Die Idee zum inzwischen sogenannten Krankenhausstrukturfonds 1.0 im Jahr 2016 klang gut. Man lobte Gelder aus für infrastrukturelle Veränderungen wie Schließung oder Umwidmung von Abteilungen oder gar ganzen Krankenhäusern oder der Konzentration von Leistungen an einem Standort - und wie von Geisterhand startet ein intensives Gerangel um die Fördermittel. Allein in Schleswig-Holstein waren rund 34 Millionen Euro im Topf. Aber so richtig gezündet hat die Idee nicht. Nur ein einziger Antrag mit der Standortverlagerung von Tönning nach Husum kam zum Tragen. Somit blieb ein Fördervolumen von etwa 26 Millionen Euro, das hälftig vom Land und von den Kassen ausgelobt wurde, ungenutzt. Erstaunlich, wo doch auch in Schleswig-Holstein häufig die Klage zu hören ist, dass die Finanzen ein knappes Gut seien.

Startschuss für Strukturfonds 2019 ist gefallen

Ab diesem Jahr ist jetzt also der Strukturfonds 2.0 am Start. Das jährliche Fördervolumen wurde beibehalten, aber der Zeithorizont auf vier Jahre gestreckt. Über die Gesamtlaufzeit kommen damit insgesamt 136 Millionen Euro zusammen, die auf neue gute Ideen warten. Bemerkenswert ist dabei, dass das Land Schleswig-Holstein seinen Anteil unmittelbar in den Landeshaushalt eingestellt hat.

Darüber hinaus wurden die Ziele der geförderten Maßnahmen deutlich erweitert. Investitionen in IT, in telemedizinische Netzwerke, in integrierte Notfallversorgung sowie in zusätzliche Ausbildungskapazitäten sind jetzt auch förderfähig. Das klingt erstmal nach Aufbruchsstimmung. 

Wieviel Euphorie ist jetzt angesagt? Ja, der Startschuss für den Strukturfonds 2.0 mit dem Ziel, ein erfolgreiches Programm zur Strukturverbesserung in der schleswig-holsteinischen Krankenhausversorgung zu erreichen, ist gefallen. Gespannt bin ich aber, wie stark die Veränderungsbereitschaft und wie groß die Lösungskreativität aller beteiligten Akteure jetzt ist.

 "Ich bin gespannt, wie stark die Veränderungsbereitschaft und wie groß die Lösungskreativität aller beteiligten Akteure jetzt ist."
Sören Schmidt-Bodenstein

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Sören Schmidt-Bodenstein

Chancen nutzen und die Versorgung zukunftsfähig gestalten

Eine Schließung oder eine Umwidmung eines Krankenhauses in eine Pflegeeinrichtung wird nur bedingt zukunftsfeste Strukturen bringen. Ein wirklicher Erfolg wäre es, wenn bei den Anträgen die verschiedenen Förderziele miteinander kombiniert werden. Das macht inhaltlich Sinn. Denn im Kern der Debatte geht es darum, wie wir effiziente Organisationsformen und Strukturen schaffen. Stichwort Fachkräftemangel. Und es geht zugleich darum, wie wir eine gute medizinische Versorgung auch dort organisieren, wo es weder aus Kosten- noch aus Qualitätsüberlegungen heraus Sinn macht, weiter in Versorgungslösungen der Vergangenheit zu investieren. Digitale Vernetzung, sinnvolle Arbeitsteilung zwischen ambulant und stationär, eine Neuausrichtung der Notfallversorgung sowie der Ausbau moderner Ausbildungsstätten, stellen zukunftsfeste Investitionsfelder dar. 

Ich bin gespannt, ob in den anstehenden Diskussionen der Fokus auf dem liegt, was historisch entstanden ist. Ich wünsche mir, dass der Schwerpunkt der Diskussionen, der Anträge und der Bewilligungen darauf liegt, wie wir die Zukunft der Versorgung gestalten.

Informationen zum Krankenhausstrukturfonds vom Bundesversicherungsamt