Saarbrücken, 14. Januar 2020. Organspenden retten Leben! Doch in Deutschland gibt es aktuell zu wenige Spender. Dieses Problem will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angehen. An diesem Donnerstag startet daher im Bundestag die Debatte um die Neuregelung der Organspende in Deutschland. Dabei werden bei diesem hochemotionalen Thema zwei verschiedene Vorschläge diskutiert. Bei der doppelten Widerspruchslösung ist jeder Organspender, der nicht aktiv widersprochen hat. Zudem können Angehörige im Todesfall einer Spende ebenfalls noch widersprechen. Bei dem anderen Vorschlag sollen die Bürger in regelmäßigen Abständen in ihren Bürgerämtern, zum Beispiel beim Abholen des Ausweises, auf das Thema Organspende angesprochen und eine Entscheidung dokumentiert werden. Abgestimmt wird in dieser ethisch geprägten Debatte ohne den sonst üblichen Fraktionszwang. Doch wie stehen die Saarländer demgegenüber?

13 Prozent sehen das Thema eher negativ

Wie eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt, steht ein Großteil der Menschen im Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz (die Länder bilden eine Untersuchungsgruppe) Organspenden eher positiv gegenüber. Die 77 Prozent Zustimmung sind allerdings bundesweit der niedrigste Wert. 13 Prozent sehen das Thema eher negativ, was mit deutlichem Vorsprung der höchste Wert ist. Weitere zehn Prozent äußerten sich neutral. Im Bundesdurchschnitt sehen 84 Prozent Organspenden eher positiv sowie je acht Prozent eher negativ beziehungsweise neutral. Mit 90 Prozent stehen dem Thema die Menschen in Nordrhein-Westfalen besonders positiv gegenüber.

Menschen sollen Entscheidung treffen und diese dokumentieren

"Wir als TK wollen mit gezielten Informationen dafür sorgen, dass unsere Versicherten sich mit der wichtigen Thematik auseinandersetzen und für sich eine Entscheidung treffen", erklärt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung Saarland. "Das Wichtige dabei ist, dass diese Entscheidung - egal ob pro oder contra - auch in einem Organspendeausweis dokumentiert wird", so Groh weiter. Neben den vorgeschriebenen Infobriefen hat sich die TK dem Thema auch in einem großen Sonderteil ihres aktuellen Mitgliedermagazins gewidmet. 

Nur 4 von 10 Menschen in Deutschland haben einen Organspendeausweis

Einen solchen Ausweis haben im Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz nur 43 Prozent der Befragten, das sind trotzdem drei Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt. Die Besitzer haben sich dabei zu einem Großteil für eine Organspende entschieden. Während es in der Ländergruppe um das Saarland 84 Prozent sind - das ist bundesweit der niedrigsten Anteil - sind es in ganz Deutschland durchschnittlich 93 Prozent.

Jeder zweite in NRW hat einen Organ­spen­de­aus­weis

TK-Infografik Spitzenreiter: In NRW besitzt fast jeder Zweite einen Organspendeausweis. Quelle: Forsa-Umfrage 2019, TK Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Spitzenreiter: In NRW besitzt fast jeder Zweite einen Organspendeausweis. In Berlin und Brandenburg ist es nur jeder Dritte. Quelle: Forsa-Umfrage 2019, TK

Aber auch Menschen, die keinen Organspendeausweis besitzen, sind größtenteils zu einer Organspende bereit. Im Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz würden 65 Prozent nach ihrem Tod wahrscheinlich oder bestimmt ihre Organe Spenden, bundesweit sind es 62 Prozent.

91 Saarländer warten auf Spenderorgan

"Die positive Grundhaltung ist eine gute Nachricht, schließlich warten alleine im Saarland 91 Menschen auf ein Spenderorgan. Um diesen Menschen zu helfen und Leben retten zu können, sind aber auch mehr Organspenden notwendig", bilanziert Groh und ergänzt: "Mit der Stärkung der Transplantationsbeauftragten in den Kliniken ist ein erster wichtiger Schritt gemacht. Die diskutierten neuen Spendenregelungen, egal welche es letztendlich wird, könnten ein weiterer Schritt sein."

Hinweis für die Redaktion

Weitere Info-Materialien zum Thema Organ- und Gewebespenden  gibt es auf www.tk.de. Dort steht auch ein Organspendeausweis  zur Verfügung.

Für diese Umfrage wurden vom 4. bis 16. Dezember 2019 bundesweit 1002 Menschen ab 18 Jahren vom Institut Forsa telefonisch zu verschiedenen Gesundheitsthemen befragt.