Erfurt, 30. Dezember 2021. Ab dem 1. Januar 2022 gelten für einige Operationen bundesweit neue Mindestmengen. Brustkrebs-Operationen dürfen nach dem Beschluss des Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) künftig nur noch an Krankenhausstandorten durchgeführt werden, die mindestens 100 solcher Operationen im Jahr durchführen. Für Lungenkrebs-Operationen gilt eine Mindestmenge von 75 pro Jahr und Standort. Für komplexe Operationen an der Bauchspeicheldrüse wurde die bestehende Mindestmenge von zehn auf 20 erhöht.

Die Mindestmengen für komplexe Eingriffe an der Speiseröhre wurden bereits Ende vergangenen Jahres von zehn auf 26 Eingriffe im Jahr angehoben. Für die Versorgung von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm gilt zukünftig eine Mindestmenge von 25 statt aktuell 14 Behandlungen jährlich. 

"Mindestmengenregelungen gehören zu den harten Qualitätsparametern für Kliniken. Sie immer weiter zu schärfen ist gut und wichtig. Denn wer viel operiert, macht weniger Fehler. Der Zusammenhang zwischen Routine bei Eingriffen und dem Behandlungsergebnis ist durch zahlreiche Untersuchungen belegt", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

Fünf von 16 operierenden Kliniken erfüllen neue Mindestmenge

"Die neuen Mindestmengenregelungen zeigen erneut, dass sich die Thüringer Krankenhauslandschaft dringend verändern muss. Elf der 16 Kliniken, die 2019 zum Beispiel komplexe Operationen der Bauchspeicheldrüse durchgeführt haben, lagen unter den jetzt festgelegten 20 Operationen. Die einzige Thüringer Klinik, die die neue Mindestmenge für Speiseröhren-Operationen in den vergangenen Jahren erbracht hat, ist das Universitätsklinikum Jena", sagt Dressel.

"Die neuen Mindestmengen müssen zwar erst ab 2025 beziehungsweise 2023 vollständig erfüllt werden, mehr Spezialisierung der Thüringer Kliniken ist allerdings so schnell wie möglich nötig."

Behandlungsqualität wichtiger als Wohnortnähe

Einer Spezialisierung der Kliniken stehen auch die Thüringerinnen und Thüringer offen gegenüber. Neun von zehn Menschen würden sich für eine spezialisierte Klinik entscheiden, wenn sie vor einer Operation die Wahl haben zwischen einem Krankenhaus mit umfassenden Erfahrungen in dem sie betreffenden Eingriff, das allerdings weiter entfernt ist, und einer Klinik in ihrer Nähe, das nicht auf die Behandlung spezialisiert ist. Das ist eines der Ergebnisse einer Forsabefragung , die im Auftrag der TK Anfang 2021 durchgeführt wurde.

Übersicht zu mindestmengenrelevanten Pankreas-Operationen (Bauchspeicheldrüse)

Standort

Klinikum

OP 2018

OP 2019

OP 2020

Altenburg

Klinik Altenburger Land

14

13

27

Apolda

Robert-Koch-Krankenhaus

-

-

15

Bad Berka

Zentralklinik Bad Berka

15

18

12

Bad Langensalza

Hufeland Klinikum (Lsz)

10

18

-

Eisenach

St. Georg Klinikum Eisenach

-

3

11

Erfurt

Helios Klinikum Erfurt

20

21

17

Erfurt

Kath. Krankenhaus St. Joh. Nepo.

28

17

12

Gera

SRH Wald-Klinikum Gera

68

75

88

Gotha

Helios Klinikum Gotha

51

39

35

Greiz

Kreiskrankenhaus Greiz

19

13

19

Jena

Universitätsklinikum Jena

82

83

84

Meiningen

Helios Klinikum Meiningen

40

33

12

Mühlhausen

Hufeland Klinikum (Mhl)

16

14

21

Nordhausen

Südharz-Klinikum Nordhausen

10

12

16

Saalfeld

Thüringen Kliniken Saalfeld

24

17

17

Suhl

SRH Zentralklinikum Suhl

9

14

13

Weimar

Sophien- und Hufeland-Klinikum

10

12

12

Übersicht zu mindestmengenrelevanten Ösophagus-Operationen (Speiseröhre)

Standort

Klinikum

OP 2018

OP 2019

OP 2020

Bad Berka

Zentralklinik Bad Berka

6

12

10

Erfurt

Helios Klinikum Erfurt

15

15

21

Gera

SRH Wald-Klinikum Gera

10

9

13

Jena

Universitätsklinikum Jena

33

23

37

Saalfeld

Thüringen Kliniken Saalfeld

12

-

-

Quelle: https://aok-bv.de/engagement/mindestmengen, Stand 29.12.2021

Hinweis für die Redaktion

Weiterhin Bestand haben folgende Mindestmengenregelungen: Einsatz von künstlichen Kniegelenken (50 Fälle/Jahr), Transplantation von Stammzellen (25 Fälle/Jahr), Lebertransplantationen (20 Fälle/Jahr) und Nierentransplantationen (25 Fälle/Jahr).