Berlin/Potsdam, 5. Juni 2020. 473 Menschen in Berlin und 348 in Brandenburg stehen auf der Warteliste von Eurotransplant. Bundesweit sind es über 9.000 Menschen, die dringend auf ein Organ warten. Darauf weist die Techniker Krankenkasse (TK) anlässlich des Tages der Organspende am 6. Juni hin.

Berlin und Brandenburg: Tendenz offen

Die Entwicklung der Organspende in Berlin bleibt abzuwarten: Im vergangenen Jahr haben 55 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet, das waren sieben mehr als 2018. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es bereits 15 Organspender. Ob die im Januar 2020 beschlossene Zustimmungsregelung einen Einfluss auf die Bereitschaft Organe zu spenden genommen hat, ist an diesen Zahlen noch nicht abzulesen.

Auch in Brandenburg ist der Trend nicht eindeutig: Im ersten Quartal dieses Jahres spendeten fünf Brandenburger ihre Organe, das entspricht genau den Zahlen von 2019. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 20 Organspender verzeichnet. Im Jahr 2018 zuvor waren es noch 37 gewesen.

Vorsichtsmaßnahmen während der Pandemie

Unter Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen ist laut Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auch während der Covid-19-Pandemie eine Transplantation möglich. Voraussetzung für eine Organspende ist ein negativer SARS COV-2-Befund bei einer Untersuchung mit einem Rachenabstrich. Zusätzlich werden die anamnestischen Angaben und die klinische Symptomatik bei der Entscheidung über eine mögliche Organspende berücksichtigt.

"Die Wahl für oder gegen eine Organspende ist eine höchstpersönliche Angelegenheit.“, sagt Susanne Hertzer, TK-Chefin in Berlin und Brandenburg. „Diese zu treffen braucht Raum und Zeit. In Zeiten von Corona ist das Thema Organspende gegebenenfalls bei dem einen oder anderen nicht so präsent, aber es bleibt trotzdem aktuell."

Die Entscheidung über die Transplantation erfolgt auch für den Empfänger unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko, wobei nun auch das Risiko einer möglichen Covid-19-Infektion nach der Transplantation berücksichtigt wird.

Organ- und Gewebespenderregister

Das vom Gesetzgeber beschlossene zentrale Online-Register wird derzeit errichtet und soll mit Inkrafttreten des Gesetzes im ersten Quartal 2022 seinen Betrieb aufnehmen. Bürger bekommen dann die Möglichkeit, ihre Entscheidung einfach zu dokumentieren, jederzeit zu ändern und zu widerrufen. Vorgesehen ist, dass dann die Abgabe der Erklärung zur Organ- und Gewebespende auch in Ausweisstellen möglich sein wird. Momentan werden weder der Organspenderausweis, den man immer bei sich tragen sollte, noch die darin dokumentierte Erklärung zur Organspende zentral registriert.

Hinweis an die Redaktion

Die TK beruft sich auf aktuelle Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sowie auf Zahlen der Stiftung Eurotransplant (Stand 1. Januar 2020).