TK: Herr Manthey, wie schätzen Sie die aktuelle Krankenhausversorgung in Sachsen-Anhalt ein?

Jörg Manthey: Sachsen-Anhalt verfügt über eine flächendeckende qualitativ gute Krankenhausversorgung. Als Flächenland mit einer überwiegend geringen Bevölkerungsdichte besteht für das Land  Sachsen-Anhalt die Besonderheit, insbesondere die Versorgung in ländlichen Regionen sicherzustellen. Dazu kommen Anforderungen aus der demografischen Entwicklung, die sowohl die Patientinnen und Patienten als auch die in den Krankenhäusern Beschäftigten betrifft. 

Im Vergleich der Bundesländer verfügt Sachsen-Anhalt über eine überdurchschnittliche Vorhaltung von Kapazitäten und eine ebenso überdurchschnittliche stationäre Fallzahl je Einwohnerinnen beziehungsweise Einwohner. Daraus resultieren die im Vergleich der Bundesländer zweithöchsten Pro-Kopf-Kosten in Deutschland. Diese Zahlen sind nicht allein mit der demografischen Entwicklung und der Struktur des Landes zu erklären. Offensichtlich sind auch strukturelle Probleme vorhanden. Insofern sollte die Krankenhausversorgung einer stetigen Weiterentwicklung unterzogen werden. 

Jörg Manthey

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Leiter der Krankenhausvertragsstrategie der Techniker Krankenkasse

TK: Wie würden Sie eine bedarfsgerechte und zukunftsfähige Krankenhausstruktur gestalten?

Manthey: Die Krankenhausstrukturen müssen nach Versorgungsaufträgen gestaffelt werden. Nicht jedes Haus soll jede mögliche Behandlung anbieten. Die Grundversorgung für die Bevölkerung muss weiter vor Ort sichergestellt sein. Spezielle Eingriffe wie Herzoperationen und Behandlungen in der Neurochirurgie sollten Spezialisten vorbehalten sein. Da diese nicht überall verfügbar sind, sollten solche Behandlungen von den sogenannten Maximalversorgern angeboten werden.

Sachsen-Anhalt verfügt über zwei Universitätsklinken und mehrere andere Maximalversorger, die für diese Aufgaben prädestiniert sind. Das Land muss diese Strukturierung durch punktgenaue Investitionen unterstützen und die Versorgungsaufträge für jedes Krankenhaus konkret ausgestalten. Hier ist Sachsen- Anhalt mit dem neuen Landeskrankenhausgesetz und den Planungsgrundsätzen auf einem guten Weg. Es kommt jetzt auf die praktische Umsetzung an.  

In einer zukünftigen Planung einer Versorgungsstruktur reicht es nicht aus, nur die Krankenhäuser separat zu betrachten. Es ist notwendig, gerade in einer ländlich geprägten regionalen Struktur übergreifend zu denken. In die Versorgung müssen alle Player, also Krankenhäuser genauso wie niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, der Rettungsdienst, die Physiotherapeutinnen und -therapeuten und die häusliche Krankenpflege eingebunden werden.

Nur wenn die neuen medizinischen Möglichkeiten zusammen mit den modernen Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden, wird es möglich sein, trotz der Demografischen Entwicklung und des unter anderem auch daraus resultierenden Fachkräftemangels, die Versorgung in Sachsen-Anhalt auch weiterhin sicherstellen zu können. 

TK: Welche Ideen haben Sie für eine Reform der Krankenhausvergütung?  

Manthey: In Deutschland werden Krankenhäuser dual finanziert. Das bedeutet, dass die Länder die Kosten für die Investitionen und die Krankenkassen die Betriebskosten tragen. Dieses Prinzip wurde von den Ländern in den letzten Jahren zunehmend negiert. Sie haben ihren Anteil für die Finanzierung massiv zurückgefahren. Da die Krankenhäuser trotzdem investieren mussten, wurden zunehmend Erlöse aus den Betriebskosten dafür verwendet. Gleichzeitig wurde erklärt, dass die Finanzierung insgesamt nicht ausreichend sei, was unter diesen Bedingungen auch stimmt. 

Wenn wir also über zukünftige Krankenhausvergütungen sprechen, muss zunächst klar sein, ob wir weiter von einer dualen Finanzierung ausgehen. Wenn dem so ist, geht es um die Modernisierung des in Deutschland 2003 eingeführten DRG Systems.

Unbestritten ist, dass es uns gelungen ist, mit der Einführung des DRG System einen großen Schritt in Richtung Leistungsgerechtigkeit und Transparenz bei der Vergütung von Krankenhausleistungen zu gehen. Strittig ist dagegen, ob die Ausgestaltung als quasi allumfassendes und einziges Vergütungssystem noch richtig beziehungsweise zeitgemäß ist. Veränderte Versorgungsstrukturen und Versorgungsaufträge für Krankenhäuser und eine Sicherstellung der Versorgung im ländlichen Bereich bei geringer Nachfrage nach Leistungen, verlangen nach neuen Lösungen. 

Ich bin der Auffassung, dass sich die Vergütung zukünftig aus drei Komponenten zusammensetzen sollte. Einmal aus einer Vergütung für die Vorhaltung einer Leistung unabhängig davon, wie häufig sie erbracht wird. Zweitens aus dem leistungsgerechten Entgelt, also der DRG und schließlich aus einem Anteil für die Qualität.

Damit würden wir die Krankenhäuser nicht dazu zwingen, rein aus finanziellen Gründen ständig mehr Leistungen zu erbringen. Besonders wichtig ist mir die Etablierung eines Vergütungsanteils für die Vergütung von guter Qualität. Im derzeitigen System erfolgt die Vergütung, bis auf geringe Ausnahmen, ausschließlich aufgrund der Erbringung einer Leistung an sich.

Das bedeutet, schlechte Qualität wird genauso vergütet wie außergewöhnlich gute. Das ist nicht im Sinne der Patienten, setzt falsche Anreize, und ist schlicht ungerecht.  Eine Splittung der Vergütung in Verbindung mit konkretisierten Versorgungsaufträgen für jedes Krankenhaus wäre ein zukunftsfähiger Ansatz. 

Zur Person

Jörg Manthey  ist seit 1991 für verschiedene Krankenkassen im stationären und sektorenübergreifenden Vertragsbereich auf Landes- und Bundesebene tätig. Seit 2009 leitet der Ökonom das Fachreferat Krankenhausstrategie der Techniker Krankenkasse. Dort ist er für das gesamte Vertrags- und Budgetgeschäft mit Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken verantwortlich.