TK: Bereits 2018 wurden die Information der Bevölkerung und die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen in den Entnahmekrankenhäusern deutlich verbessert. Spiegelt sich das Ihrer Meinung nach in den Zahlen der Organspenden wider (bundesweit und/oder in Sachsen-Anhalt)?

Dr. Christa Wachs­muth

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Geschäftsführerin der DSO Ost

Dr. Christa Wachsmuth: Wir haben letztes Jahr wie bereits in den Vorjahren in der DSO-Region Ost eine Organspenderrate, die über dem Bundesdurchschnitt liegt. Dies liegt sicherlich größtenteils an unserer sehr langen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den regionalen Entnahmekrankenhäusern. Auch die flächendeckende Nutzung des Analysetools DSO Transplantcheck unterstützt die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken insofern, dass die Auswertung der Daten verstorbener Patienten zu einer möglichen Verbesserung bei der zukünftigen Erkennung potenzieller Organspender führt.

Das Bewusstsein für Organspender wird dadurch weiter gestärkt.

TK: Gerade hat die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten für die Zustimmungslösung und gegen die doppelte Widerspruchslösung votiert. Wie beurteilen Sie persönlich diese Entscheidung? 

Dr. Wachsmuth: Bei der doppelten Widerpruchslösung wäre die Berücksichtigung der Möglichkeit einer Organspende am Lebensende in allen Entnahmekrankenhäusern zur Selbstverständlichkeit geworden. Damit wären die strukturellen Veränderungen in den Kliniken unterstützt worden, die zum 1. April 2019 verabschiedet wurden und seitdem schrittweise in den praktischen Alltag umgesetzt werden. 

In der nun beschlossenen Lösung, die übrigens erst im ersten Quartal 2022 in Kraft tritt, sehe ich aber positive Ansätze. Ein aktueller Erfolg ist zumindest das gesteigerte öffentliche Interesse: Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verdoppelte sich im letzten Monat die Bestellmenge von Spenderausweisen auf 740.000. Wenn somit mehr Menschen für das wichtige Thema Organspende sensibilisiert wurden und eine selbstbestimmte Entscheidung treffen, sind wir auf dem richtigen Weg. Denn die Aufgabe der DSO als Koordinierungsstelle ist es dem Willen des Patienten zu folgen und eine Organspende nur dann einzuleiten, wenn es der Verstorbene gewollt hat. Aber dafür muss der Wille auch dokumentiert sein. Zudem entlastet die Entscheidung zur Lebzeiten vor allem auch die Angehörigen, wenn sich die Frage einmal stellen sollte.

TK: Nach 20 Jahren als geschäftsführende Ärztin der Region Ost der DSO gehen Sie nun in den Ruhestand. Wird Sie dabei das Thema Organspende weiter begleiten?

Dr. Wachsmuth: Die Organspende war für mich nie nur ein reiner Job, sondern ist vielmehr eine Lebensaufgabe. Bereits im Herbst 2008 habe ich den Park des Hoffens, Erinnern und Dankens in Halle (Saale) mitgegründet. Es war schon lange der Wunsch von Angehörigen, Organempfängern und Patientenverbänden den Park als bundesweiten Ort des Erinnerns an die Organspender einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Letzten September fand dort das erste bundesweite Angehörigentreffen statt. Das war der Start zu einer beginnenden Tradition, den Organspendern eine größere gesellschaftliche Würdigung zukommen zu lassen.

Zur Person

Dr. med. Christa Wachsmuth, Geschäftsführende Ärztin der Region Ost, geht zum 30. März 2020 in den Ruhestand. Bevor sie im Jahr 2000 zur DSO kam, war sie als Transplantationskoordinatorin in Sachsen-Anhalt tätig. Das Ziel ihrer Arbeit war immer, den Patienten auf der Warteliste zu helfen. Ein großes Anliegen war ihr auch die Begleitung der Angehörigen von Organspendern und das Gedenken an die Spender. 

Am 19. November 2019 hat die Medizinerin im Rahmen des Symposiums "Organspende - eine Gemeinschaftsaufgabe" in Halle (Saale) die Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt erhalten. Sozialministerin Petra Grimm-Benne überreichte die Auszeichnung.