Mainz, 7. April 2021. Das Land fördert rheinland-pfälzische Kliniken im Zuge des Krankenhausinvestitionsprogramms 2021 mit insgesamt 128 Millionen Euro - einem Finanzvolumen, das rund sechs Prozent (6,48) über dem Vorjahresniveau liegt. "Das ist ein wichtiges Signal der Anerkennung für die Kliniken, die sich schnell und konsequent den Anforderungen der Pandemie angepasst haben. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) verdeutlicht auch, dass die politische Entscheidung, mehr in die stationäre Versorgung zu investieren, dem mehrheitlichen Wunsch der Rheinland-Pfälzer entspricht", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Mainz.

So hatten neun von zehn Befragten knapp zwei Monate vor der Landtagswahl angegeben, dass es wichtig sei, die Kliniken des Landes stärker als bislang finanziell zu fördern. 65 Prozent der Interviewten sahen die Bundesländer hier in der Pflicht. Nahezu jeder Dritte (26 Prozent) hält eine stärkere Beteiligung der Kassen an Klinikinvestitionen für einen sinnvollen Weg, sofern diese im Gegenzug stärkere Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Nur neun Prozent waren der Ansicht, dass die Häuser notwendige Investitionsmittel selbst erwirtschaften sollten.

Jährlicher Finanzstau etwa 300 Millionen Euro hoch

"Es ist ein chronisches Problem: Seit mehreren Jahren errechnen Experten immer wieder wieviel Geld die Krankenhäuser eigentlich bräuchten, um in moderne OP-Säle und in eine zeitgemäße Bausubstanz investieren zu können. Schätzungen zur Folge würde sich der Finanzbedarf allein für Rheinland-Pfalz auf etwa 300 Millionen Euro jährlich beziffern. Es ist also mehr als deutlich, dass auch eine Investitionsförderung, die um gut sechs Prozent erhöht wurde, nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. Daher muss das Thema bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen ganz oben auf der Agenda stehen und das Finanzvolumen möglichst verdoppelt werden", fordert der TK-Landeschef. 

Erfahrung ist Voraussetzung für hohe Versorgungsqualität

Die Umfrage verdeutlicht auch, dass Rheinland-Pfälzer im Fall eines bevorstehenden Eingriffs nicht einfach das nächstgelegene Krankenhaus wählen würden. 92 Prozent gaben an, dass es ihnen (sehr) wichtig sei, dass die Behandlungsqualität durch objektive Daten belegt ist. 91 Prozent halten bei der Suche nach dem passenden Krankenhaus die Anzahl der Komplikationen im entsprechenden Behandlungsbereich für wichtig und 83 Prozent erachten die Anzahl der durchgeführten Operationen für maßgeblich. "Insbesondere der letzte Befragungswert zeigt, dass ausreichende Erfahrung als Grundvoraussetzung für das Erbringen einer hohen Versorgungsqualität gesehen wird", sagt Simon.

Krankenhauslandschaft muss neu geordnet werden

Simon weiter: "Wir können es uns nicht mehr leisten, Millionenbeträge in Strukturen zu investieren, die längst nicht mehr dem aktuellen Versorgungsniveau entsprechen. Notwendige Krankenhausreformen werden aber erst erfolgreich umgesetzt, wenn die Tatsache anerkannt wird, dass die Krankenhauslandschaft einer grundlegenden Neuordnung bedarf." Wichtig sei hierfür nicht nur die Weiterentwicklung des Vergütungssystems in der stationären Versorgung.

Ein entscheidender Pfeiler für tragfähige Veränderungen sei auch eine andere Schwerpunktbildung bei der Krankenhausplanung durch das Land. Simon: "Diese darf nicht mehr nur einfach das Bestehende fortschreiben und primär auf die Bettenzahl abstellen. Vielmehr muss künftig festgelegt werden, welche Häuser tatsächlich bedarfsrelevant sind. Gleichzeitig ist es notwendig, konkrete Versorgungsaufträge zu erteilen. Analog der Notfallversorgung gilt es, die Kliniken bestimmten Versorgungsstufen zuzuordnen. Nur so lassen sich unwirtschaftliche Doppelstrukturen abbauen und unnötige Mengenausweitungen vermeiden", ist Simon überzeugt.