Kiel, 28. Februar 2022. Wer in Norddeutschland einen Organspendeausweis besitzt, ist meistens auch dazu bereit, seine Organe zu spenden. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Befragung im Auftrag der Techniker-Krankenkasse (TK). 93 Prozent der Menschen im Norden, die einen solchen Ausweis besitzen, gaben demnach an, ihre Organe im Falle ihres Todes freizugeben. Das Problem dabei: Viel zu wenig Menschen besitzen überhaupt einen solchen Ausweis, auf dem sie ihre Entscheidung festgehalten haben. In Norddeutschland sind es nur 40 Prozent. "Das sind viel zu wenige - vor allem wenn man bedenkt, dass derzeit allein in Schleswig-Holstein 376 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan warten", betont Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. 

Außerdem: Die Befragung zeigt ganz deutlich, dass viele der Menschen im Norden einer Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstehen. 86 Prozent der Befragten gaben dies an. Schmidt-Bodenstein: "Ein Großteil der Norddeutschen wäre also offen gegenüber einer Organspende - und sollte das dann auch unbedingt im Organspendeausweis festhalten. So kommen Angehörige auch nicht in die schwierige Lage, in einer ohnehin schon belastenden Situation, die Entscheidung übernehmen zu müssen." Am Ende entlaste dies sowohl die Familienmitglieder als auch das Klinikpersonal.   

Transplantationsbeauftragte sorgen für Transparenz

Eine umfassende Unterstützung für Betroffene und Angehörige bieten die Transplantationsbeauftragten an den Kliniken. "Die Transplantationsbeauftragten begleiten und betreuen Angehörige in einer schwierigen Situation", erklärt Prof. Dr. Felix Braun, Transplantationsbeauftragter am UKSH Campus Kiel. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem, Betroffene aufzuklären und bei Fragen zur Seite zu stehen sowie sich um die Aus- und Weiterbildung des Klinikpersonals zu kümmern. 

Sollten Angehörigen über die Organspende entscheiden müssen, würden diese häufig schon von sich aus auf das Krankenhauspersonal zukommen, berichtet Prof. Braun aus der Praxis. Die schwierigste Arbeit leiste hierbei das Pflegepersonal, da die Mitarbeitenden 24/7 mit den Angehörigen und der Spenderin oder dem Spender in Kontakt stehen. "Dies ist eine besonders hohe emotionale Belastung. Deshalb sind Nachbesprechungen von Organspenderprozessen sehr hilfreich und sollten immer angeboten werden. Insgesamt hilft es, das Thema Organspende sachlich und nicht emotional zu thematisieren, so dass wir in unserer Gesellschaft eine ´Kultur der Organspende´ entwickeln", betont Prof. Braun. 

Hinweis für die Redaktion

Unter den Begriff "Norddeutschland" fallen die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der TK im Dezember 2021 eine bevölkerungsrepräsentative telefonische Befragung zum Thema Organspende durchgeführt.

Die aktuellen Wartelistezahlen (Stand 1. Januar 2022) stammen von der Stiftung Eurotransplant mit Sitz in Leiden/Niederlande. Eurotransplant ist verantwortlich für die Zuteilung von Spenderorganen in acht europäischen Ländern.

Weitere Infos zur Organspende gibt es auf tk.de, Suchnummer 2022452, im TK-Podcast "Ist das noch gesund?" oder bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).