Stuttgart, 9. Oktober 2019. In Relation zur Einwohnerzahl sterben in Baden-Württemberg mit Abstand die wenigsten Menschen an Krebs. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) gab es im Südwesten im Jahr 2017 bezogen auf 100.000 Einwohner rund 227 Sterbefälle aufgrund von Krebserkrankungen. Das ist im bundesweiten Vergleich der niedrigste Wert. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 258 Todesfällen. Die unterschiedliche Altersstruktur in den einzelnen Bundesländern wurde dabei statistisch eliminiert. Die TK bezieht sich auf Angaben des Statistischen Bundesamtes. 
 
In Sachsen-Anhalt (294 Sterbefälle auf 100.000 Einwohner) und Mecklenburg-Vorpommern (283) sterben die meisten Menschen an Krebs. Die niedrige Sterberate in Baden-Württemberg liegt zum einen daran, dass weniger Menschen an Krebs erkranken als im Bundesdurchschnitt. So wurden im Südwesten im Jahr 2017 rund 1400 Menschen auf 100.000 Einwohner mit Krebs im Krankenhaus behandelt, im Bundesdurchschnitt waren es 1630. 

Gute Behandlung von Krebspatienten

Den zweiten Grund sieht die TK in Baden-Württemberg in der sehr guten Behandlung von Krebspatienten. "Die Behandlung mit Ionenstrahlen oder Medikamente, die in die Leber implantiert werden und dort Krebsgeschwüre von innen bestrahlen sind nur zwei Beispiele für Spitzenmedizin im Südwesten, die allen gesetzlich versicherten Patienten zu Gute kommt", sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg.

Die gute Behandlungsqualität im Südwesten wird in einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der TK bestätigt: 12 Prozent der Baden-Württemberger vermuten, in den vergangenen zehn Jahren Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein. Das ist im Vergleich der Bundesländer der niedrigste Wert; der Bundesdurchschnitt liegt bei 16 Prozent.

Zielgenaue Therapie dank Präzisionsmedizin 

Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Krebs ist nach Einschätzung der TK die Präzisionsmedizin bzw. personalisierte Medizin. Dabei kann die Therapie viel zielgenauer erfolgen. Der Vergleich von Genanalysen eines Tumorgewebes mit molekularen Informationen aus vielen Millionen anderen Behandlungsversuchen führt zu völlig neuen Ansätzen bei der Behandlung von Tumoren. 

"Bei der Krebstherapie wird bislang noch zu oft ins Blaue hinein behandelt. Häufig kommen unnötige oder sogar unwirksame Therapien zum Einsatz, die nicht zur Ausprägung der Krebserkrankung passen", betonte Vogt. Die TK hat deshalb bereits im vergangenen Jahr einen Vertrag mit der Uniklinik Heidelberg geschlossen, um Präzisionsmedizin für junge Krebspatienten zu ermöglichen. Die Ausweitung auf weitere Standorte und Diagnosen ist geplant.

Hinweis an die Redaktion:

Im kommenden Jahr fließt die Präzisionsmedizin erstmals ansatzweise in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung ein. Ein sogenannter Biomarker-Test hilft Patientinnen mit Brustkrebs im frühen Stadium anhand einer genetischen Analyse der Tumorzellen bei der Entscheidung, ob eine Chemotherapie für sie sinnvoll ist oder nicht. Der gemeinsame Bundesausschuss aus Ärzte und Krankenkassen hat den Test bereits befürwortet.