TK spezial: Seit 20 Jahren beschäftigen Sie sich nun schon bei der GQH mit der Qualität von Krankenhäusern. Was waren Ihre interessantesten Erkenntnisse, die Sie in dieser Zeit gewonnen haben? Und worüber waren Sie in dieser Zeit am meisten überrascht?

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Björn Misselwitz

Misselwitz: Die wichtigste Erkenntnis aus meiner knapp zwanzigjährigen Erfahrung ist, dass das Thema Qualität zwar in den Krankenhäusern angekommen ist, aber noch nicht überall auch nachhaltig gelebt wird. Ein internes Qualitätsmanagement, Qualitätssicherungsprojekte oder die Teilnahme an der externen Qualitätssicherung reichen alleine nicht aus. Nur, wenn dieses Thema alle Ebenen von der Angestellten bis zur Geschäftsführung durchdringt und von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelebt wird, kann es zum gewünschten Erfolg führen.

Am meisten war und bin ich immer noch überrascht, wie wenig die Öffentlichkeit von unseren Qualitätssicherungsmaßnahmen mitbekommt und dies, obwohl zum einen die Ergebnisse mittlerweile in den Strukturierten Qualitätsberichten der Krankenhäuser veröffentlicht werden, zum anderen aber auch, obwohl auf unseren Internetseiten viele Daten und Berichte zur stationären Versorgung in Hessen sowie zu Versorgungsunterschieden zwischen den Krankenhäusern dargestellt werden.

TK spezial: Was waren bisher die größten Hemmnisse für die GQH?

Misselwitz: Das größte Hemmnis ist nach wie vor die Beschränkung unserer Qualitätssicherungsmaßnahmen auf den (akut)-stationären Sektor. Sowohl die Indikationsstellung, als auch die nachhaltige Ergebnisqualität lassen sich damit nur begrenzt messen und vergleichen. Aber nicht nur Daten aus dem vertragsärztlichen Sektor fehlen hier, es wären auch Informationen aus dem Rettungsdienst, der Rehabilitation oder Pflegeheimversorgung notwendig, und zwar nicht nur in Bezug auf Schnittstellenprobleme. Immerhin soll ab dem Jahr 2016 im Bereich der interventionellen Kardiologie erstmals auch ein sektorübergreifendes Verfahren beginnen - nach fünfjähriger Vorlaufzeit. Jedoch muss sich noch zeigen, ob sich dies auch tatsächlich zu Gunsten der Patientenversorgung auswirkt.

Ein weiteres, wenn auch in Hessen zum Glück nicht schwerwiegendes, Hindernis ist die aktuelle Rechtsform unserer Geschäftsstelle als Einrichtung der Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft. Eine formale Unabhängigkeit zum Beispiel analog dem neuen Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) könnte den Handlungsrahmen der GQH erweitern.

TK spezial: Mit dem neuen Krankenhausstrukturgesetz soll der Qualität im stationären Sektor eine noch höhere Bedeutung zukommen. Sind die Veränderungen, die nun kommen, in Ihren Augen ein Quantensprung oder sind doch nur wieder kleine Schritte zu erwarten?

Misselwitz: Das neue Gesetz bedeutet auf alle Fälle einen Quantensprung, da erstmalig eine Kopplung der Qualität mit der Vergütung vorgesehen ist, aber auch die Krankenhausplanungsbehörden mit Ergebnissen aus der externen Qualitätssicherung arbeiten können. Ob dies zum großen Wurf wird, hängt zum einen davon ab, inwieweit das ab 2016 zuständige IQTiG entsprechend methodisch ausgereifte Instrumente dafür schafft, zum anderen aber auch, ob der Gemeinsame Bundesausschuss in der Lage ist, dies gegebenenfalls auch tatsächlich umzusetzen.