TK spezial: Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt hat als bundesweit erste Kammer die Zusatz-Weiterbildung Transplantationsmedizin in ihre Weiterbildungsordnung aufgenommen. Erläutern Sie bitte, wie es dazu kam.   

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Dr. Simone Heinemann-Meerz: Bei den bestehenden Strukturen in Sachsen-Anhalt ist die Transplantationsmedizin stets ein zentrales und positiv besetztes Thema gewesen. Wir haben hier viele Mediziner, deren Herz an der Transplantationsmedizin hängt. Einige arbeiten dabei auch in den Gremien der Bundesärztekammer mit. Herr Prof. Paolo Fornara ist dafür ein exzellentes Beispiel. Aber auch und insbesondere Herr Prof. Hans Lippert, als Vorsitzender der bei der Bundesärztekammer angesiedelten Prüf- und Überwachungskommission. Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer, Herr Prof. Hans Lilie, kommt aus Halle. Alle genannten Personen arbeiten auch in unserer Kommission Organspende und Transplantation mit.

Das verantwortungsvolle medizinische Handeln unserer Ärzte zeigt sich auch darin, dass es bei der Überprüfung der beiden Transplantationszentren in Halle (Niere) und Magdeburg (Leber) keinerlei Auffälligkeiten gab. Damit das so bleibt, sollen unsere Fachärzte noch eine zusätzliche führbare Zusatzbezeichnung erwerben können. Die Zusatz-Weiterbildung ermöglicht dies und stellt zugleich eine weitere wichtige Qualitätssicherungsmaßnahme dar.

TK spezial: Welche Inhalte werden im Rahmen der Weiterbildung vermittelt und welchen zeitlichen Umfang hat diese?

Prof. Paolo Fornara: Die 24 monatige Weiterbildung erfolgt an einem Transplantationszentrum. Davon können 12 Monate während der Facharztweiterbildung beispielsweise in Allgemeinchirurgie, Innere Medizin oder Urologie absolviert werden. Zusätzlich muss eine umfassende Kurs-Weiterbildung in der Transplantationsmedizin belegt werden. Die Weiterbildung wird mit einer Prüfung bei der Ärztekammer Sachsen-Anhalt abgeschlossen.

TK spezial: Während am Universitätsklinikum Magdeburg regelmäßig Leber und zukünftig auch Bauchspeicheldrüse transplantiert werden, hat sich das Universitätsklinikum Halle auf die Transplantation von Nieren spezialisiert. Inwieweit kooperieren beide Häuser wenn es um kombinierte Organtransplantationen und die jetzt ins Leben gerufene Zusatz-Weiterbildung geht?

Prof. Paolo Fornara: Beide Häuser standen stets im regen Austausch. Seit über einem Jahr haben wir die Zusammenarbeit intensiviert und eine Kooperation beider Zentren ins Leben gerufen. So ist ein gemeinsames Transplantationsprogramm entstanden, welches die Durchführung simultaner Nieren- und Pankreastransplantationen ermöglicht. Die erste simultane Nieren-Pankreastransplantation konnte erfolgreich vor acht Wochen durchgeführt werden. Dies ist ein exzellentes Beispiel gut funktionierender Kooperation zwischen den zwei Transplantationszentren beider Universitäten unseres Landes.

Die Einrichtung einer gemeinsamen Transplantationskonferenz war für uns genauso selbstverständlich, wie die zukünftige gemeinsame Forschung und Weiterbildung. Auch die eingeführte Zusatzweiterbildung wird durch beide Zentren gemeinsam getragen und mit Leben gefüllt werden. Es freut mich persönlich als „alter Transplanteur“, dass wir gerade auf dem Gebiet der Organtransplantation in Sachsen-Anhalt, was Kooperation und Weiterbildung angeht, bundesweit die Vorreiterrolle einnehmen. Dazu meinen Dank an die Ärztekammer im Land, die sich das Thema Organtransplantation und Organspende auf die Fahne geschrieben hat.

TK spezial: Der Kammerbeschluss zur Einführung der Zusatz-Weiterbildung Transplantationsmedizin erfolgte erst im Frühjahr dieses Jahres. Lassen sich trotz des recht kurzen Zeitraums bereits erste Rückschlüsse auf die Nachfrage an diesem Angebot ziehen, nicht zuletzt auch was das Interesse anderer Kammern angeht, hier eventuell Ähnliches anzubieten?

Dr. Simone Heinemann-Meerz: Die ersten Resonanzen sind durchweg positiv und in einer Fülle, die uns sehr freut. Sowohl unsere Mitglieder, aber auch Ärzte aus anderen Bundesländern haben sich an uns gewandt. Auch das Interesse anderer Kammern wurde geweckt. Durch meine Tätigkeit in den entsprechenden Gremien der Bundesärztekammer sehe ich, wie auch auf Bundesebene unser Beschluss positiv aufgenommen wurde und wie dies die bisherigen Bemühungen einer bundesweiten (Muster-) Zusatz-Weiterbildung beflügelt.

Zur Person:

Dr. Simone Heinemann-Meerz wurde in Sangerhausen geboren, ist verheiratet und hat einen Sohn. Die Fachärztin für Innere Medizin/Kardiologie ist seit 2011 Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt und Chefredakteurin des Ärzteblattes Sachsen-Anhalt. Von 2007 bis 2011 war Sie bereits Vizepräsidentin der Ärztekammer. Seit 1994 ist sie in einer eigenen Niederlassung in Halle (Saale), inzwischen mit zwei weiteren Kollegen, tätig. Sie absolvierte ihr Studium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und promovierte 1991.

Zur Person:

Univ.-Prof. Paolo Fornara wurde in Rom geboren, ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Der Facharzt für Urologie ist seit 2000 Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er ist zudem Direktor des zur Klinik gehörenden Nierentransplantationszentrums des Landes Sachsen-Anhalt. Seit 2007 ist er Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer und seit 2012 Vorsitzender des Ausschusses Transplantation und Organspende der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Er absolvierte sein Studium an der Universitá degli Studi di Padova und promovierte 1981.