Herr Vogt, wie bewerten Sie das Verhandlungsergebnis mit der BWKG?

Ich will nicht verhehlen, dass eine Steigerung um 2,6 Prozent für uns schon an der Schmerzgrenze liegt. Denn der LBFW bestimmt wesentlich die Höhe der Budgets der einzelnen Krankenhäuser mit.

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Gleichwohl stehe ich hinter dem Verhandlungsergebnis, bedeutet es doch gleich in zweifacher Hinsicht ein starkes Signal: Zum einen fließen mit der Steigerung rund 250 Millionen Euro mehr an die Kliniken im Land. Wir honorieren damit die gute Arbeit von Ärzten und Pflegekräften, schaffen Planungssicherheit und leisten so unseren Beitrag zu einer hochwertigen Versorgung der rund zwei Millionen Krankenhauspatienten pro Jahr im Südwesten.

Zum anderen ist für mich wichtig, dass das Ergebnis ohne Einschaltung des Schiedsamtes erreicht wurde. Damit hat die Selbstverwaltung in Baden-Württemberg einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie an einem Strang zieht und ihrer Verantwortung gerecht wird. Das ist für die Krankenhäuser derzeit besonders wichtig.  

Inwiefern - in welcher Situation befinden sich die Krankenhäuser?

Auf die Krankenhäuser kommen etliche neue Aufgaben zu:  Es gibt neue Anforderungen beim Entlassmanagement, Personaluntergrenzen müssen eingehalten werden, der Ausbildungsfonds wird umstrukturiert, die Digitalisierung darf nicht verschlafen werden - um nur einige Beispiele zu nennen. Da ist eine funktionierende Selbstverwaltung von großer Bedeutung.

Die Abrechnung mit diagnoseorientierten Fallpauschalen wurde im Jahr 2003 in Deutschland eingeführt. Wie sehen Sie die aktuelle Situation?

Das DRG-System hat sich bewährt. Die jährliche Anpassung durch das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (INEK) hat dazu geführt, dass sich die Zahl der DRGs seit dem Jahr 2003 von rund 660 auf nun 1320 ziemlich genau verdoppelt hat. Damit wurde das Krankheitsgeschehen immer präziser abgebildet.

Aus meiner Sicht ist es bedauerlich, dass die DRGs gleichzeitig immer mehr an Bedeutung verlieren. Die Ausgliederung der Pflegepersonalkosten ab dem Jahr 2020 ist dafür ein aktuelles Beispiel. 

Aber auch in den Jahren zuvor wurden immer wieder neue Zuschläge erfunden: So können die Kliniken Zuschläge abrechnen für die Bildung von Zentren und Schwerpunkten, für die Einrichtung von Pflegestellen, für Hygiene-Aktivitäten, für Maßnahmen zur Qualitätssicherung oder für die Beteiligung an Fehlermeldesystemen. Dieser Trend sollte gestoppt werden. Ich sehe aber leider nicht, dass dazu ein politischer Wille besteht.