Mainz, 10. Juni 2021. Fast jeder oder jede Zweite in der Rhein-, Main- und Saar-Region besucht bei einem medizinischen Notfall die Notaufnahme. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Demnach haben mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Befragten in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland in den letzten drei Jahren plötzliche Beschwerden, einen Unfall oder eine Zustandsverschlechterung erlebt, die außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten auftraten. 44 Prozent der Betroffenen suchten daraufhin die Notaufnahme eines Krankenhauses auf.

Deutlich weniger (jeweils 15 Prozent) besuchten eine Bereitschaftspraxis oder wandten sich telefonisch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Zwölf Prozent der Betroffenen riefen einen Krankenwagen, während 14 Prozent warteten, bis ihre reguläre Arztpraxis wieder geöffnet hatte.

Digitale Angebote könnten Notaufnahmen entlasten

"Selbstverständlich haben alle Patientinnen und Patienten einen Anspruch darauf, in einem Notfall angemessen, schnell und qualitativ hochwertig versorgt zu werden", meint Jörn Simon, Leiter der rheinland-pfälzischen Landesvertretung der TK. "Von Ärztinnen und Ärzten in Kliniken war allerdings immer wieder zu hören, dass die Notaufnahmen aufgrund von Bagatellfällen überlastet seien. Offenbar nutzten viele Patientinnen und Patienten diese als Anlaufstellen statt einen Hausarzt oder eine Bereitschaftspraxis aufzusuchen. Die Behandlung von leichten bis mittelschweren Erkrankungen, die keine Notfälle darstellen, ist aber nicht die Aufgabe einer Notaufnahme. Wir brauchen deshalb eine Reform der Notfallversorgung, die etwa digitale Angebote stärker berücksichtigt und Integrierte Notfallzentren als erste Anlaufstellen schafft."

Nach Ansicht der TK könnten digitale Angebote und Fernbehandlungen auch im Notfallmanagement eingesetzt werden, um Notfallambulanzen zu entlasten. Viele Patientinnen und Patienten begrüßen dies: In der Forsa-Umfrage gaben sieben von zehn Befragten in der Region an, dass sie bei akuten Beschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten auch eine Video-Sprechstunde mit einem Bereitschaftsarzt oder einer Bereitschaftsärztin wahrnehmen würden.

Integrierte Notfallzentren für die Ersteinschätzung 

Die TK schlägt außerdem vor, Integrierte Notfallzentren einzurichten, die Patientinnen und Patienten bei akuten Beschwerden aufsuchen können. Diese sollten in unmittelbarer Nähe zu einem Krankenhaus liegen und rund um die Uhr geöffnet sein. "In den Integrierten Notfallzentren könnte eine qualifizierte Ersteinschätzung und, wenn notwendig, auch Erstversorgung erfolgen. Anschließend würden die Patientinnen und Patienten in die richtige Versorgungsebene weitergeleitet", so Simon.

Nach Ansicht der TK sollten die Zentren von den Kassenärztlichen Vereinigungen getragen, aber durch enge Kooperation mit den benachbarten Krankenhäusern unterstützt werden. Durch die sogenannte sektorenübergreifende Versorgung - das heißt, die Vernetzung ambulanter und stationärer Strukturen - sollen insbesondere in unterversorgten Gebieten die Versorgungsabläufe verbessert und Ressourcen effektiver genutzt werden.

Hinweis an die Redaktion

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der TK im Januar 2021 bundesweit 2.001 Erwachsene zum Gesundheitssystem befragt. Die Befragten repräsentieren einen Querschnitt der volljährigen Bevölkerung in Deutschland.