Die Konkurrenz zwischen Kliniken - speziell in Ballungsgebieten wie dem Rhein-Main-Gebiet - ist groß. Vor allem kommunale und freigemeinnützige Kliniken haben es zunehmend schwer, sich am Krankenhausmarkt zu behaupten. Um langfristig ihre Existenz zu sichern, müssen sich die Kliniken in Hessen neu aufstellen. Eine Möglichkeit ist, dass sich Krankenhäuer von ihrem Einzelkämpfer-Dasein verabschieden und sich mit anderen Kliniken zu Verbünden zusammenschließen. Größere Einheiten bewirkten Synergie-Effekte und steigern nachhaltig die Effizienz. Dadurch könne sich die finanzielle Situation der einzelnen Kliniken verbessern.

Noch viel wichtiger ist aber, dass sich durch einen Klinik-Zusammenschluss auch die Chance ergibt, die Behandlungsqualität zu verbessern. Die einzelnen Krankenhäuser innerhalb eines Verbundes müssten nicht mehr zwingend alle medizinischen Leistungen selbst anbieten. Stattdessen können sie sich auf Fachgebiete spezialisieren. Gemeinsam können die Kliniken so die für eine qualitativ hochwertige Versorgung erforderlichen Mindestfallzahlen erreichen. Gerade bei hochkomplexen Versorgungsangeboten gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Anzahl der erbrachten Leistungen und der Qualität.

Dr. Barbara Voss

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"Die Krankenhausversorgung ist eine unverzichtbare Säule des Gesundheitswesens. Um den Bürgeauch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung gewährleisten zu können, müssen sich die Kliniken in Hessen neu aufstellen."

Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen

Ein Krankenhaus, das sein Gesamtangebot einschränkt, um sich auf einige wenige Leistungen zu konzentrieren, muss kaum befürchten, Patienten zu verlieren. Im Gegenteil: Die Kliniken bauen sich durch die Spezialisierung auf bestimmte Bereiche eine besondere Expertise auf, mit der sie sich von anderen Kliniken abheben können. Daraus ergebt sich die Chance, ganz neue Patienten zu gewinnen: Eine Umfrage im Auftrag der TK hat ergeben, dass für 91 Prozent der Menschen in Hessen die Behandlungsqualität und die Erfahrung eines Krankenhauses wichtiger ist als die Wohnortnähe. Die Patienten sind auch bereit, längere Fahrtwege ins Krankenhaus in Kauf zu nehmen, wenn dort eine besondere Behandlungsqualität sichergestellt ist.

Auch das Land setzt auf Verbünde

Auch das Land Hessen setzt seit einigen Jahren auf Verbundstrukturen in der Krankenhauslandschaft. Bereits vor einigen Jahren präsentierte Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner ein Konzept für einen Zusammenschluss aller kommunalen Kliniken in Hessen. Dieses umfassende Verbundmodell wurde von den kommunalen Kliniken in Hessen nie vollständig umgesetzt, trotz allem kam durch diesen Vorstoß viel Bewegung in die hessische Krankenhauslandschaft. In einigen Regionen des Landes haben sich Kliniken mittlerweile zu kleineren Verbünden zusammengeschlossen, u.a. die Main-Taunus-Kliniken mit dem Klinikum Frankfurt-Höchst.

Um noch weitere Kliniken zu Zusammenschlüssen zu motivieren, hat das Land Hessen im Sommer 2018 eine Änderung des Hessischen Krankenhausgesetzes angeregt. Verbund-Kliniken sollen demnach in den kommenden drei Jahren von Kürzungen ihrer jährlichen Investitionskostenpauschale verschont bleiben. Seit 2016 erhalten alle hessischen Kliniken vom Land eine jährliche Pauschale für Investitionen wie Baumaßnahmen oder Medizintechnik. Davor mussten die Kliniken für jedes angestrebte Projekt eigens Mittel beim Ministerium beantragen. Kliniken, die in den Jahren vor dieser Umstellung hohe Förderungen vom Land erhalten haben, bekommen aktuell eine verminderte Jahrespauschale vom Land ausgezahlt. Kliniken, die in Verbünden organisiert sind, sollen mit der angestrebten Gesetzesänderung nun von diesen Kürzungen ausgenommen werden. Die TK sieht die finanzielle Förderung von Klinikverbünden grundsätzlich als sinnvoll an, aAllerdings soll die finanzielle Förderung von Verbundkliniken nach drei Jahren enden. Klinik-Kooperationen bleiben aber auch darüber hinaus noch wichtig.