Düsseldorf, 4. April 2019. Eine falsche Diagnose gestellt oder ein Tupfer im Körper vergessen: Immer wieder kommt es zu schwerwiegenden Fehlern bei ärztlichen Behandlungen. In Nordrhein-Westfalen haben sich im vergangenen Jahr 1.511 Versicherte an die Techniker Krankenkasse (TK) gewandt, weil sie eine Fehlbehandlung ihres Arztes vermuteten. Im Vergleich zu 2017 ist das ein Anstieg rund zehn Prozent. Fast als jede dritte Beschwerde richtete sich gegen eine chirurgische Behandlung (31 Prozent), gefolgt von der Zahnmedizin (13 Prozent) und der Allgemeinmedizin (11 Prozent).  

Hohe Dunkelziffer

Doch längst nicht jeder Verdachtsfall ist auch tatsächlich ein Fehler. Barbara Steffens, Leiterin der TK Landesvertretung in NRW: "Für medizinische Laien ist es häufig schwer einzuschätzen, ob ein Krankheitsverlauf schicksalhaft ist, oder ob er auf einen Fehler des Arztes oder der Pfleger zurückzuführen ist. Etwa bei jedem dritten Fall erhärten sich im Laufe eines Gesprächs und der späteren Überprüfung die Hinweise auf einen Behandlungsfehler." Gleichzeitig geht die TK davon aus, dass es noch eine hohe Dunkelziffer an unentdeckten Behandlungsfehlern gibt. "Viele Versicherte kommen gar nicht auf die Idee, sich bei der Krankenkasse zu melden und Hilfe zu holen", erklärt Steffens. Vorher sollte der Patient aber das Gespräch mit seinem Arzt suchen.

TK fordert verbraucherfreundliche Gesetze

Besonders belastend für Opfer von Behandlungsfehlern sind die oft jahrelangen Verfahren. "Wenn bei einer Behandlung oder Operation ein Fehler unterläuft, hat das für die Opfer oft nicht nur gesundheitliche Folgen. Auch die wirtschaftliche Existenz steht auf dem Spiel, da Betroffene in der Folge häufig nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen können", sagt Steffens. Teilweise dauerten solche Prozesse vor den deutschen Gerichten mehr als 15 Jahre.

Schuld an der schwachen Position der Patienten ist aus TK-Sicht auch die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland: "In den meisten Fällen müssen die Versicherten beweisen, dass Ärzte oder Pfleger schuldhaft gehandelt haben“, sagt die TK-Landeschefin. "Diesen Nachweis zu erbringen, ist oft schwer. Hier muss der Gesetzgeber nachjustieren. Wir brauchen dringend patientenfreundlichere Gesetze."

Kostenfreie MDK-Gutachten

Die Krankenkasse kann in vielen Fällen beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) kostenfrei ein Gutachten in Auftrag geben, das die Versicherten im Fall einer juristischen Auseinandersetzung nutzen können. Entscheidet sich die Krankenkasse für eine Klage, können die Betroffenen den Ausgang des Gerichtsverfahrens abwarten und anschließend überlegen, ob eine eigene Klage Aussicht auf Erfolg hat. Unterstützung bietet die TK durch eine Beratungshotline (040 - 46 06 61 21 40), den Wegweiser Behandlungsfehler und eine Beratungsbroschüre.