Düsseldorf/Hamburg, 24. November 2022: Unter Führung der Techniker Krankenkasse (TK) wurde ein neuer Qualitätsvertrag zur Endoprothetik geschlossen. Ziel ist es, die Versorgung rund um diese stationären Behandlungsleistungen über die Vereinbarung von Anreizen sowie höherwertigen Qualitätsanforderungen zu verbessern und postoperative Komplikationen zu vermeiden.

Jedes Jahr werden in Deutschland ca. 400.000 Hüft- und Knieprothesen implantiert. Dabei ist eine Hüftendoprothese die am häufigsten durchgeführte Operation des Bewegungsapparats. Die Rate an postoperativen Komplikationen liegt bei der Implantation von Endoprothesen des Hüftgelenks zwischen zwei und zehn Prozent, wobei Lockerung, Luxation der Totalendoprothese und Gelenkinfektionen am häufigsten vorkommen.

Neuer Qualitätsvertrag ermöglicht engmaschiges Monitoring

Hier setzt der neue Qualitätsvertrag PROvalue Endo an, den die TK zusammen mit ausgewählten Krankenhäusern - der Helios ENDO-Klinik Hamburg, der Orthopädischen Klinik Volmarstein und dem St.-Josef-Stift Sendenhorst sowie dem Unternehmen Heartbeat Medical als Initiator und technischem Partner ausgearbeitet hat. Seit Mitte September in der Erprobung, wurde bereits eine hohe zweistellige Zahl an Patientinnen erfolgreich in das Programm aufgenommen.

Inhalt des Vertrags ist ein fortlaufendes einjähriges Monitoring durch die behandelnde Klinik. Damit können eventuell auftretende Probleme frühzeitig erkannt werden und Patientinnen und Patienten erhalten eine zusätzliche Sicherheit. Kliniken eröffnet der Vertrag die Möglichkeit einer auf Lebensqualitätsmessungen basierenden Vergütung. Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK: "Wir wollen die Angst vor postoperativen Komplikationen verringern und mit diesem Angebot die Revisionsrate senken, das Behandlungsergebnis verbessern und damit die Lebensqualität steigern." Für weitere Projektpartner sei die TK offen, bisher haben sich an den TK-initiierten Vertrag PROvalue Endo neben der  Handelskrankenkasse HKK, die DAK Gesundheit, die Kaufmännische Krankenkasse KKH sowie die Hanseatische Krankenkasse HEK angeschlossen. Gemeinsam vertreten die Versicherer knapp 20 Millionen Versicherte. 

Begleitung über den gesamten Behandlungspfad durch PROMs

Die Versorgung soll verbessert werden, indem Daten aus einer digitalen Erfassung von "Patient-Reported Outcomes Measures" (PROMs) zu Screening und Monitoring-Zwecken genutzt werden. Aufgedeckte Komplikationen sollen hierdurch zeitnah behandelt werden. Mittels dieser PROMs ist es möglich, die Betroffenen über den gesamten Behandlungspfad zu begleiten und Aussagen über eine mögliche Unter-, Fehl-, oder Überversorgung zu treffen. Bei einem unvorteilhaften Heilungsverlauf werden Patientinnen und Patienten umgehend telefonisch durch den Leistungserbringer kontaktiert. Die gewählten Qualitätsindikatoren ermöglichen eine Messung des Effekts bis ein Jahr nach Behandlungsbeginn. Ob damit eine Weiterentwicklung der Qualität in den Krankenhäusern einhergeht, wird durch eine begleitende wissenschaftliche Untersuchung geklärt werden.

Hinweis für die Redaktion

Seit 2017 können Kliniken und Krankenkassen miteinander befristete Qualitätsverträge (§ 110a SGB V) schließen. Die ersten vier stationäre Leistungsbereiche für die Erprobung von Qualitätsverträgen sind:

  • Endoprothetische Gelenkversorgung
  • Prävention des postoperativen Delirs bei der Versorgung von älteren Patientinnen und Patienten
  • Respiratorentwöhnung von langzeitbeatmeten Patientinnen und Patienten
  • Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen im Krankenhaus
  • Im Juli 2022 hat der Gemeinsame Bundesausschuss noch vier weiter Bereiche für die Erprobung benannt:
  • Diagnostik, Therapie und Prävention von Mangelernährung
  • Multimodale Schmerztherapie
  • Geburten/Entbindung
  • Stationäre Behandlung der Tabakabhängigkeit