Die Mittel sind vorgesehen für die Einstellung von qualifiziertem Fachpersonal, für die Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften und Ärzten sowie für externe Beratungen.

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

TK: Herr Vogt, wie kam es, dass die Krankenkassen den Kliniken beim Thema Hygiene finanziell unter die Arme greifen müssen? 

Andreas Vogt: Das Robert-Koch-Institut hat bereits vor etlichen Jahren Empfehlungen erarbeitet, wie Krankenhäuser nosokomiale Infektionen vermeiden und verhindern können. Diese Empfehlungen wurden im Jahr 2011 mit der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes verbindlich. 

Von politischer Seite wurde dann entschieden, dass dies von den Krankenkassen finanziell gefördert werden muss, da damit personelle und organisatorische Veränderungen verbunden sind.

Über die Förderung im Rahmen des Hygieneprogramms hinaus, engagiert sich die TK beim Thema Klinikkeime - zum Beispiel bei der Kampagne "Aktion Saubere Hände" oder bei der Aktion "Sicheres Spielzeug", die wir zusammen mit den RKH-Kliniken Ludwigsburg entwickelt haben.

TK: Wie verteilen sich die Fördermittel in Baden-Württemberg?

Vogt: 147 Krankenhäuser haben bisher von dem Programm profitiert. 31 Millionen Euro sind für die Einstellung neuer Hygienekräfte verwendet worden, sechs Millionen Euro für die Fort- und Weiterbildung. Dazu kommen noch 2,5 Millionen Euro für die Beratung durch externe Hygienefachkräfte.

Das Hygieneprogramm läuft noch bis 2023. Doch spätestens bis Ende 2019 müssen die Krankenhäuser die personellen und organisatorischen Voraussetzungen erfüllen. 

TK: Wie wird kontrolliert, ob die Mittel richtig eingesetzt werden?

Vogt: Die Krankenhäuser sind gesetzlich verpflichtet, die Umsetzung des Hygienesonderprogramms und die Verwendung der Fördermittel entsprechend nachzuweisen. Die Kliniken müssen durch einen unabhängigen Prüfer bestätigen, dass das Geld für die gewünschten Zwecke verwendet wurde. Falls das nicht der Fall ist, ist eine Rückzahlung fällig. 

Für etwa 42 Prozent der in den Jahren 2013 bis 2016 vereinbarten Finanzbeträge liegen laut GKV-Spitzenverband aktuell Bestätigungen von Prüfern vor. Außerdem haben die Krankenhäuser etwa die Hälfte der vereinbarten Stellen nachweislich mit Hygienefachpersonal besetzt. Bislang handelt es sich allerdings noch um vorläufige Bewertungen.

TK: Welche Erwartungen haben Sie an die Krankenhäuser?

Vogt: Zum einen erwarte ich natürlich, dass die Fördermittel korrekt eingesetzt werden. Zum anderen sollten die Kliniken beim Thema Hygiene grundsätzlich umdenken, was ihre Informationsbereitschaft anbelangt.

Denn wie die Krankenhäuser mit dem Thema umgehen und wie viele Menschen sich in der Klinik mit einem Keim infiziert haben, bleibt in der Regel im Dunkeln. Das ist eine krasse Missachtung des Informationsbedürfnisses vieler Patienten. Eine aktuelle Befragung der TK hat gezeigt, dass rund 90 Prozent der Patienten bei der Wahl eines Krankenhauses Informationen über Maßnahmen für Hygiene und Infektionsschutz für wichtig oder sehr wichtig halten. 

Eine offensive Informationspolitik beim Hygienemanagement kann somit ein wichtiger Faktor sein, um sich im Wettbewerb der Krankenhäuser positiv darzustellen.