Das Land Bremen verfügt über eine hochwertige Krankenhausversorgung. Dies wurde nur erreicht, weil sich die 14 Kliniken im Land auf neue Entwicklungen eingestellt haben. Dennoch ist die Zukunft der Krankenhäuser eines der meist diskutierten Themen in Bremen.

Die gesetzliche Krankenversicherung finanziert in Bremen den größten Teil aller Krankenhausleistungen. Allein die Techniker Krankenkasse (TK) hat im Jahr 2015 für ihre Versicherten mit Wohnsitz in Bremen über 49 Millionen Euro für Krankenhausbehandlungen ausgegeben.

Hochwertige und sichere Krankenhausbehandlungen sind das, was die Patienten erwarten. Die TK legt daher den Focus auf die Themen "Qualität", "sichere Einführung von Innovationen" und "effiziente Versorgungsstrukturen".

Ausblick auf die Versorgungslandschaft in Bremen

Die TK möchte zu Diskussionen anregen. Ziel sollte sein, dass die Krankenhauslandschaft in Bremen beständig fort entwickelt wird. Die Positionen der TK greifen die Erwartungen und Bedarfe der Patientinnen und Patienten auf. Gesetzgeber, Landesregierung, Krankenhäuser und Krankenkassen sind gefordert, die Krankenhausversorgung zukunftssicher aufzustellen.

Hierzu sind Konzepte erforderlich, die die Qualität der Versorgung in den Mittelpunkt stellen, eine gestufte und an Qualitätskriterien ausgerichtete Krankenhausplanung vorsehen und gezielt ambulante und stationäre Angebote sinnvoll miteinander verzahnen. Eine hohe medizinische und pflegerische Versorgungsqualität hat den Vorrang vor allen anderen Überlegungen. Die TK wird sich weiter engagieren und steht als Partner zur Verfügung, damit die aufgezeigten Handlungsmöglichkeiten bestmöglich genutzt und umgesetzt werden.

Anders, als in anderen Bundesländern arbeiten im Planungsverfahren die Krankenkassen und Krankenhäuser des Landes Bremen auf Augenhöhe miteinander. Diese gemeinsamen positiven Erfahrungen sollten auch Grundlage für die Entscheidungen sein, die in den nächsten Jahren notwendig sind, um die Krankenhauslandschaft in Bremen zukunftsfest zu gestalten.

Krankenhausqualität konsequent transparent für den Patienten machen

In Bremen hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein leistungsfähiges Gesundheitssystem entwickelt, das der gesamten Bevölkerung Zugang zu einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung ermöglicht. Unstrittig ist, dass die Förderung der Qualität ein zentrales Anliegen der Krankenhauspolitik bleiben muss. Bisher sind die Kliniken jedoch nur verpflichtet, regelmäßig Qualitätsdaten zu veröffentlichen. Diese Berichte sind für die Patienten aber meist schwer verständlich. Für planbare Eingriffe im Krankenhaus erwarten mündige Patienten relevante und verständliche Informationen, um die in ihrer Situation optimale Klinik auswählen zu können.

Bei der Suche nach Antworten vertrauen viele Patienten oft auf den Rat ihres Arztes oder eines guten Freundes. Aber auch verständlich aufbereitete Informationen im Internet können bei der Entscheidung helfen. Ein Beispiel dafür ist der Bremer Krankenhausspiegel, der unter anderem auf den jährlich erscheinenden Qualitätsberichten der Krankenhäuser beruht.

Über 200 Seitenaufrufe werden jeden Tag im Durchschnitt von Interessierten - auch aus dem Bremer Umland - angeklickt. Am häufigsten informieren sich die Menschen über die Ergebnisse der Qualitätsprüfung zu 18 besonders häufigen oder komplizierten Behandlungen wie zum Beispiel Operationen am Herzen oder Hüft- und Kniegelenksoperationen.

Alle 14 Kliniken in Bremen und Bremerhaven haben sich hierfür zusammengeschlossen, um gemeinsam die Qualität ihrer medizinischen Behandlungen zu veröffentlichen. Die Qualitätsergebnisse werden mit Hilfe von Balkenschaubildern visualisiert und durch leicht verständliche Texte erläutert. Hier hebt sich der Krankenhausspiegel Bremen positiv von anderen Internetportalen ab. Die TK ist die einzig beteiligte Krankenkasse und leistet damit schon heute einen Beitrag zur Qualitätstransparenz.

Die TK schlägt vor:
Die Patienten haben ein Recht darauf, zu erfahren, wo sie eine besonders gute Versorgung erhalten können. Dies erfordert mehr Transparenz über die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Krankenhäuser. Voraussetzung hierfür ist die Entwicklung eines einheitlich akzeptierten Qualitätsstandards. Diese Aufgabe kommt dem Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) zu.

