Die Kliniken verfügen über eine große Bandbreite an Behandlungsangeboten. Die verfügbaren Therapieangebote sind jedoch selten auf den Gesamtversorgungsbedarf vor Ort abgestimmt. Stattdessen führen ähnliche, regional konkurrierende Versorgungsleistungen zu einem unwirtschaftlichen Wettbewerb, der weder der Versorgungsqualität noch dem Versichertenwohl dient. So bedarf es einer Modernisierung der stationären Versorgungsplanung in Mecklenburg Vorpommern. Als ersten Schritt schlagen wir drei Anpassungen für eine patientenorientiertere Versorgungsplanung im Planungsprozess vor.

Versorgungsmonitoring als Grundlage der Krankenhausplanung

Die Krankenhausplanung in unserem Bundesland ist ein historisch gewachsener Prozess, geprägt durch die Fortschreibung von Bettenkapazitäten. Gerade deshalb ist es wichtig, den Planungsvorgang zukünftig prospektiver aufzustellen. Wir schlagen als ersten Reformschritt vor, ein systematisches Versorgungsmonitoring einzuführen. Anhand der Analyse von Realdaten, können lokale Bedarfe und Auffälligkeiten systematisch erkannt und Fehlversorgungstendenzen aufgedeckt werden. Als Datengrundlage können die DRG-Statistiken und die Diagnosedaten der Krankenhausstatistik herangezogen werden. Da für die gesetzlichen Krankenversicherungen aus dem Monitoring finanzielle Verpflichtungen resultieren, zum Beispiel in Form von Sicherstellungszuschlägen, erfordert dies ein Mitspracherecht im Planungsprozess.

Sektorenübergreifende Planungsprozesse ermöglichen

Für eine sektorenübergreifende Ausrichtung und damit patientenzentrierte Krankenhausplanung, müssen auch die regional verfügbaren ambulanten Kapazitäten berücksichtigt werden. Die Daten der Kassenärztlichen Vereinigung sollten entsprechend in das Versorgungsmonitoring integriert werden. Damit erhält der Krankenhaus-Planungsausschuss einen Überblick des tatsächlichen ärztlichen Leistungsangebots in einer Region. Ziel dieses erweiterten Analysevorgangs ist es, ambulante und stationäre Leistungen der Grund- und Notfallversorgung flächendeckend und patientennah zur Verfügung zu stellen. Resultierend werden Krankenhäuser im ländlichen Raum eine wichtige Aufgabe für die Sicherstellung der zukünftigen Versorgung übernehmen. In Gebieten mit wenigen niedergelassenen Haus- und Fachärzten ist es notwendig, dass ambulante Leistungen auch innerhalb eines Krankenhauses erbracht werden dürfen. Im Umkehrschluss sollen niedergelassene Ärzte durch Kooperationen mit Krankenhäusern auch sinnvoll zur stationären Versorgung beitragen.

Leistungsangebot qualitätsorientiert planen

Im Interesse der Patientensicherheit steht die optimale Behandlungsqualität über der Maxime einer wohnortnahen Versorgung im ländlichen Raum. Wir sind überzeugt, dass es nicht im Sinne der Versorgungsqualität ist, jedes hochspezialisierte Leistungsangebot in jeder Klinik vorzuhalten. Mit der Konzentration spezialisierter Leistungen auf höhere Versorgungsebenen, wird ein höheres Maß an Behandlungsqualität sichergestellt. Die Krankenkassen können grundsätzlich den Versorgungsauftrag von Krankenhäusern mitbestimmen. Das Leistungsspektrum können sie jedoch nicht in der nötigen Tiefe mitgestalten.

Es besteht nur die Möglichkeit, den Versorgungsauftrag eines Hauses durch eine optionale Vereinbarung zu konkretisieren. Diese Option wird bisher selten genutzt. Für eine wirtschaftliche und damit langfristig tragfähige Patientenversorgung vor Ort ist es notwendig, dass innerhalb der Rahmenvorgaben der Bundesländer die Krankenkassen das Recht haben, das Leistungsspektrum der Krankenhäuser zu konkretisieren bzw. einzugrenzen. Wir fordern daher eine differenzierte Krankenhausplanung und nicht die Etablierung von Verträgen nach § 109 SGB V. In Kombination mit der Einführung des sektorenübergreifenden Versorgungsmonitorings werden so hypertrophe und hypotrophe Strukturen systematisch identifiziert und können anschließend abgebaut werden. 

Positionspapier Krankenhausplanung MV

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