Die Krankenhauslandschaft in Deutschland ist seit Jahren unter anderem durch eine chronische Unterfinanzierung bei den Investitionen geprägt. Mehrere Gründe tragen dazu bei, dass bayerische Kliniken in der Vergangenheit weniger betroffen waren als Kliniken in anderen Bundesländern.

So liegen die Förderbeträge je Bett in Bayern oberhalb des Bundesdurchschnitts. Gleichzeitig hat Bayern sehr schnell auf den mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) bundesweit ab 2016 eingerichteten Strukturfonds reagiert und seinen Förderanteil im Gegensatz zu anderen Bundesländern abgerufen. Hiervon profitiert natürlich die Krankenhausversorgung in Bayern.

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Bernd Beyrle

Die wirtschaftliche Situation ist schwierig

 Diese positive Ausgangssituation darf aber nicht den Blick für die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser in Bayern verstellen. Der aktuelle Krankenhaus Rating Report 2018 beschreibt die wirtschaftliche Situation der bayerischen Kliniken - wie auch der einiger anderer Bundesländer - als schwierig. Davon sind insbesondere kleinere Kliniken, die in Bayern einen überproportional hohen Anteil haben, betroffen.

Spezialisierung und Zentrenbildung

Diese Ausgangssituation wird alle Verantwortlichen in den nächsten Jahren vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Kliniklandschaft befindet sich in einer Phase erheblicher struktureller Veränderungen. Für ein Flächenland wie Bayern bedeutet dies, gleichzeitig die Versorgung in der Fläche sicherzustellen und neue Anforderungen als Folge der Spezialisierung und Zentrenbildung umzusetzen.

Qualitätserwartungen lassen sich nicht umsetzen

Das alles vor dem Hintergrund berechtigter steigender Qualitätserwartungen der  Bevölkerung. So erwarten Patienten von ihren behandelnden Ärzten eine ausreichende Behandlungserfahrung. Ein Arzt wiederum kann diese nur erreichen, wenn seine Klinik eine entsprechende Leistungsmenge aufweist. Wir gehen davon aus, dass sich die Qualitätserwartungen in einer zu kleinteiligen Krankenhauslandschaft nicht umsetzen lassen. Verschärft wird dieser Anpassungsdruck durch den fortschreitenden Fachkräftemangel. Kurz gesagt: Klinik-Fusionen sind auch in Bayern unumgänglich.

Die Digitalisierung wird den Prozess der Neustrukturierung zusätzlich beschleunigen. Sie bietet aber sehr viele Chancen, um Prozesse zu verbessern und die Beschäftigten von Tätigkeiten, die nicht direkt dem Patienten zugutekommen, zu entlasten.

Konflikte werden nicht zu vermeiden sein

Sowohl die Fusion von Krankenhäusern als auch die Konzentration von Leistungsangeboten bedarf immer der Kommunikation mit den direkt Betroffenen vor Ort. Konflikte werden hier nicht zu vermeiden sein. Es wäre der falsche Weg auf diese Probleme durch immer neue Ausnahmeregelungen zu reagieren, die letztlich nur bestehende Strukturen zementieren. Aus Patientensicht gibt es keine Legitimation für ein Abweichen von Qualitätsanforderungen.

Geld für notwendige Veränderungen steht zur Verfügung

In dem vorliegenden Entwurf eines Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes reagiert der Bundesgesetzgeber bereits auf diese Herausforderungen, in dem er zum Beispiel die Laufzeit des Strukturfonds verlängert und über vier Jahre verteilt weitere zwei Milliarden Euro aus dem Gesundheitsfonds der GKV bereitstellt.

Es stehen also finanzielle Mittel zur Verfügung, um die notwendigen Veränderungen in der Krankenhauslandschaft in Bayern konsequent fortzusetzen und diese damit zukunftsfest zu gestalten.