Dresden, 5. August 2020. Nicht erst seit der Pandemie ist die Lage einzelner Krankenhäuser angespannt. Laut der aktuellen Roland-Berger-Krankenhausstudie wird der Umbruch im deutschen Kliniksystem durch die Corona-Krise beschleunigt. Den Kliniken wird empfohlen, ihr Geschäftsmodell aktiv, grundlegend und schnell zu überdenken. Auch in Sachsen steht die Krankenhaus-Landschaft auf der politischen Agenda. 

"Vor allem geht es darum, die hohen Qualitätsstandards in ländlichen Regionen zu garantieren. Spezialisierung und Kooperation der Häuser und das in einer digitalen Infrastruktur bestimmen die Richtung. Versorgungsprobleme müssen wir künftig anders als bisher lösen und Mut für innovative Ideen entwickeln. Wir begrüßen deshalb die Initiative von Sozialministerin Petra Köpping, die 'Zukunftswerkstatt Krankenhaus' voranzutreiben", betont TK-Chefin Simone Hartmann. Sie ruft die verantwortlichen Partner auf sächsischer Krankenhaus-Seite und insbesondere die Kommunen als Krankenhausträger zu konstruktiven Gesprächen auf, notwendige Reformen anzugehen und sich dabei vom Mehrwert für die Patienten leiten zu lassen. 

Spitzenmedizin auch in der Region

Die TK in Sachsen sieht für einige sächsische Kliniken mit seit Jahren rückläufiger Inanspruchnahme in ländlichen Gesundheitszentren eine passende Struktur. Diese Gesundheitszentren vereinen die ambulante hausärztliche und fachärztliche Medizin mit einer stationären Abteilung inklusive Klinikbetten für chirurgische Eingriffe, Notfallbetreuung oder internistische Behandlungen. Auch Kurzzeitpflege, Pflegedienste und anderen Gesundheitsberufe wie Physiotherapeuten oder Apotheker sind in die Zusammenarbeit eingebunden. Diese Struktur intern wie extern digital vernetzt, schafft die Möglichkeit, Spitzenmedizin auch in der Region anzubieten, ohne dass Patienten weite Wege auf sich nehmen müssen. In Sachsen könnten mindestens drei Krankenhäuser dafür in Frage kommen. Der künftige Erfolg liegt in der Kooperation. Ein gutes Beispiel sind die Schlaganfall-Netzwerke in Sachsen, in denen Krankenhäuser der Regelversorgung radiologische Befunde mit Zentren telemedizinisch austauschen und sich fachlich abstimmen. 

Volkskrankheiten nachhaltig bewältigen

"Viele Patienten müssten nicht ins Klinikbett, wenn ihre chronische Erkrankung perfekt ambulant gemanagt würde. Beste Beispiele dafür sind Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, deren Folgen seit Jahren in Sachsen zu einer überdurchschnittlichen Sterblichkeit führen. Solche Volkskrankheiten müssen wir nachhaltig bewältigen, und das gelingt am besten im unmittelbaren Lebensumfeld der Patienten. Die Verantwortung trägt der Hausarzt im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Facharzt“, betont Hartmann. 

Krankenhausfälle vermeidbar

Studien belegen, dass mindestens 20 Prozent der Krankenhausfälle vermeidbar sind, wenn sie ambulant behandelt würden. Das jetzige System setzt dagegen massive Anreize für Kliniken, wie im Hamsterrad immer mehr stationäre Leistungen zu erbringen. Krankenhäuser versuchen damit, einen großen Teil ihrer Investitionskosten zu refinanzieren. Für diese Finanzierung ist eigentlich der Freistaat zuständig, der auch hier den Rotstift angesetzt hat. Bei der Krankenhaus-Reform in Sachsen muss diese ungebremste Wachstumsstrategie ungeschminkt auf den Tisch, so die TK-Forderung. 

Möglichkeiten der Digitalisierung

Die Digitalisierung bietet ungeahnte Möglichkeiten. "Auch wenn der Breitbandausbau mancherorts in Sachsen zu wünschen übrig lässt, ist wichtig, jetzt Stück für Stück digitale Prozesse in Gang zu setzen. Diese können Entscheidungen bei Diagnostik, Therapie und Pflege unterstützen, auf Interaktionen von Medikamenten hinweisen oder klinische Erinnerungsfunktionen umfassen. Die Chancen reichen von höherer Patientenzufriedenheit, Wissenstransfer unter Fachleuten in Echtzeit oder Expertise trotz räumlicher Trennung. Im Vergleich ist hier das sächsische Gesundheitswesen jedenfalls nicht führend."