Frankfurt am Main, 18. Dezember 2019. Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden werden, haben später ein höheres Risiko für Gesundheitsprobleme als Kinder, die auf natürlichem Weg zur Welt gekommen sind. Eine Frühgeburt wirkt sich noch stärker auf die Gesundheit der Kinder aus. Das geht aus dem aktuellen Kindergesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, in dem die Kasse die Daten von rund 38.000 im Jahr 2008 geborenen Kindern bis zum achten Lebensjahr ausgewertet hat. Der Anteil der Kaiserschnittentbindungen in Hessen lag 2017 mit 35 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (30,5 Prozent). Vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche wurden in Hessen über 4.000 Kinder (7,2 Prozent) zu früh geboren.

Insgesamt zeigt der TK-Report: Kinder sind überwiegend bei guter Gesundheit. Akute Erkrankungen wie Infektionen der Atemwege oder Durchfallerkrankungen gehören zum normalen Heranwachsen. "Unsere Studie zeigt jedoch, dass Kinder auch von schwerwiegenderen Krankheiten betroffen sein können. Bei vielen dieser Erkrankungen besteht ein signifikanter Zusammenhang mit der Entbindung per Kaiserschnitt oder mit einer Frühgeburt", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. 

Laut TK-Report scheint die natürliche Geburt aus mehreren Gründen der beste Weg ins Leben zu sein: Nach einer Kaiserschnittentbindung haben Neugeborene - anders als bei einer vaginalen Geburt - noch häufig Fruchtwasser in den Atemwegen. Zudem ist die Immunabwehr von Kaiserschnittkindern in der ersten Lebensphase vergleichsweise schwächer. Dies wird unter anderem mit einer gestörten Darmflora der Neugeborenen erklärt, da die Kinder während der Kaiserschnittgeburt nicht mit den vaginalen Mikroorganismen der Mutter in Berührung kommen. Ein Kaiserschnitt ist zweifellos erforderlich, wenn eine natürliche Entbindung die Gesundheit der Mutter und des Kindes gefährdet. Ist er aber medizinisch nicht erforderlich, müssen die Vor- und Nachteile eines solchen Eingriffs aus Sicht der TK in Hessen im Interesse des Kindes gut abgewogen werden.

Höheres Erkrankungsrisiko   

Ein Kaiserschnitt steigert beispielsweise das Risiko für eine chronische Bronchitis in den ersten acht Lebensjahren um fast zehn Prozent. Zudem zeigt die Studie einen Zusammenhang zwischen einer Kaiserschnittgeburt und einem höheren späteren Risiko für allergisches Asthma des Kindes, für Ernährungsprobleme wie etwa Adipositas, Magen-Darm-Infekte oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen und für Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Insgesamt zeigt sich bei den Kaiserschnittkindern bei 19 von 67 Krankheitsgruppen, die im Report näher untersucht werden, ein signifikant höheres Erkrankungsrisiko.

Zudem zeigt der Kindergesundheitsreport: Eine Frühgeburt beeinflusst die Gesundheit des Kindes noch stärker als eine Kaiserschnitt-Entbindung. Frühgeborene leiden häufiger an Entwicklungsstörungen, Sehbeeinträchtigungen und Erkrankungen der unteren Atemwege. Insgesamt zeigt der Report bei den Frühgeborenen ein höheres Erkrankungsrisiko bei 22 der 67 untersuchten Krankheitsgruppen. Früh geboren sind Kinder, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche und mit weniger als 2.500 Gramm Körpergewicht auf die Welt kommen.

Digitale Hightech-Matratze für Frühchen

Der TK-Kindergesundheitsreport ist die erste Langzeitstudie mit deutschen Routinedaten, die den Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und Frühgeburt sowie der Gesundheit von Kindern differenziert analysiert. "Er liefert wichtige Erkenntnisse für uns als Krankenkasse und zeigt auch, wie wichtig es ist, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen zu entwickeln", so Voß. Beispielsweise testet die TK in Hessen zurzeit gemeinsam mit dem Frankfurter Universitätsklinikum im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie die digital gesteuerte Matratze "Babybe". Sie vermittelt frühgeborenen Babys die Geborgenheit der Eltern, indem sie Atmung, Stimme und Herzschlag der Mutter simuliert. Erste Ergebnisse einer Pilotstudie des Babybe-Systems weisen darauf hin, dass die bionische Matratze die Atemfrequenz der Babys senkt und die Gewichtszunahme beschleunigt. 

Die Folgen von Kaiserschnitt und Frühgeburt

Fast jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt auf die Welt. Etwa acht Prozent  werden zu früh geboren. Beides hat einen langfristigen Einfluss auf die Gesundheit, zeigt der Kindergesundheitsreport der TK.

Hintergrund

Bei der Zahl der Kaiserschnittentbindungen und der Frühgeborenen in Hessen beziehen sich die TK in Hessen auf die aktuellste Auswertung der Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen (GQH) aus dem Jahr 2017. Für ihren  TK-Studie: Kindergesundheitsreport 2019 (PDF, 2,0 MB) hat die TK die Abrechnungsdaten von 38.853 TK-versicherten Kindern, die im Jahr 2008 geboren wurden, ausgewertet. Die Analyse umfasst die ersten acht Lebensjahre der Kinder, also den Zeitraum von 2008 bis 2016. Untersucht wurden 461 Krankheitsgruppen mit insgesamt 16.200 Diagnosen.