TK: Wie haben die Krankenhäuser in Sachsen die Patientenbetreuung in der Corona-Krise gemanagt? 

München: Die sächsischen Kliniken haben schnell spezielle Corona-Ambulanzen eingerichtet und unter enormem Zeitdruck Betten für infizierte Patienten freigeräumt. Gleichzeitig sind unaufschiebbare Behandlungen schwer erkrankter Patienten erfolgt. Das hat zunächst jedes Krankenhaus für sich organisiert. Dabei ist schnell klar geworden, dass sich die Kliniken untereinander koordinieren müssen. Die Fäden laufen jetzt regional in den Universitätskliniken Leipzig und Dresden sowie im Klinikum Chemnitz zusammen. Innerhalb kurzer Zeit sind die Testkapazitäten für COVID-19 erheblich erweitert worden. Deshalb haben wir die Labore großzügig ausgebaut. Inzwischen können unsere Krankenhäuser alle Patienten und Mitarbeiter ausreichend testen.

Fried­rich R. München

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Stellvertretender Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen

TK: Was funktionierte unerwartet gut und womit hatten Sie am meisten zu kämpfen?

Friedrich R. München: Die Abstimmung zwischen den Krankenhäusern hat sehr gut funktioniert. Besonders stolz sind wir darauf, dass nur wenige Corona-Patienten in sächsischen Krankenhäusern verstorben sind. Fast alle konnten wir geheilt entlassen. Zusammen mit den Gesundheitsämtern ist es gelungen, die Infektionsketten nachzuverfolgen und die Pandemie einzudämmen. 

Die größte Mühe verursachte, ausreichend Schutzausrüstung zu beschaffen. Das eigentliche Problem war der Zusammenbruch globaler Lieferketten. Das darf sich nicht wiederholen. Die Verantwortlichen müssen nach der Krise dafür eine Lösung finden. Die Versorgung der Krankenhäuser mit Schutzausrüstung, Beatmungsgeräten, Ersatzteilen und Arzneimitteln muss in Zukunft besser sichergestellt werden.

TK: Läuft jetzt der Normalbetrieb wieder?

München: Ja, die sächsischen Kliniken sind wieder auf Normalbetrieb eingestellt. Patienten zögern aber noch, die Krankenhäuser aufzusuchen. 

TK: Teilen Sie den Eindruck, dass Patienten auf notwendige Behandlungen verzichtet haben? 

München: Das ist auch unsere Beobachtung. Wir sind in Sorge, dass Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen die Krankenhäuser nicht aufsuchen. So registrieren Kliniken einen Rückgang von Herzkatheter-Untersuchungen von bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig steigt die Zahl derjenigen, die sich mit schwersten Krankheitsverläufen in den Notaufnahmen vorstellen. Bei rechtzeitiger Diagnose wären die Patienten gut behandelbar gewesen. Wenn sich Menschen krank fühlen, sollten sie zum Arzt gehen oder die Krankenhausambulanzen aufsuchen. Die Krankenhäuser haben ihr Hygienemanagement und ihre Organisation so umgestaltet, dass die Behandlung von COVID-19-Infizierten von der anderer Patienten räumlich getrennt stattfindet. Die Kliniken sind jedenfalls sicher. 

TK: Politiker fordern einen stärkeren Staat. Wo wäre er Ihrer Meinung nach in der Pflicht? 

München: Der Staat muss Finanzgrundlagen schaffen, die auch die Vorhaltung von Schutzausrüstung, Geräten, Betten, Ersatzteilen beinhaltet. Das deutsche Gesundheitswesen muss in der Lage sein, für mehrere Monate - auch abgeschnitten von Lieferströmen des Auslands - die Patientenversorgung sicherzustellen. Das Gesundheitswesen muss resilienter werden. Wichtig ist auch eine regelhafte staatliche Finanzierung der Tests. Hier gehen viele Krankenhäuser ohne Finanzzusagen in erhebliche Vorleistung. 

TK: Wie sind Ihnen digitale Anwendungen bei der Patientenversorgung behilflich gewesen? 

München: Die Krise zeigt, wie sinnvoll Telefon- und Videosprechstunden sind. Diese Instrumente müssen zukünftig in der Medizin regelhaft Anwendung finden. Insbesondere in der Psychiatrie sind die digitalen Anwendungen therapeutisch sehr wertvoll. Menschen halten trotz Abstand Kontakt zu ihrem Therapeuten. Da lässt sich noch viel entwickeln zugunsten der Patienten. Wir würden uns freuen, wenn die Krankenkassen diese neuen digitalen Möglichkeiten offensiv unterstützten, z. B. durch die Etablierung adäquater Abrechnungsgrundlagen. Das TK-Pilotprojekt zum elektronischen Rezept ist ein weiteres Beispiel für eine zukunftsweisende Innovation einer Krankenkasse.  

TK: Was erwarten Sie in Krisensituationen von Krankenkassen?

München: Eine verlässliche und vertrauensvolle Partnerschaft