Krankenhausvergütung nach Qualität setzt richtige Anreize

Die Krankenhausvergütung differenziert derzeit nicht danach, ob ein Krankenhaus besonders gute oder weniger gute Qualität erbringt. Damit wird ein wesentlicher Hebel zur Qualitätsverbesserung nicht genutzt: Das bewusste Setzen finanzieller Anreize z.B. durch Zuschläge für über dem vom G-BA definierten Mindeststandard oder darüberhinausgehende Qualitätssicherungs-Maßnahmen.

Die Qualitätsmerkmale Indikationsstellung, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität sollten in die Vergütung einbezogen werden um so die Effizienz zu verbessern.

Die TK schlägt vor:
Krankenhäuser sollten finanziell belohnt werden, wenn sie eine besonders gute Behandlung gewährleisten. Dazu bedarf es aussagefähiger Kennzahlen zum Erfolg. Die Basis hierfür sollten Routinedaten der normalen Abrechnungen bilden. Das IQTiG muss hier Konzepte entwickeln und für die Planung, Vergütung und das Management von Krankenhäusern in der Praxis nutzbar machen.

Zentralisierung verbessert Qualität

Die Patienten erwarten eine hochwertige und sichere Versorgung im Krankenhaus. Gerade deshalb ist es notwendig, spezialisierte Leistungsbereiche in Zentren zu bündeln. Bei schweren Erkrankungen, die eine sehr hohen Behandlungskompetenz benötigen, z. B. in der Neurochirurgie oder neonatologische Versorgung, sollten die Patienten nur in spezialisierte Häuser stationär aufgenommen werden. Diese spezialisierten Kliniken haben mehr Erfahrungen mit komplizierten Eingriffen und umfangreichen Behandlungen. Zwar werden die Patienten dafür längere Wege in Kauf nehmen, die Qualität der Versorgung wird aber zunehmen.

Und die Bremer würde dies nicht stören: Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa hat die TK bevölkerungsrepräsentative Erwachsene konkret gefragt, wo es im Deutschen Gesundheitssystem hakt und was sich ändern muss. 90 Prozent der fast 200 Befragten aus Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gaben an, dass sie durchaus bereit sind, für die optimalen medizinisch-technischen Standards und die größtmöglicher Erfahrung weitere Wege in Kauf zu nehmen.

Die TK schlägt vor:
Ein Krankenhaus sollte nur in den Bremer Krankenhausplan aufgenommen werden, wenn es qualitätssichernde Mindeststandards einhält. Das Qualitätsinstitut ist hier gefordert, diese Standards für die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität und für die Qualität in der Indikationsstellung verbindlich festzulegen.

Im Krankenhausplan muss genau festgelegt werden, welche Versorgungsleistungen wo stattfinden sollen. Hierfür ist es nötig, künftig die Ausweisung der Bremer Krankenhäuser nach ihren Fachgebieten mit Zentrumskompetenzen weiter auszubauen.

Zentralisierung von Neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden

Neue Leistungen können Krankenhausbehandlungen verbessern. Zugleich bestehen aber auch Risiken für die Patienten, da die Effekte und Nebenwirkungen neuer Therapieansätze noch nicht bekannt sind. Bislang können neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) im Rahmen der stationären Krankenhausbehandlung, unabhängig von ihrer nachgewiesenen medizinischen Wirksamkeit, an jedem Krankenhausstandort erbracht werden. Dabei ist nicht jedes Krankenhaus erfahren darin, neue Leistungen zu erproben. Dieser unkoordinierte Einsatz von NUB an zu vielen Krankenhäusern verhindert, dass schnell und strukturiert Erfahrungen gesammelt werden. Dies verzögert oft die Einführung innovativer Verfahren in die Regelversorgung.

Die TK schlägt vor:
Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sind zunächst in ausgewählten Innovationszentren zu erproben. Diese Zentren wären verpflichtet, den Nutzen, die Wirksamkeit und den Mehrwert neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zu überprüfen, bevor diese in die Regelversorgung aufgenommen werden. Damit geht die TK mit ihrem Vorschlag über das jetzt vorgesehene Maß hinaus. Die Innovationszentren sind im Krankenhausplan als solche auszuweisen. Außerdem müssen die Patienten im Vorfeld über die geplante Anwendung einer neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethode aufgeklärt werden. Hierbei sind neben den möglichen Risiken und Chancen auch alternative Behandlungsmethoden der Regelversorgung zu erläutern.

