Magdeburg, 3. November  2021. Angesichts der aktuellen Diskussion über die finanzielle Situation zahlreicher Kliniken in Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern plädiert die Techniker Krankenkasse (TK) dafür, versorgungsnotwendige Krankenhäuser künftig unabhängig von der Größe einzelner Häuser bedarfsgerechter und langfristiger zu planen. "Eine zeitgemäße Krankenhausplanung und -finanzierung muss sowohl die Qualität der medizinischen Leistungen, als auch die Gegebenheiten vor Ort für jede der 45 Kliniken im Bundesland berücksichtigen", erläuterte Steffi Suchant, Leiterin der TK-Landesvertretung Sachsen-Anhalt am Mittwoch auf einer Fachtagung der Kasse in Magdeburg.

Gutachten soll Prognose bis 2035 ermitteln

Die TK begrüßte in diesem Zusammenhang das im Koalitionsvertrag Sachsen-Anhalt definierte Vorhaben, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das den regionalen Versorgungsbedarf, die Versorgungsstrukturen und den Fachkräftebedarf für die stationäre Versorgung bis zum Jahr 2035 ermitteln soll. Die Frage nach einer zukunftsfähigen und wirtschaftlich sinnvollen Investitionsplanung muss aus Sicht der Kasse die Grundlage für dieses Gutachten bilden. 

Suchant: "Es ist unabdingbar, auf Basis verschiedener Kriterien eine Bedarfsermittlung  und Einschätzung über die Zukunftsfähigkeit jeder einzelnen Klinik durchzuführen. Andernfalls ist keine verlässliche Prognose darüber möglich, wie die Krankenhauslandschaft unseres Bundeslandes aussehen muss, um wirtschaftlich und zukunftsfähig zu bleiben."

Regionale Gesundheitszentren und Digitalisierung

Zur Sicherung der medizinischen Versorgung besonders im ländlichen Raum unterstützt die TK das Vorhaben des Landes, sektorenübergreifende Strukturen zu implementieren, um ambulante und stationäre Versorgung stärker miteinander zu verknüpfen. Als Kernstück für den Aufbau eines neuen integrierten Versorgungsbereiches schlägt die Kasse in Regionen mit nachgewiesener Unterversorgung den Aufbau sogenannter Regionaler Gesundheitszentren (RGZ) vor. Derartige medizinische Einrichtungen ermöglichen nach Einschätzung der TK eine optimierte Kommunikation, Koordination und Kooperation zwischen den verschiedenen an der Versorgung Beteiligten und können eine Alternative zu den bisherig oftmals noch zu stringent getrennten Sektoren sein.

Vor dem Hintergrund der im Koalitionsvertrag getroffenen Aussagen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen konsequent voranzutreiben, spricht sich die TK dafür aus, auch im stationären Sektor bisherige Insellösungen in der IT-Infrastruktur abzubauen. Suchant: "Es gilt, einheitliche Netzwerke mit entsprechend zugänglichen Schnittstellen für alle Leistungserbringer zu schaffen und Strukturen und Prozesse im Sinne der Patientinnen und Patienten zu gestalten." Dabei sollte die ePA in die Systemlandschaft der Krankenhäuser integriert werden.

Basisversorgung und punktuelle Spezialisierung

Nach Auffassung der TK sollten die 45 Krankenhäuser zwischen Harz und Havel generell eine gute Basisversorgung sicherstellen und sich darüber hinaus punktuell spezialisieren. Unter dieser Voraussetzung sei die Schließung von Häusern derzeit kein Thema. Suchant: "Es darf hier keine Denkverbote geben und sollte legitim sein, das Fortbestehen oder gar den Ausbau einzelner Abteilungen kritisch zu hinterfragen." Perspektivisch hält die TK es zudem für sinnvoll, die Planung von Krankenhauskapazitäten länderübergreifend zu denken.

Krankenhaus als größter Ausgabenposten

Der Klinikbereich bildet sowohl bundesweit als auch in Sachsen-Anhalt den größten Ausgabenposten der Krankenkassen und schlägt mit nahezu einem Drittel aller Aufwendungen zu Buche. So flossen von den rund 466 Millionen Euro, die die TK im Jahr 2020 allein in Sachsen-Anhalt für die medizinische Versorgung ihrer Versicherten aufwandte, nahezu 138 Millionen in den Krankenhausbereich. Rein rechnerisch nahm damit jeder bei der Kasse versicherte Sachsen-Anhalter medizinische Leistungen im Wert von 3.333 Euro in Anspruch. Rund 987 davon entfielen allein auf die stationäre Versorgung.

Hintergrund

Unter dem Titel "Zukunft der Krankenhausversorgung in Sachsen-Anhalt" hatte die TK gemeinsam mit der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt Experten aus Politik und Gesundheitswesen zu einem Fachforum eingeladen, um über die Sicherstellung der stationären Versorgung im Bundesland zu diskutieren und die Sichtweise der verschiedenen Akteure zu erörtern.