Deshalb haben sich 14 Kliniken im Land zusammengeschlossen und ein gemeinsames Karriereportal geschaffen. Die neue Rubrik "Karriere im Krankenhaus" im neuen Krankenhausspiegel informiert ausführlich über alle Berufsbilder - von Medizin über Pflege, Therapie und Sozialberufe bis hin zu Technik, Verwaltung und Service. Zentraler Bestandteil ist eine gemeinsame Stellenbörse aller Krankenhäuser, die auf einen Blick über freie Stellen und Ausbildungsmöglichkeiten informiert.

Neben der Senatorin für Gesundheit, Verbraucherschutz und Frauen, der Ärztekammer Bremen und der Verbraucherzentrale Bremen ist die Techniker Krankenkasse (TK) Projektpartner des Projektes.

Personalbedarf wird steigen

Der TK ist dieses Engagement wichtig, denn gerade in den Gesundheitsberufen werden in den kommenden Jahren in Bremen deutlich mehr Fachkräfte gebraucht, als derzeit ausgebildet werden. Das Gesundheitsberufemonitoring der Uni Bremen von 2017 macht die Situation ganz deutlich: Den stärkste Bedarfsanstieg in den nächsten Jahren erwarten wir im Bereich der Altenpflege. Der Personalbedarf wird im Bereich der ambulanten und vollstationären Altenhilfe ausgehend vom Basisjahr 2015 bis 2020 um 5,6 Prozent steigen, und im Jahr 2035 wird der Personalbedarf den des Jahres 2015 um 23,4 Prozent übertreffen.

In der Gesundheits- und Krankenpflege wird der Personalbedarf bis 2025 um 6 Prozent, bis 2035 um prognostizierte 12 Prozent steigen.

Finanzierung durch Krankenkassen reichen nicht aus

Die aktuellen Maßnahmen des Gesundheitsministers zur Förderung von Pflegestellen im Krankenhaus sehen umfangreiche Finanzierungsleistungen durch die Krankenkassen vor. Das ist richtig so und auch da tragen wir unseren Beitrag bei.  

Wir sehen aber mit Sorge, dass diese Programme die Gefahr bergen, dass sich die Krankenhäuser mit den zur Verfügung gestellten finanziellen Mitteln gegenseitig Fachpersonal abwerben oder gar aus der ambulanten und stationären Pflege rekrutieren. Bereits heute werden in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern ganze Stationen geschlossen, weil das erforderliche Pflegepersonal nicht auf dem Arbeitsmarkt zu finden ist.

Gelder werden nicht abgerufen

Die Krankenkassen stellen bereits Geld zur Personalaufstockung zur Verfügung, dies entschärft bislang aber nicht die Problemsituation. Wir stellen heute schon in den Verhandlungen mit den Krankenhäusern fest, dass die zur Verfügung stehenden Gelder gar nicht abgerufen werden, weil auf dem Arbeitsmarkt trotz größter Bemühungen der Krankenhäuser kaum Personal zu finden ist.

Darum unterstützen wir ausdrücklich die Maßnahmen zur Erhöhung der Ausbildungskapazitäten für Pflegeberufe.

Allein durch die Steigerung der Ausbildungskapazitäten wird sich die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildung im Bereich der Pflege leider nicht erhören.   

Ausbildung attraktiver gestalten

Deshalb ist es darüber hinaus auch erforderlich die Ausbildungen attraktiver zu gestalten. Die Umsetzung des Pflegeberufegesetzes und damit die Zusammenführung der drei Pflegeberufe zu einer generalistisch ausgerichteten Pflegeausbildung ist ein entscheidender Schritt. Durch einen neuen Rahmenlehrplan und eine neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung wird das Kompetenzniveau der zukünftigen Pflegefachkräfte deutlich gestärkt.

Auch die Akademisierung von Gesundheitsfachberufen wird die Attraktivität dieser Berufe steigern. Der Bedarf an gut ausgebildeten Pflegekräften wächst angesichts einer älter werdenden Gesellschaft rapide. Auch die Anforderungen an Pflegekräfte steigen und erfordern zunehmend eine akademische Ausbildung im pflegerischen Bereich.

Schulgeldsituation kontraproduktiv

Ein weiterer Aspekt ist die finanzielle Sicherung der Ausbildung in den anderen Gesundheitsberufen wie Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie. Die bisherige Situation war nicht gerade dazu geeignet, junge Menschen für diese Ausbildung zu begeistern.

Der Grund war das zu entrichtende Schulgeld. In Kombination mit den Lebenshaltungskosten während der Ausbildung ergaben sich Kosten für die Lernenden, die die eines Hochschulstudiums überstiegen, aber ohne die späteren Einkommensaussichten eines akademischen Berufs. Dies erforderte schon sehr viel Idealismus. Auch wir haben in langen Diskussionen mit anderen Krankenkassen und der Gesundheitsbehörde nach Möglichkeiten zur Abschaffung des Schulgeldes gesucht.

Hier freuen wir uns, dass es den meisten Schulen gemeinsam mit der GeNo gelungen ist, die rechtlichen Voraussetzungen für eine Finanzierung der Ausbildung durch die Krankenkassen zu schaffen. Wir gehen davon aus, dass sich durch die neue Situation deutlich mehr Menschen für eine Ausbildung in diesen Berufen entscheiden können.

In diesem Sinne sind wir optimistisch, gemeinsam mit den Krankenhäusern, den Ausbildungsinstituten und der Gesundheitsbehörde wichtige Weichenstellungen für die Herausforderungen der Zukunft vorgenommen zu haben.