Verbesserung der psychiatrischen Versorgung

Psychische Erkrankungen nehmen weiterhin zu. Seit 2007 ist ein drastischer Anstieg der Fehlzeiten aufgrund einer psychischen Erkrankung zu verzeichnen. Das belegen Auswertungen des aktuellen TK-Gesundheitsreports. Darin wertet die TK Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen ihrer versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

2007 war im Durchschnitt jede bei der TK versicherte Erwerbsperson aus Bremen und Bremerhaven etwas über einen Tag wegen psychischer Probleme krankgeschrieben. Seit dem haben die Arbeitsunfähigkeiten um knapp das Dreifache zugenommen. Im Durchschnitt fehlte jede Erwerbsperson im Land Bremen im letzten Jahr fast drei Tage (2,9).

Der Bedarf nach niederschwelligen Angeboten im Bereich der Psychiatrie besteht und wird auch zukünftig wachsen.

Oft kommt es zu Brüchen im Behandlungsverlauf auf Grund der starren Trennung zwischen ambulanter Versorgung und stationärer Krankenhausbehandlung und ergänzenden Angeboten anderer Sozialleistungsträger. Patienten finden insbesondere außerhalb der üblichen Zeiten keine schnelle, ambulante Versorgung, da bleibt häufig nur der Weg ins Krankenhaus.

Die TK schlägt vor:
Sektorenübergreifende Angebote insbesondere für schwer psychisch Erkrankte sind auszubauen. Der hohe Anteil an stationären Angeboten ist, zu Gunsten einer Ausweitung von ambulanten Angeboten, zurückzufahren. An diesem Prozess müssen die Krankenhäuser stark beteiligt werden.

Um strukturelle Veränderungen in der Versorgung herbeizuführen geht die TK bereits neue Wege. Beispielsweise werden durch eine leistungs- und sektorenübergreifende Vergütung Anreize gesetzt um strukturelle Schwächen auszugleichen. Ein Beispiel hierfür ist das von der TK ins Leben gerufene "Netzwerk psychische Gesundheit" (NWpG). Partner im Netzwerk psychische Gesundheit (NWpG) sind ambulant tätige Therapeuten und Krankenhäuser. Sämtliche Leistungen werden anhand risikoadjustierter patientenbezogener Budgets finanziert. Leistungsanreize werden durch Pay for Performance-Elemente gesetzt. Die Vertragspartner übernehmen die Koordination der verschiedenen Leistungen für die Patienten.

Bedarfsgerechte Verteilung notwendiger Investitionsmittel

Das Land Bremen leistet bei der Förderung der Investitionskosten gegenüber den Krankenhausträgern mehr als andere Bundesländer: 2015 waren über 58,00 Euro Krankenhausinvestitionsfördermittel pro Einwohner vorgesehen. Dies ist ausdrücklich anzuerkennen. Gemessen am bestehenden Bedarf von erforderlichen Krankenhausinvestitionen ist es aber dennoch nicht ausreichend.

Notwendige Investitionen werden aus den durch die Kassen zu finanzierenden Nutzerentgelten für die laufenden Betriebskosten getätigt. So versuchen die Kliniken die Unterdeckung auszugleichen.

Die TK schlägt vor:
Durch eine vom Gesetzgeber definierte feste Investitionsquote als Mindestgröße könnte eine ausreichende Förderung durch die Länder sichergestellt werden. Grundlage dieses Zielwerts könnte beispielsweise eine festgelegte Untergrenze sein, die sich an den Leistungsausgaben für die Krankenhäuser eines Landes bemisst.

Krankenhausversorgung länderübergreifend planen

Leider berücksichtigt die Organisation der Krankenhausversorgung zu wenig die Bedeutung der Krankenhäuser des Landes Bremen über die Landesgrenzen hinaus. Obwohl Bremen auch für Niedersachsen eine zentrale Rolle bei der Krankenhausversorgung spielt, erstellen beide Bundesländer, unabhängig voneinander, einen eigenen Krankenhausplan. Es werden jeweils nur Innerhalb der Landesgrenzen die Investitionen in den Kliniken vor Ort gefördert. Die Patienten richten sich aber nicht nach Landesgrenzen: Einige Fachabteilungen im Land Bremen haben einen über 50%tigen Anteil von Patienten aus Niedersachsen. Hierzu gehören Spezialdisziplinen wie die Rheumatologie, Kardiologie Pädiatrie und Augenheilkunde.

Die TK schlägt vor:

Bremen und Niedersachsen sollten in Zukunft die Krankenhausplanung enger miteinander verzahnen. Dies gilt insbesondere für die Planung hochspezialisierter Leistungen, bei denen erwiesen ist, dass eine Konzentration auf wenige Zentren die Versorgungsqualität steigert.