Frankfurt am Main, 3. April 2019. Die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen verzeichnet beim Thema Behandlungsfehler einen neuen Rekord. Im vergangenen Jahr haben 544 Patienten aus Hessen, drei Prozent mehr als im Vorjahr (528), der TK einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler gemeldet. Die meisten Verdachtsfälle im Land betreffen den chirurgischen Bereich (174 Fälle) sowie die Fachrichtungen Zahnmedizin (73), Allgemeinmedizin (72) und Orthopädie (34). Ungefähr bei jedem dritten Fall bestätigt sich der Verdacht im Lauf der Überprüfung. Die TK vermutet zusätzlich zu den gemeldeten Fällen eine hohe Dunkelziffer.

"Für Patienten ist oftmals nur schwer zu erkennen, ob eine Erkrankung schicksalhaft verläuft oder ob Ärzte oder Pflegekräfte einen Fehler gemacht haben. Ziehen Versicherte die Leistungen ihres behandelnden Arztes in Zweifel oder ist bei der Behandlung etwas schief gegangen, melden sie zunehmend diesen Verdacht bei uns", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.

Das Klären von Behandlungsfehler-Vorwürfen ist ein in der Regel zeitaufwändiges, komplexes und oft auch schwieriges Verfahren. In den meisten Fällen ist es aufgrund der aktuellen Gesetzeslage in Deutschland der Patient, der beweisen muss, dass Ärzte oder Pfleger schuldhaft gegen die anerkannten Regeln verstoßen haben. "Und wie kann ich beispielsweise beweisen, dass mein Arzt mit einer sorgfältigen Diagnostik eine Krebsdiagnose bereits früher hätte erkennen können? Hier brauchen wir dringend patientenfreundlichere Gesetze“, sagt Christian Soltau, Medizinrechtsexperte der TK. Zudem müssten aus Sicht der TK die Verfahren viel schneller abgewickelt und die Betroffenen frühzeitig entschädigt werden, da in schweren Fällen Versicherte nach einem Behandlungsfehler oftmals berufsunfähig und dadurch in ihrer finanziellen Existenz bedroht sind.

Alleine von der Anforderung aller notwendigen medizinischen Unterlagen bis zum Erstellen eines erforderlichen Gutachtens können mehrere Monate verstreichen. Häufig müssen die Betroffenen mehrere Jahre warten, bis klar ist, ob sie Schadenersatz erhalten. "Bei Geburtsfehlern müssen Patienten im Durchschnitt zehn Jahre für ihr Recht kämpfen, bei chirurgischen Behandlungsfehlern fünf Jahre", sagt Soltau. "So haben die Betroffenen durch die langwierigen, teuren und strittigen Verfahren oftmals eine weitere Last zu tragen.“ Ebenso schwer ist es für Patienten, Hersteller für fehlerhafte Medizinprodukte wie etwa künstliche Gelenke zur Verantwortung zu ziehen. Einen Knackpunkt stellen hier insbesondere die Sicherheitsprüfungen und Zulassungsverfahren für sogenannte Hochrisikoprodukte wie beispielsweise Herzschrittmacher, Herzkatheter, Stents zur Aufdehnung der Herzkranzgefäße oder auch Brustimplantate dar, die aus Sicht der TK deutlich verbessert werden müssten.

Die TK unterstützt Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten, mit einer Beratungshotline (Telefon 040 - 4606612140), einem Online-Lotsen unter www.tk.de und einer Beratungsbroschüre (Suchnummer 2015266). Die Erfolgschancen sind umso besser, je genauer der Krankheitsverlauf dokumentiert wird. "Betroffene sollten daher zeitnah ein Gedächtnisprotokoll des Behandlungsablaufs und der beteiligten Ärzte und Pfleger erstellen und sich im nächsten Schritt an ihre Kasse wenden“, so Soltau. Erhärtet sich der Verdacht, kann die TK medizinische Gutachten erstellen lassen, die für die Versicherten in der Regel kostenfrei sind. Patienten können die Gutachten auch für Schadensersatz-Verhandlungen mit dem Arzt, dem Krankenhaus, der zuständigen Haftpflichtversicherung oder vor Gericht nutzen.