Bremen, 1. Juli 2020. Der Bremer Krankenhausspiegel baut sein Informationsangebot für Patienten weiter aus und veröffentlicht Daten, Fakten und Qualitätsergebnisse zur Versorgung schwerverletzter Unfallopfer in den Krankenhäusern des Großraums Bremen/Bremerhaven. Die Kliniken weisen hier seit mehreren Jahren eine sehr gut ausgebaute Versorgungsstruktur auf: Elf unfallchirurgische Fachabteilungen von Krankenhäusern in Bremen, Bremerhaven und dem niedersächsischen Umland haben sich zum Traumanetzwerk Bremen zusammengeschlossen und kooperieren eng mit den Rettungsdiensten. Dies führt zu einer Leistungsfähigkeit, die es ermöglicht, im gesamten Großraum Schwerverletzte innerhalb kurzer Zeit optimal zu versorgen und viele Leben zu retten.

Wie die Rubrik "Versorgung von Schwerverletzten" im Bremer Krankenhauspiegel zeigt, wurden im aktuellen Auswertungsjahr 2018 rund 470 Schwerverletzte in einer der Kliniken des Traumanetzwerks Bremen behandelt; davon waren fast 69 Prozent Männer, der Altersdurchschnitt betrug 55 Jahre. Bei fast der Hälfte der Unfälle (47 Prozent) handelte es sich um Stürze aus über drei Metern Höhe - deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (37 Prozent). Erst danach folgen Verkehrsunfälle als Unfallursache mit 44 Prozent (Bund: 54 Prozent).

Im Gebiet des Traumanetzwerks Bremen werden im Verhältnis auch deutlich mehr Unfallopfer mit lebensbedrohlichen Verletzungen eingeliefert (46,5 Prozent) als in Bundesdurchschnitt (39.9 Prozent), insgesamt 44 Prozent haben ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten (Deutschland: 26 Prozent).

Überdurchschnittlich schnelle Diagnose und Behandlung

Trotz dieses hohen Anteils an Schwerst- und Mehrfachverletzten erreichen die im Traumanetzwerk Bremen zusammengeschlossenen Krankenhäuser überdurchschnittlich gute Werte bei der schnellen Diagnose und Behandlung der Verletzungen. "Im Schnitt vergehen nur 13 Minuten von der Aufnahme in ein Krankenhaus bis zu einer Computertomographie des Schädels und 15 Minuten bis zu einer Röntgenaufnahme des verletzten Brustraums“, berichtet der Sprecher des Traumanetzwerks Bremen, Prof. Dr. Michael Paul Hahn, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum Bremen-Mitte. "Im Bundesdurchschnitt dauert dies länger, nämlich 18 bzw. 20 Minuten. Dies ist auf eine sehr gute Organisation in den Notaufnahmen und Unfallchirurgien unserer Krankenhäuser zurückzuführen.“ Bei der benötigten Zeit von der Aufnahme bis zum ersten Notfalleingriff liegt das Traumanetzwerk Bremen mit 105 Minuten exakt auf Bundesniveau.

Hohe Erfolgsrate

"Die Zahlen zeigen, dass wir im Land Bremen sehr gut aufgestellt sind, was die schnelle und hochqualitative Versorgung von Unfallverletzten angeht. Davon profitieren auch unsere niedersächsischen Nachbarn“, betont Claudia Bernhard, Bremer Senatorin für Gesundheit, Frauen und
Verbraucherschutz. Denn das Gebiet des Traumanetzwerks Bremen umfasst auch ausgedehnte ländliche Räume westlich der Weser, im Elbe-Weser-Dreieck und in der Wildeshauser Geest. Drei Krankenhäuser im niedersächsischen Umland haben sich daher dem Traumanetzwerk Bremen angeschlossen.

Trotz dieser großen Entfernungen vergehen hier im Schnitt nur 77 Minuten zwischen einem Unfall und der Aufnahme des Patienten in eine Klinik, das sind drei Minuten weniger als im Bundesdurchschnitt (80 Minuten). "Drei Minuten können für Schwerverletzte lebensrettend sein“, betont Dr. Susanne Klein, Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen. "Wir begrüßen daher die Bildung und Stärkung von Traumanetzwerken. Dies hilft dabei, jedem Schwerverletzten mit jeglicher Art von Verletzung die notwendige und adäquate Versorgung in kürzester Zeit zukommen zu lassen.“

Elf Traumazentren in Bremen, Bremerhaven und Umland

Das Traumanetzwerk Bremen (vom altgriechischen "trauma" für Wunde) wurde 2007/2008 ins Leben gerufen und ist entsprechend den deutschlandweit geltenden Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zertifiziert. "Es setzt sich aus elf Krankenhäusern mit Traumazentren unterschiedlicher Versorgungsstufen zusammen. Sechs lokale, drei regionale und zwei überregionale Traumazentren stellen die flächendeckende Versorgung von Schwerverletzten im gesamten Großraum auf höchstem Niveau sicher", betont Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft der Freien Hansestadt Bremen e. V..

