Kiel, 08. Oktober 2020. Die Anzahl der Organtransplantationen in Schleswig-Holstein ist im Vergleich zum Jahr 2019 deutlich angestiegen. Das teilt die Techniker Krankenkasse (TK) heute mit und beruft sich dabei auf Daten der Stiftung Eurotransplant. Im ersten Halbjahr 2020 wurden 88 Organe transplantiert (Stichtag 1. Juli 2020). Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum nur 53 Transplantationen. Die meisten Schleswig-Holsteiner bekamen eine neue Leber (42), gefolgt von Niere (38), Herz (5) und Bauchspeicheldrüse (3). 

Deutschlandweit sind die Zahlen von Transplantationen ebenfalls angestiegen. Es wurden zum Stichtag 1. Juli diesen Jahres 1967 Organe transplantiert. Aktuell warten 375 Schleswig-Holsteiner auf ein Spenderorgan - sieben von ihnen sind noch minderjährig. 

"Jeder sollte eine informierte Entscheidung treffen" 

Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein, betont, wie wichtig es sei, überhaupt eine Entscheidung zu treffen - egal ob dafür oder dagegen. "Jeder sollte sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und seine Entscheidung zum Beispiel auf dem Organspendeausweis festhalten. So werden Angehörige auch nicht in die schwierige Lage gebracht, solch eine Entscheidung in einer ohnehin schon sehr emotionalen Situation übernehmen zu müssen", sagt er. 

Nur 38 Prozent der Menschen im Norden  haben ihre Entscheidung für oder gegen die Organspende auf einem Ausweis festgehalten. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK aus dem Jahr 2019. Deutlich mehr wären aber generell dazu bereit, ihre Organe nach dem Tod zur Verfügung zu stellen (57 Prozent). 

Förderung der Organspendebereitschaft 

In den vergangenen Jahren gab es viele Aufklärungskampagnen. Das Transplantationsgesetz wurde geändert und verpflichtet unter anderem die Krankenkassen, ihre Versicherten zu informieren. Die TK schreibt alle zwei Jahre ihre Versicherten an und  ab informiert über das Thema. Auch werden die Organentnahmen in den Krankenhäusern finanziell besser vergütet und die entsprechenden Kliniken personell gestärkt. 

Die Transplantationsbeauftragen spielen laut Sören Schmidt-Bodenstein eine zentrale Rolle, um die Zahl von Spendern zu erhöhen: "Wichtig ist es vor allem, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken zu unterstützen. Sie müssen das Thema Organspende in einer Krisensituation ansprechen und deshalb für diese schwierige Aufgabe gestärkt werden."

Hintergrund für die Redaktion

Schleswig-Holstein hat den Einsatz und die Aufgaben von Transplantationsbeauftragten in den Kliniken des Landes im Gesetz zur Ausführung des Transplantationsgesetzes geregelt. Dort ist festgelegt, dass jedes der über 30 Entnahmekrankenhäuser in Schleswig-Holstein Transplantationsbeauftragte zu bestellen hat und dass diese zur Erfüllung ihrer Tätigkeiten im notwendigen Umfang freigestellt werden.

Hinweis für die Redaktion

Die Wartelistenzahlen stammen von Eurotransplant, der europäischen Vermittlungsstelle für Organspenden. Weitere Infos zu den Voraussetzungen von Organtransplantationen während der Corona-Pandemie gibt es bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).

Die Daten beziehen sich auf die nördlichen Bundesländer: Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.