Die Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz ist zunehmend von finanziellen Engpässen, sich häufenden Krankenhausinsolvenzen sowie ineffizienten, teuren Strukturen geprägt. Demografie und Bevölkerungsstruktur machen ihr ebenfalls zu schaffen. Es gibt viele kleine Häuser in ländlichen Regionen mit vergleichsweise geringen Patientenströmen, aber einem breiten Behandlungsangebot. All das sind Symptome dafür, dass notwendige Reformen im Krankenhauswesen forciert werden müssen, damit die hohe Versorgungsqualität für Patienten erhalten beziehungsweise gesteigert werden kann. Nach Ansicht der Techniker Krankenkasse sind deshalb umfassende Reformen der stationären Versorgung in Rheinland-Pfalz nötig.

Krankenhausfinanzierung überarbeiten

Modulares Vergütungssystem entwickeln

Die Krankenhausfinanzierung sollte auf eine neue Grundlage gestellt werden, die neben Vorhaltekosten, Behandlungspauschalen auch Qualitätsaspekte finanziell belohnt. Die TK schlägt daher ein modular aufgebautes Vergütungssystem vor, welches in einem Gesamtbudget pro Krankenhaus mündet. Dieses besteht aus den Anteilen für Vorhaltekosten (Fixkostenbudget), Fallpauschalen zur Honorierung von medizinischen Leistungen sowie einem Vergütungsanteil für Qualität.

Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser steigern

Die Landesregierung Rheinland-Pfalz muss den im Land seit 1991 entstandenen Investitionsstau signifikant reduzieren. Vergleicht man das Haushaltsjahr 2018 mit dem Jahr 1991, so sank die reale Investitionsfinanzierung in diesem Zeitraum (laut DGK) in Rheinland-Pfalz um 42 Prozent.

Weniger, dafür größere spezialisierte Kliniken

Notwendig sind in Rheinland-Pfalz weniger, dafür spezialisiertere Kliniken. Um das Verhältnis zwischen zentralisierter Qualitätsmedizin und wohnortnaher Versorgung neu auszurichten, sollte insbesondere der Strukturfonds genutzt werden. 

Qualitätskontrolle

Zweitmeinungen für Operationen ausbauen

Operationen müssen sich strenger am medizinischen Nutzen ausrichten und das Zweitmeinungsverfahren mit Rechtsanspruch auf bestimmten Bereiche wie z.B. Knie- und Hüftendoprothetik und die Wirbelsäule, ausgeweitet werden.

Mindestmengen erhöhen

Bestehende Mindestmengen sollten stetig überprüft und ggf. weiter angepasst sowie auf neue Bereiche ausgeweitet werden. Die gesetzliche Eingrenzung von Ausnahmetatbeständen bei Mindestmengen aus Qualitätsgründen wird von der TK begrüßt und sollte nicht wieder aufgeweicht werden.

Personaluntergrenzen dienen Patientenschutz

Die gesetzlich vorgeschriebenen Personaluntergrenzen sollten von allen beteiligten Akteuren als Chance der Qualitätssicherung verstanden und konsequent umgesetzt werden. Grundsätzlich sind sie aber nur eine untere Haltelinie und reichen nicht aus. Die TK fordert deshalb ein leistungsgerechtes Pflegepersonalbemessungsinstrument.

Krankenhausplanung vertiefen

Die Krankenhausplanung sollte verstärkt als Instrument einer hochwertigen Patientenversorgung verstanden und genutzt werden. Dabei sollten auch sogenannte Integrierte Versorgungszentren als neue Versorgungsstufe in der Planung berücksichtigt werden. Kooperations- und Spezialisierungsprozesse, sollten ebenfalls integraler Bestandteil der Planung werden. Zuletzt eröffnet die vorherrschende Rahmenplanung zu viel Spielraum für qualitätsmindernde Aufweichungen. Darüber hinaus muss die Krankenhausplanung endlich im Konzert mit den anderen Sektoren geplant und gelebt werden.

Digitalisierung

Flächendeckende Interoperabilität

Die Voraussetzung für eine flächendeckende Vernetzung ist die digitale Interoperabilität. Um diese zu erreichen, sollte die Interoperabilität eine maßgebliche Grundlage bei Förderungen durch den Krankenhauszukunftsfonds darstellen. 

Telemedizin ausbauen

Durch den Einsatz von Telemedizin, die interdisziplinär stattfinden- und leistungsbezogen abrechenbar sein sollte, kann ein virtuelles Krankenhaus, wie es derzeit in NRW erprobt wird, fachliche Expertisen über weite Distanzen hinweg zur Verfügung stellen und so die Patientenversorgung stärken.

Onlineportale für Kapazitätstransparenz ausweiten

Onlineportale über z.B. freie Bettenkapazitäten in der Notfall- oder Intensivmedizin, sind auszubauen, um eine echte Übersicht zu Behandlungskapazitäten zu schaffen. 

Digitalprozesse der Krankenhäusern forcieren

Zur Entlastung des Personals, sollte verstärkt in digitale Prozesse investiert werden, die einen Bürokratieabbau zur Folge haben.