Lokale Traumazentren

Lokale Traumazentren sind wichtig für die flächendeckende Versorgung von Einzelverletzungen. Sie sind in der Lage, die Erstversorgung von Verletzten zu übernehmen und ihre Vitalfunktionen zu stabilisieren. Hier geht es zuallererst darum, Leben zu retten. Sie verfügen über einen Schockraum, in dem die Atemfunktion aufrechterhalten, Blutungen kontrolliert und Diagnostik mittels Computertomografie der verletzten Organe oder Körperteile gemacht werden können, um das Ausmaß der Verletzungen festzustellen. Falls erforderlich, werden die Patienten nach Abschluss der Diagnostik, Sicherung der Vitalfunktion und ggf. der Durchführung lebensrettender Notfalleingriffe in ein regionales oder überregionales Traumazentrum verlegt, wo sie weiterbehandelt werden. Die lokalen Traumazentren im Traumanetzwerk Bremen sind die Kliniken Bremen-Ost und Links der Weser, das Rotes Kreuz Krankenhaus, das DIAKO Ev. Diakoniekrankenhaus, das AMEOS Klinikum Mitte Bremerhaven sowie das Krankenhaus Johanneum Wildeshausen.

Regionale Traumazentren

Regionale Traumazentren stellen die nächste Versorgungsstufe dar. Hier können beispielsweise auch Schädel-, Hirn- und Rückenmarkverletzungen behandelt werden. Sie sind personell so aufgestellt, dass sie in der Regel jederzeit einen Schwerverletzten zur Versorgung aufnehmen können. Als regionale Traumazentren im Traumanetzwerk Bremen sind das Klinikum Bremen-Nord, das Klinikum Bremerhaven Reinkenheide und die Helios Klinik Cuxhaven ausgewiesen.

Überregionale Traumazentren

Überregionale Traumazentren sind die oberste Stufe und halten eine personelle und apparative Ausstattung vor, mit der alle Arten von Verletzungen auf höchstem Niveau sowohl akut als auch im weiteren Behandlungsverlauf versorgt werden können. Sie sind verpflichtet, bei Bedarf Schwerstverletzte aus lokalen und regionalen Netzwerk-Kliniken zu übernehmen. Innerhalb des Traumanetzwerks Bremen bilden das Klinikum Bremen-Mitte und das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg (Wümme) die überregionalen Traumazentren.

Elektronisches Meldesystem und gut trainierte Abläufe

Die Kooperation der beteiligten Kliniken untereinander und mit den Rettungsdiensten ist sehr eng und erfolgt über das elektronische Meldesystem IVENA. Hier geben alle angeschlossenen Krankenhäuser fortlaufend ihre aktuellen Behandlungskapazitäten, die Verfügbarkeit von Geräten und die Zahl der freien Betten an. Die Rettungsdienste und die Rettungsleitstelle der Feuerwehr können sich live über Monitore darüber informieren, in welcher Klinik schwerverletzte Patienten die am besten geeignete Behandlung bekommen, und diese direkt anfahren.

Zusätzlich werden die Schwerverletzten vom Notarzt über die "Trauma-Hotline“ telefonisch angekündigt. Jede Klinik hat dazu ein sogenanntes "Trauma-Handy“ eingerichtet, das sieben Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag mit einem kompetenten Ansprechpartner besetzt ist. Das Polytrauma-Team kann sich dann optimal auf die Versorgung der angekündigten Schwerverletzten vorbereiten. "Wenn einem Traumazentrum von der Leitstelle ein Schwerverletzter angekündigt wird, setzt sich dort sofort eine gut eingespielte Meldekette in Gang, die alle Ärzte, Pflegekräfte und Spezialisten, die für den spezifischen Patienten erforderlich sind, alarmiert", erläutert Prof. Dr. Hahn. "So steht bei Ankunft des Patienten ein interdisziplinäres Behandlungsteam direkt bereit." Inzwischen gibt es deutschlandweit über 50 Traumanetzwerke. Sie müssen alle drei Jahre gegenüber der DGU den Nachweis erbringen, dass ihre Standards den Anforderungen entsprechen.

Krankenhausspiegel mit neuesten Qualitätsergebnissen

"Zusätzlich zur Rubrik ’Versorgung von Schwerverletzten’ präsentiert der Bremer Krankenhausspiegel neueste Qualitätsergebnisse aus insgesamt 19 besonders häufigen oder komplizierten Behandlungsgebieten wie dem Einsetzen künstlicher Hüft- und Kniegelenke, Herzchirurgie, Geburtshilfe und gynäkologische Operationen in leicht verständlichen Schaubildern", berichtet Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft der Freien Hansestadt Bremen.

Ergänzt werden die Qualitätsergebnisse durch Erläuterungstexte zu den Erkrankungen sowie den Diagnose- und Therapiemöglichkeiten des jeweiligen Behandlungsgebiets. Ausführliche Porträts aller Krankenhäuser mit aktuellen Kontaktdaten bieten den Patienten umfassende Informationsmöglichkeiten über alle Krankenhäuser des Landes und ihre Leistungen. 

Interaktive Stellenbörse

Seit einem Jahr bietet der Bremer Krankenhausspiegel eine gemeinsame Stellenbörse aller Krankenhäuser in Bremen und Bremerhaven, in der sich Interessenten auf einen Blick über die freien Stellen in den Krankenhäusern informieren können. "Die Stellenbörse wird sehr gut angenommen, wie uns die kontinuierlich hohen Klickzahlen zeigen", freut sich Uwe Zimmer. Sie ist zentraler Bestandteil der Rubrik "Karriere im Krankenhaus", die ausführlich über alle Berufsbilder in Krankenhäusern - von Medizin über Pflege, Therapie und Sozialberufe bis hin zu Technik, Verwaltung und Service berichtet.

Weitere Informationen unter: www.bremer-krankenhausspiegel.de