmer - werdende Mütter und deren Angehörige - an einem Online-Kommunikationstraining teilgenommen, in dem die schwangeren Frauen lernen, noch klarer auszudrücken, was ihnen bei der Geburt besonders wichtig ist. So sollen Missverständnisse rund um die Geburt und im schwerwiegendsten Fall Behandlungsfehler vermieden werden. Frauen, die ihr Kind am Frankfurter Universitätsklinikum zur Welt bringen wollen, können noch bis Juli nächsten Jahres an der TeamBaby-Studie teilnehmen.  

Internationale Studien zeigen, dass in der Medizin - auch in der Geburtshilfe - mehr als zwei Drittel (72 Prozent) der möglicherweise vermeidbareren Komplikationen auf Fehler in der Kommunikation zurückgeführt werden können. Daher erhoffen sich alle Partner von dem Projekt, dass Missverständnisse rund um die Geburt deutlich seltener werden, die werdenden Mütter und Angehörigen mit der Begleitung ihrer Geburt zufriedener sind und sich während der Geburt gut aufgehoben fühlen. 

"Fühle mich besser vorbereitet"

Eine erste Zwischenbilanz bestätigt, dass die Kommunikationsschulungen von den Frauen und ihren Angehörigen als sehr hilfreich empfunden werden. Insbesondere kam in den Trainings zum Ausdruck, wie stark sich die individuellen Erwartungen der Frauen an die Geburt unterscheiden. Umso wichtiger ist es daher, dass die Schwangeren gegenüber ihren Angehörigen und dem Klinikpersonal klar kommunizieren, wie sie sich ihre Geburt vorstellen. "Manche Frauen wünschen sich eine intensive Unterstützung der Hebamme, andere möchten mehr für sich selbst sein. Im Onlinekurs lernen sie, für ihre Wünsche und Bedürfnisse selbstbestimmt einzustehen und die richtigen Worte zu finden, aber auch nachzufragen, wenn sie sich bei etwas unsicher sind", sagt Johanna Dietl, Projektkoordinatorin der TeamBaby-Studie am Universitätsklinikum Frankfurt. 

Erstgebärende können viel Sicherheit gewinnen

"Geburten folgen ihrer eigenen Logik und es kann nicht jede Situation, die entsteht, vorab geplant werden. Frauen fühlen sich aber deutlich sicherer, wenn sie ihre Bedürfnisse und Fragen möglichst selbstsicher und klar äußern können und das Geburtshilfe-Team diese auch wahrnimmt", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.  

Vor allem Frauen, die ihr erstes Kind zur Welt bringen, können aus Sicht der Projektpartner in den Kommunikationstrainings viel Sicherheit gewinnen. "Ich werde mich nun nochmal mit meinem Mann in Ruhe hinsetzen, um genau zu besprechen, wie wir uns die Geburt vorstellen - und wie und wann wir was am besten kommunizieren", so eine der Teilnehmerinnen. Eine andere Frau bestätigt: "Ich fühle mich jetzt besser vorbereitet und in gewisser Weise auch ermächtigt, mit zu einer gelungenen Kommunikation beizutragen!" 

Nicht zu knapp kommunizieren

Unsicherheiten können bei der werdenden Mutter beispielsweise entstehen, wenn sie sich im Vorfeld eine natürliche Geburt gewünscht hat, im Verlauf der Geburt dann aber aus medizinischen Gründen entschieden werden muss, das Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen. "Ein Kaiserschnitt ist eine Ausnahmesituation für die Frau, aber Routine für unsere Behandlungsteams. Eine solche Entscheidung sollten wir gegenüber der Patientin nicht zu knapp kommunizieren und gut verständlich machen", sagt Professor Frank Louwen, Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Frankfurt. Darüber hinaus ist aber auch eine klare Kommunikation innerhalb der Behandlungsteams für die Patientensicherheit essentiell. "Insbesondere bei chronisch erkrankten Müttern könnte eine unsichere Kommunikation unserer Geburtshilfe-Teams sowohl die Mutter selbst als auch das Kind gefährden“, so Professor Louwen.  

Training auch der Geburtshilfe-Teams

Daher wurden im ersten Schritt des TeamBaby-Projekts die Mitarbeiter in der Geburtshilfe des Universitätsklinikums in einem intensiven Training zu einer sicheren und offenen Kommunikation geschult. "Dazu gehört unter anderem, dass unsere Mitarbeiter lernen, Verbesserungsvorschläge oder eigene Bedenken über Fachgebiete und Hierarchien hinweg klar zu äußern, wenn Sie eine Situation anders einschätzen. So können wichtige Aspekte beachtet werden, die man sonst vielleicht übersehen hätte - und die Mütter und Kinder vielleicht gefährdet hätten", so Louwen.

Wichtig ist auch, dass sich das Klinikpersonal im Kreißsaal ausreichend Zeit nimmt, um sich der werdenden Mutter mit Name und Funktion vorzustellen. So nehmen die Gebärenden und ihre Angehörigen wahr, dass jede einzelne werdende Mutter und deren Geburt wichtig ist. Umgekehrt kann die schwangere Frau trotz einheitlicher Berufskleidung und dem zurzeit üblichen Mundschutz erkennen, ob ihr der Oberarzt oder Arzt, die Hebamme oder die Hebammenschülerin gegenübersteht und ihre Fragen entsprechend adressieren.  

An der TeamBaby-Studie können bis Juli 2021 insgesamt rund 400 werdende Mütter teilnehmen. Die nächsten Onlineschulungen, an denen auch die Angehörigen teilnehmen können, finden jeweils dienstags am 1. und 15. Dezember statt. Weitere Termine sind auf der Internetseite der Geburtshilfe am Frankfurter Universitätsklinikum veröffentlicht. 

Hinweis für die Redaktion

Informationen zu den Kommunikationstrainings für werdende Mütter und den Kontaktdaten des begleitenden Projektteams gibt es in einem digitalen Flyer
Das Projekt TeamBaby wird vom bundesweiten Innovationsfonds über drei Jahre mit insgesamt ca. 1,9 Millionen Euro gefördert. Die Konsortialführung des Projekts liegt bei der Jacobs University Bremen. Neben der Techniker Krankenkasse (TK) und dem Universitätsklinikum Frankfurt sind das Universitätsklinikum Ulm sowie das Aktionsbündnis Patientensicherheit in Berlin Partner des Projekts.