"Fakt ist (…), dass sich die Krankenhauslandschaft bundesweit und auch in Rheinland-Pfalz im Umbruch befindet". So schreibt es das Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz in seiner Pressemitteilung vom 14. November 2019. Und mit dieser Erkenntnis liegt das Ministerium natürlich richtig. Bundesweit entscheiden sich Träger öffentlicher und freigemeinnütziger Einrichtungen dafür, nur solche Krankenhäuser weiter zu betreiben, die finanziell auf stabilen Füßen stehen können. Jedes Mal ist der Aufschrei in der Politik, von Kommunaler- bis hin zur Landesebene riesengroß. Sofort sucht man den Schuldigen, der dafür verantwortlich gemacht wird, dass ein Krankenhaus augenscheinlich selbst zum Patienten wurde. Oft limitiert sich dabei die Debatte auf Investitionskosten versus Betriebskosten und schnell entsteht der Eindruck, als würden sich Politik und Kostenträger den Schwarzen Peter gegenseitig zuschieben. Den Krankenhäusern und vor allem den Patienten, ist damit nicht geholfen. 

Jörn Simon

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Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz

Fakt ist, dass vor allem die Qualität stimmen muss. Wenn man Leistungen konzentriert und Kliniken sich auf bestimmte Leistungen spezialisieren, dann bringt das einen richtigen Qualitätsschub. Denn es stimmt: "Erfahrung macht den Meister" und routinierte Teams erzielen nachweislich bessere Ergebnisse. Wir müssen zudem der Tatsache ins Auge sehen, dass wir gar nicht genug Fachpersonal (Mediziner und Pflegekräfte) haben, um auf Dauer alle Standorte zu besetzen. Wenn nur darauf gepocht wird, die eigene Klinik vor Ort zu erhalten, hat diese Kirchturmpolitik wenig mit verantwortungsvoller Solidarität zu tun. Fakt ist aber auch, dass wir nicht jedes Krankenhaus als Vollversorger auf dem Land am Leben erhalten müssen, um die Bevölkerung medizinisch hochwertig versorgt zu wissen. Eine Adaption des Krankenhaussektors an aktuellen Entwicklungen (Demografie und Digitaler Wandel) ist längst überfällig. Dabei geht es gar nicht darum, defizitäre Krankenhäuser komplett zu schließen, sondern Standorte so umzustrukturieren, dass sie zukunftsfähig sind und das erbringen können, was der Patient von ihnen erwartet. Vorschläge hierfür liegen schon lange auf dem Tisch und sind nicht neu. Dazu gehören sektorenübergreifende Modelle wie integrierte Gesundheitszentren, die sich bereits an anderen Standorten (auch in Rheinland-Pfalz) bewährt haben genauso wie größere Häuser mit Top-Qualität statt viele kleine Standorte mit Versorgungsdefiziten.
Ein Festhalten, an veralteten nicht überlebensfähigen Strukturen, die letzten Endes auf dem Rücken der Patienten und dem Personal ausgetragen wird, ist nicht sinnvoll. Eine Entwicklung aber, die den Fokus auf Zentralisierung und Spezialisierung in der Gesundheitsversorgung legt, weil sie dem Patienten nützt, begleiten wir jederzeit gerne aktiv und konstruktiv mit. Dafür muss man sogar nur den Koalitionsvertrag im Land umsetzten. Dort heißt es: "Wir werden die Spielräume (…) nutzen, um (…) Doppelstrukturen zu vermeiden und geeignete Konzentrationen vor allem spezialisierter Leistungen vorzunehmen." Und mit diesem Vorhaben läge die Landesregierung dann natürlich auch qualitativ richtig.