Bonn, 16. Februar 2021. Rund 320.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich eine Sepsis - umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichnet. Jeder Vierte stirbt daran. Entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist eine schnelle Diagnose. Mit einer neuen Technologie wollen das Universitätsklinikum Bonn, das Diagnostik-Unternehmen Noscendo und die Techniker Krankenkasse (TK) die Sepsis wirkungsvoller bekämpfen. 

Das innovative Verfahren DISQVER® kann eine Blutprobe innerhalb von 24 Stunden auf rund 1000 Krankheitserreger testen. "Bisher benötigen solche Analysen mehrere Tage für einige wenige Erreger. Für die Rettung des Patienten verschafft das High-Tech-Verfahren den Ärzten einen entscheidenden Vorsprung im Wettlauf gegen die Zeit", erläutert Barbara Steffens, Leiterin der TK-Landesvertretung NRW. 

Überlebenschancen verbessern

Allein am Universitätsklinikum Bonn werden jährlich ca. 500 Patienten mit einer Sepsis behandelt, so der Ärztliche Direktor Prof. Wolfgang Holzgreve. Er sieht in dem neuen Verfahren "eine Chance für schnellere und gezieltere Therapieentscheidungen z.B. der Antibiotikatherapie, welche das Überleben unserer intensivmedizinisch betreuten Patienten darüberhinaus auch in den Bereichen der Hämatoonkologie oder der Kardiologie signifikant verbessern kann".

Für das neue Verfahren verknüpft die Noscendo GmbH Know How aus Biotechnologie und Software. "Seit dem Start im vierten Quartal 2020 konnten wir durch DISQVER® und unsere klinisch-mikrobiologische Interpretation die Therapie von Patienten mit schweren Erkrankungen in unseren Kliniken bereits entscheidend beeinflussen", fasst Dr. Marijo Parcina, Oberarzt der Mikrobiologie, die klinischen Erfahrungen zusammen. 

Datenbank mit 1.500 Erreger-Stämmen 

"DISQVER®, hilft Klinikern und Mikrobiologen auf Basis von proprietären Algorithmen und Datenbanken mehr als 1.500 Erreger zu detektieren. Diese Testbreite bieten wir in einem verlässlichen und planbaren Zeitraum und schaffen so die Grundlage für ein zielgerichtetes, evidenzbasiertes und schnelles Patientenmanagement“, hebt Dr. Philip Stevens, Geschäftsführer der Noscendo, hervor. "Wir freuen uns, dass wir die enge wissenschaftliche Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn nun auch in den Regelbetrieb überführen."