Mainz, 8. April 2021. "Die Kliniken des Landes haben auf die coronabedingten Herausforderungen schnell und flexibel reagiert und damit gezeigt, dass umfassende Veränderungen kurzfristig umsetzbar sind, wenn es die Situation erfordert. Allerdings hat das Versorgungsmanagement während der Pandemie auch verdeutlicht, dass dringender Reformbedarf besteht", betont Jörn Simon, Landesvertretungsleiter der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz. Welche Maßnahmen dringend umgesetzt werden müssen, damit sich der stationäre Sektor auch in Zukunft durch eine hohe und finanzierbare Versorgungsqualität auszeichnet, hat die TK-Landesvertretung in ihrem aktuellen Positionspapier "Krankenhausreform - Jetzt!" zusammengestellt.

Weiterentwicklung der Krankenhausfinanzierung ist die Basis

Simon: "Die Weiterentwicklung der Krankenhausfinanzierung stellt die Basis einer Strukturreform dar. Aktuell erhalten die Kliniken Fallpauschalen, mit denen "gleiche Leistung zum gleichen Preis" vergütet wird". Bei diesem Vergütungssystem werden aber bestimmte Vorhaltekosten oder strukturelle Faktoren der Häuser nicht ausreichend berücksichtigt, so dass grundsätzlich ein Anreiz besteht, möglichst viele lukrative Operationen durchzuführen - auch dann, wenn die Klinik vielleicht für den Eingriff gar nicht die erforderliche Routine aufweist.

Wie die TK in ihrem Positionspapier ausführt, sollten Fallpauschalen zwar nach wie vor Bestandteil der Vergütung sein. Die Pauschale sollte allerdings integriert sein in eine modulare Finanzierung, die sich zusätzlich aus Vorhaltekosten und einem Zuschlag für Qualität, z.B. eine besonders leitliniengerechte Versorgung, zusammensetzt. 

Rheinland-Pfälzer sehen Bundesländer in der Pflicht

"Bei der Vergütungsreform müssen auch die Bundesländer wieder verstärkt in die Pflicht genommen werden. Im Zuge des Krankenhausinvestitionsprogramms 2021 sind rheinland-pfälzische Kliniken zwar mit insgesamt 128 Millionen Euro gefördert worden - gut sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Allerdings wäre mindestens eine Verdopplung der Investitionsförderung notwendig", ist der TK-Landeschef überzeugt. Diese TK-Forderung wird von der rheinland-pfälzischen Bevölkerung mehrheitlich unterstützt. Bei einer aktuellen Forsa-Umfrage der TK gaben 90 Prozent der Rheinland-Pfälzer an, dass mehr in die Kliniken investiert werden müsste. 65 Prozent sahen die Bundesländer hier in der Pflicht. Insbesondere dieses Anliegen sollte sich nach Auffassung der TK auch im Koalitionsvertrag der künftigen Landesregierung wiederfinden.  

Qualität muss stärker in den Blick gerückt werden

Weiter fordert die TK in ihrem Papier, im Zuge einer umfassenden Reform Qualitätsaspekte stärker zu berücksichtigen. Stichworte wären hier ein Ausbau von Zweitmeinungsverfahren, die stärkere Nutzung von Mindestvorgaben bei OP-Zahlen und die Nutzung der landesweiten Krankenhausplanung für eine Qualitätsförderung. Auch dies wird durch die Forsa-Umfrage gestützt: Mehr als neun von zehn Befragten gaben an, dass sie im Fall eines komplexen operativen Eingriffs eine Klinik mit Erfahrung in diesem Bereich, einem Haus mit weniger Routine bevorzugen würden. "Wir werten diese und andere Befragungsergebnisse als klares Signal dafür diese Qualitätsinstrumente auszuweiten", erklärt Simon. 

Krankenhausplanung muss sektorenübergreifend gedacht werden

Nach Ansicht des TK-Landesvertretungsleiters darf sich zudem die Krankenhausplanung nicht mehr länger an Parametern wie der Bettenzahl und Arztsitzen orientieren. Damit eine nachhaltige Reform überhaupt erfolgreich greifen kann, muss Krankenhausplanung vielmehr sektorenübergreifend entlang Aspekten des tatsächlichen Bedarfs gedacht werden. Das heißt unter anderem, dass das Land definieren muss, welche Klinik bedarfsrelevant ist und es muss konkrete Versorgungsaufträge erteilen. Simon: "Nur so lassen sich bestehende Parallelstrukturen abbauen."

Nicht zuletzt muss auch die Digitalisierung ein wesentlicher Bestandteil umfassender Krankenhausreformen sein. "Voraussetzung einer flächendeckenden Vernetzung ist hierbei die digitale Interoperabilität. Auf dieser Grundlage können weitere Ziele, wie der Ausbau der Telemedizin oder die zunehmende Etablierung von Onlineportalen erreicht werden", fasst Simon die Inhalte des TK-Positionspapiers zur Digitalisierung zusammen.