Hamburg, 26. März 2019. Das falsche Bein operiert oder eine Nadel vergessen: Immer wieder kommt es zu schwerwiegenden Fehlern bei ärztlichen Behandlungen. In Hamburg haben sich im vergangenen Jahr 309 Versicherte an die Techniker Krankenkasse (TK) gewandt, weil sie eine Fehlbehandlung ihres Arztes vermuteten. Im Vergleich zu 2017 ist das ein Anstieg um 5,5 Prozent (Bund: 10 Prozent). Mehr als jede vierte Beschwerde richtete sich dabei gegen eine Behandlung beim Chirurgen (26 Prozent der Verdachtsfälle), gefolgt von der Zahnmedizin (16,2 Prozent) und der Allgemeinmedizin (11 Prozent). 

Hohe Dunkelziffer

Doch längst nicht jeder Verdachtsfall ist auch tatsächlich ein Fehler. "Bei jedem dritten Fall bestätigt sich der Verdacht im Laufe der Überprüfung", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. "Gleichzeitig rechnen wir bei der Anzahl der Behandlungsfehler mit einer hohen Dunkelziffer. Denn viele Versicherte wissen nicht, dass Sie sich im Verdachtsfall an ihre Krankenkasse wenden können", sagt Puttfarcken.

Kostenfreie MDK-Gutachten

Die Krankenkasse kann in vielen Fällen beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) kostenfrei ein Gutachten in Auftrag geben, das der Versicherte im Fall einer juristischen Auseinandersetzung nutzen kann. Entscheidet sich die Krankenkasse für eine Klage, kann der Versicherte den Ausgang des Gerichtsverfahrens abwarten und anschließend überlegen, ob eine eigene Klage Aussicht auf Erfolg hat. Weitere Unterstützung bietet die TK außerdem durch eine Beratungshotline (040 - 46 06 61 21 40), den " Wegweiser Behandlungsfehler " und eine Beratungsbroschüre .

TK fordert verbraucherfreundliche Gesetze

Besonders belastend für Opfer von Behandlungsfehlern sind die oft jahrelangen Verfahren. "Wenn bei einer Behandlung oder Operation ein Fehler unterläuft, hat das für die Opfer oft  nicht nur gesundheitliche Folgen. Auch die wirtschaftliche Existenz steht auf dem Spiel, da Betroffene in der Folge oft nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen können", sagt Puttfarcken. Teilweise dauerten solche Prozesse vor den deutschen Gerichten sogar mehr als 15 Jahre.

Schuld an der schwachen Position der Patienten ist aus TK-Sicht auch die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland: "In den meisten Fällen muss der Versicherte beweisen, dass Ärzte oder Pfleger schuldhaft gehandelt haben“, sagt die TK-Landeschefin. „Diesen Nachweis kann er aber häufig nicht erbringen. Hier muss der Gesetzgeber nachjustieren. Wir brauchen dringend verbraucherfreundlichere Gesetze."