Ulm/Neu-Ulm, 16. Dezember 2020. In Baden-Württemberg und in Bayern kommen insgesamt jedes Jahr rund 230.000 Kinder zur Welt. Die Klinik Ulm für Frauenheilkunde und Geburtshilfe betreut davon jährlich über 3.000 Babys. Alle Eltern wünschen sich dabei für ihr Kind einen guten Start ins Leben. In den meisten Fällen klappt das auch. Die Entbindungsstationen in den deutschen Kliniken haben einen hohen Qualitätsstandard. Die junge Familie kann sich während der Schwangerschaft sowie rund um die Geburt sicher und geborgen fühlen.

Mit interaktiven Online-Schulungen Fehlerquellen reduzieren

Dennoch passieren manchmal Missverständnisse im Kreißsaal, die bei guter Kommunikation zwischen allen Beteiligten vermeidbar gewesen wären. Das können zum Beispiel Fehler bei der Medikamentengabe sein, weil das Klinikpersonal etwas Anderes versteht, als die Schwangere mitteilen möchte. Auch kulturelle oder sprachliche Barrieren, Verständigungsprobleme oder Konflikte bei Übergaben im Team sind vermeidbare Fehlerquellen. Hier setzt das gemeinsame Forschungsprojekt TeamBaby der Universitätsklinik Ulm mit der Techniker Krankenkasse (TK) und weiteren Partnern an.

Das geburtshilfliche Personal in der Uniklinik wurde in guter Kommunikation geschult. Ein weiterer zentraler Projektbaustein ist die interaktive Online-Schulung für Schwangere, die vorhaben an der Uniklinik Ulm zu entbinden, sowie deren Angehörige. "Dadurch kann sich die Zufriedenheit sowohl der Patientinnen als auch der Klinikbeschäftigten verbessern", so Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern. "Das trägt zu mehr Sicherheit und Qualität in der Versorgung bei."

Die Webinare werden von erfahrenen Kommunikationstrainern aus der Geburtshilfe, den Hebammen für Patientensicherheit und Dr. Mark Weinert durchgeführt.

Projektteilnehmerinnen fühlen sich sicherer bei der Geburt

Kathrin Malejko und Sabine Faller, die im September an einem Onlinetraining teilgenommen hatten, fanden die vielen konkreten Praxisbeispiele in der Schulung als gute Unterstützung für die Geburtsvorbereitung. Beide haben im Oktober ein gesundes Baby - einen Jungen und ein Mädchen - zur Welt gebracht.

"Ich hatte eine bessere Vorstellung was auf mich zukommt", sagt Kathrin Malejko. "Gemeinsam mit meinem Partner konnte ich mir vorab Gedanken machen, was für uns wichtig ist und wie wir das in der Geburtssituation umsetzen können."

Sabine Faller fand in der Schulung auch den Austausch mit anderen Müttern, die schon Geburtserfahrung hatten, sehr hilfreich. Danach konnte sie sich besser mit ihrem Partner abstimmen. "Ich fühlte mich sicherer. Ich wusste, beim Geburtsstress ist mein Partner an meiner Seite, um unsere Wünsche gut in dieser Phase mit dem Klinikpersonal zu kommunizieren."

Die beiden jungen Mütter empfehlen vor allem Erstgebärenden eine Kommunikationsschulung vorab zu absolvieren. Aber auch Schwangere mit Geburtserfahrung profitierten bereits von den Online-Schulungen.

Gute Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg

Gutes Kommunizieren mit den Menschen ist gerade jetzt in der Hochphase der Pandemie auch für verantwortliche Lokalpolitikerinnen wie Katrin Albsteiger entscheidend. Die Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin will im Wissenschaftlichen Beirat von TeamBaby dem Forschungsprojekt zum Erfolg verhelfen. Sie ist selbst zweifache Mutter und weiß aus eigener Erfahrung: "Vor allem die Geburt des ersten Kindes ist ganz besonders aufregend. Fragen hier richtig zu adressieren und beantwortet zu bekommen, schafft Sicherheit, Ruhe und Zuversicht." Albsteiger wünscht sich, dass die Erkenntnisse des Projekts die jungen Familien hierbei unterstützen. "Eine gute Kommunikation, auch digital in Zeiten eingeschränkter persönlichen Kontakte wegen Corona, kann das schaffen", so die Oberbürgermeisterin. 
 
Der Flyer zum Projekt TeamBaby beinhaltet Informationen zu den Kommunikationstrainings für werdende Mütter und die Kontaktdaten des begleitenden Projektteams. Auskünfte gibt es auch von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr unter der Telefonnummer 015 90 - 658 11 55 (Freya Häußler und Sandra Riedmüller).

Hinweis für die Redaktion

An der TeamBaby-Studie können zwölf Monate lang - von Ende Juni 2020 bis Juli 2021 - mehr als 400 werdende Mütter teilnehmen. Unter anderem wird im Forschungsprojekt untersucht, wie wirkungsvoll die Kommunikationstrainings für die Schwangeren und deren Angehörige sind. Alle werdenden Mütter, die an der Studie teilnehmen möchten, werden entweder der Schulungsgruppe oder der sogenannten Kontrollgruppe zugeordnet. Die Frauen aus der Kontrollgruppe erhalten keine Schulung, jedoch im weiteren Projektverlauf Zugang zur digitalen App.

Das Projekt TeamBaby wird vom bundesweiten Innovationsfonds über drei Jahre mit insgesamt ca. 1,9 Millionen Euro gefördert. Die Konsortialführung des Projekts liegt bei der Jacobs University Bremen. Weitere Projektpartner sind neben der Techniker Krankenkasse (TK) und dem Universitätsklinikum Ulm das Universitätsklinikum Frankfurt sowie das Aktionsbündnis Patientensicherheit in Berlin.