Zur Mitte der Laufzeit des gültigen 7. Thüringer Krankenhausplans stehen nun die Vorbereitungen für dessen Neuauflage an. Damit werden auch für die Jahre nach 2022 die Weichen in der stationären Versorgung des Freistaats gestellt. Ob etwa sektorenübergreifende Projekte ihre Aufnahme in den Plan finden, wie die Versorgungsqualität darin konkret berücksichtigt wird und ob beispielsweise die Digitalisierung im Gesundheitswesen zum Wohle der Patienten noch mehr genutzt werden kann, wird die finale Version des Krankenhausplans im kommenden Jahr zeigen.

Vorher ist es jedoch Zeit für eine Bestandsaufnahme zur stationären Versorgung in Thüringen - in drei kurzen Fragen. Wir haben dazu Christoph Zippel um seine Einschätzung gebeten. Er ist Fraktionsvize und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, die während der laufenden Legislatur die rot-rot-grüne Minderheitsregierung konstruktiv begleitet. 

TK: Anfang des Jahres verglich die sachsen-anhaltinische Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne die dortige Krankenhauslandschaft mit einer "tickenden Zeitbombe". Wie sehen Sie die Situation in unserem Freistaat? 

Christoph Zippel: Die Situation ist grundsätzlich gut, aber wir sehen fast überall eine Verschärfung der Personalprobleme. Die Krankenhäuser haben noch mehr als früher zu kämpfen, geeignetes medizinisches Fachpersonal zu finden. Das gilt für Ärztinnen und Ärzte ebenso wie für die Pflegeberufe. Anders als in einigen westlichen Bundesländern gibt es in Thüringen nicht zu viele Krankenhäuser. Aber wir haben zu viele Vollversorger in direkter räumlicher Nähe, die alle um zu wenige Ärzte und tendenziell weniger Patienten kämpfen. Das macht keinen Sinn. Gerade die kleinen Häuser müssen sich stärker spezialisieren. Aber dazu braucht es auch die richtigen politischen Weichenstellungen. 

Dr. Chris­toph Zippel

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Stellv. Vorsitzender und gesundheitspol. Sprecher der Thüringer CDU-Landtagsfraktion

TK: Die Konzepte für eine Weiterentwicklung der Krankenhausstruktur sind zahlreich: eine stärkere Spezialisierung, mehr interkommunale Zusammenarbeit zwischen den Häusern oder die Gründung von Zweckverbänden, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.Welche Hindernisse bei der Umsetzung neuer Ideen für die Kliniklandschaft sehen Sie vorrangig?
  
Zippel: Das größte Hindernis - ich muss es leider so deutlich sagen - ist die mangelnde Entscheidungsfreude der Landesregierung. Dem 7. Thüringer Krankenhausplan fehlen jegliche Ambitionen und handfeste Entscheidungen. Zu den Themen Spezialisierung oder kommunale Zusammenarbeit gab es keine wegweisenden Vorgaben vom Gesundheitsministerium. Dabei liegt gerade in der stärkeren Zusammenarbeit der kommunalen Häuser ein wichtiger Schlüssel, um die Trägervielfalt - und damit auch einen gesunden Wettbewerb - in unserer Krankenhauslandschaft zu erhalten.

TK: Und was sind nach Ihrer Auffassung die beiden wichtigsten Aufgaben für eine zukunftssichere, stationäre Versorgung im Freistaat? 

Zippel: Wir müssen zum einen den Personalmangel angehen, das heißt, attraktiver zu werden für junge Ärztinnen und Ärzte, vor allem außerhalb der großen Städte. Das heißt aber auch, dass sich die einzelnen Krankenhäuser nicht gegenseitig das medizinische Personal wegnehmen. Damit wären wir bei der zweiten wichtigen Aufgabe: der stärkeren Spezialisierung. Wir brauchen weniger Vollversorger und mehr Häuser, die sich auf einige wenige Stärken konzentrieren. Dabei muss natürlich die Versorgungsqualität überall sichergestellt sein. Das müssen wir jetzt angehen, solange wir noch gestalten können. Lassen wir es einfach laufen, werden wir irgendwann nur noch auf Zwänge reagieren können - wie man es in einigen Thüringer Regionen ja leider jetzt schon sehen kann.