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TK: Im Herzzentrum Saar, das mit der TK schon 2005 einen bis heute erfolgreichen Vertrag zur koordinierten Behandlung von Herzchirurgie-Patienten abgeschlossen hat, bietet im Rahmen dieses Vertrages auch die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI) an. Was ist darunter genau zu verstehen?

Prof. Dr. Ralf Seipelt: Die TAVI Prozedur ist ein Herzklappenersatz (Aortenklappe) über einen minimalisierten Zugangsweg mit einer speziell aufbereiteten und gefalteten biologischen Herzklappe. Sie kann über ein großes Blutgefäß der Leiste mittels Kathetern oder direkt über die Herzspitze durchgeführt werden. Am Implantationsort wird die Klappe dann mit einem Ballon aufgedehnt. Bei dieser Technik ist keine Eröffnung des Brustkorbes über das Brustbein nötig und auch kein Einsatz der Herzlungenmaschine.

Dadurch wird das OP Risiko für Hochrisikopatienten und ansonsten inoperable Patienten mit Begleiterkrankungen reduziert. Bei vielen Patienten ermöglicht uns die Option einer TAVI überhaupt, die Beschwerden der Patienten zu lindern.Welcher Patient für eine TAVI geeignet ist und welcher Zugangsweg verwendet wird, ist Gegenstand einer regelmäßig stattfindenden interdisziplinären Konferenz im Herzzentrum Saar.

Jede Fachdisziplin (Kardiologie, Herzchirurgie, Anästhesie, Gefäßchirurgie und Radiologie) bringt seine Expertise in der Entscheidung ein, so dass die für den Patienten beste Therapieform festgelegt werden kann. Alle Fachdisziplinen sind am Herzzentrum ansässig und werden durch eng kooperierende zuweisende Kardiologen komplettiert.

TK: Auch die jetzt vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossenen Mindeststandards wurden vom Herzzentrum Saar bereits im Jahr 2014 im Rahmen einer freiwilligen Qualitätsvereinbarung implementiert. Was ist deren Inhalt und was bedeuten sie für die Patienten?

Prof. Seipelt: Die Mindeststandards des G-BA sollen die Qualität für minimalinvasive Herzklappeneingriffe sichern. Sie beziehen sich zunächst auf die Indikationsstellung und legen fest, dass Patienten mit niedrigem Risikoscore weiterhin mit der gut etablierten risikoarmen offenen OP versorgt werden und ältere und kränkere Patienten mit hohem Risikoscore, für die der konventionelle Weg zu risikoreich wäre, die TAVI OP erhalten.

Damit soll verhindert werden, dass jüngere Patienten trotz bislang fehlender Langzeitergebnisse die TAVI Klappen erhalten. Auswertungen haben außerdem gezeigt, dass für Patienten mit einem niedrigen oder mittleren Risiko (in der Regel jüngere Patienten) die TAVI Prozedur ein höheres Risiko zu versterben birgt als es nach einem konventionellen Aortenklappenersatz der Fall ist. Daher sollen diese Patienten keine TAVI bekommen, stattdessen konventionell operiert werden.

Weiterhin sehen die Richtlinien vor, dass die Indikationsstellung und die Durchführung der TAVI in einem "Heart-Team" bestehend aus Ärzten der Herzchirurgie, Kardiologie und Anästhesie gestellt wird. Dadurch soll der medizinisch sinnvollste Eingriff gewählt werden. Des Weiteren darf ein TAVI Eingriff nur in einem Krankenhaus mit beiden Fachabteilungen - Kardiologie und Herzchirurgie- durchgeführt werden. Idealerweise, erfolgt der TAVI Eingriff in einem Hybrid OP.

Falls es bei einem katheterbasierten TAVI Eingriff zu Komplikationen kommt muss in manchen Fällen rasch auf die offene OP umgeschwenkt werden. Wäre keine Herzchirurgie vor Ort kann es zu schweren, tödlichen Folgen kommen. Überdies wird für die Nachbehandlung auch die Qualifikation und Verfügbarkeit des ärztlichen und pflegerischen Personals in der Richtlinie festgelegt. Das Ziel ist also, jeden Patienten mit der für ihn erfolgreichsten Methode und komplikationsarm zu versorgen und auch eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.

Zur Person

Prof. Dr. Ralf Seipelt, Chefarzt der Herz- und Thoraxchirurgie im Herzzentrum Saar, war nach Medizinstudium und Facharztausbildung am Klinikum der RWTH Aachen zunächst an der Northwestern University in Chicago und anschließend als leitender Oberarzt an der Göttinger Universitätsklinik tätig. Hier habilitierte er im Fach Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Zu seinen Schwerpunkten zählen etwa minimal-invasive Herzklappenoperationen (incl. TAVI) endoskopische Mitralklappenrekonstruktionen (MIC) und aortokoronare Bypassoperationen sowie videobasierte Eingriffe in der Thoraxchirurgie.