Frankfurt am Main, 20. April 2021. Die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen begrüßt, dass der Auf- und Umbau des Hessischen Krebsregisters von einem epidemiologischen zum Klinischen Krebsregister abgeschlossen ist. Im nächsten Schritt sollen im Juli dieses Jahres Daten aus den Krebsregistern der Länder künftig in einem bundesweiten Register zusammengeführt werden.

Ein zentrales Krebsregister ist aus Sicht der TK in Hessen grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung und eröffnet Chancen für die medizinische Forschung. Wichtig wäre aus Sicht der TK, dass auch die vorhandenen Versichertendaten der gesetzlichen Krankenkassen in das zentrale Register einbezogen werden. 

Daten der Krankenkassen einbeziehen

Ziel des bundesweiten Registers ist es, die Häufigkeit von Krebserkrankungen, ihren Verlauf und die Schwere dieser Erkrankungen besser erforschen zu können. "Ein zentrales Krebsregister ist grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung und eröffnet Chancen für die medizinische Forschung. Würden auch die vorhandenen Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung in die Register mit einfließen, könnten wichtige Zusammenhänge beispielsweise zu Begleiterkrankungen, zu begleitendenden Therapien oder weiteren Medikationen analysiert werden", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen.

So ließe sich unter anderem aufzeigen, ob die langjährige Einnahme von Medikamenten Einfluss auf das Entstehen von Krebserkrankungen hat, beispielsweise ob eine mehrjährige Gabe von Insulin das Auftreten bestimmter Krebsarten begünstigt. Zudem könnte evaluiert werden, wie durch die Früherkennungsuntersuchungen eine Krebserkrankung verhindert werden kann. 

Arztbesuche in Pandemie nicht verschieben

Gerade bei Krebserkrankungen sind die Heilungschancen umso höher, je früher die Krankheit entdeckt wird. Ist die Krankheit schon fortgeschritten, können schlechtere Behandlungsergebnisse und längerfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen die Folge sein. Studien weisen darauf hin, dass Patientinnen und Patienten in der Corona-Pandemie Vorsorgeuntersuchungen seltener oder auch zeitlich verzögert in Anspruch nehmen. Aus Sicht der TK in Hessen ist es jedoch nicht ratsam, in der Pandemie auf notwendige Arztbesuche zu verzichten. "Krebserkrankungen entstehen dennoch. Bleibt ein Befund unentdeckt, weil die Vorsorgeuntersuchung nicht in Anspruch genommen wurde, wird eine Diagnose möglicherweise erst in einem schwereren Stadium der Erkrankung gestellt", sagt Dr. Voß. 

Einladung zur Früherkennung 

In der ersten Coronawelle im vergangenen Jahr haben in Hessen weniger Frauen die Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs wahrgenommen: Nach einer Auswertung der TK nahm im ersten Halbjahr 2019 jede dritte (33 Prozent) der anspruchsberechtigten TK-versicherten Frauen einen Früherkennungstermin wahr. Im ersten Halbjahr 2020 war es nur noch jede Vierte (27 Prozent). In Hessen erkranken nach Angaben des Hessischen Krebsregisters durchschnittlich jedes Jahr etwa 275 Frauen an Gebärmutterhalskrebs.

Damit Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen möglichst früh erkannt werden können, erhalten gesetzlich versicherte Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren seit dem vergangenen Jahr von ihrer Krankenkasse regelmäßig eine persönliche Einladung zur Früherkennungsuntersuchung. Alle fünf Jahre werden sie per Post an die Früherkennung erinnert, die Frauen jährlich - auch über das 65. Lebensjahr hinaus - in Anspruch nehmen können.  

Inzidenzen bei Gebärmutterhalskrebs 

Weltweit ist Gebärmutterhalskrebs die vierthäufigste Krebserkrankung der Frau. In Deutschland dagegen rangiert die Erkrankung an elfter Stelle. Im direkten Ländervergleich zeigt sich aus Sicht von Dr. Soo-Zin Kim-Wanner, der Leiterin der Landesauswertungs- und Abrechnungsstelle des Hessischen Krebsregisters, eindrücklich, dass durch ein flächendeckendes, kostenfreies Screeningprogramm Krebs effektiv verhindert werden kann.

"Seit Einführung des Gebärmutterhalsscreenings in Deutschland im Jahr 1973 ist die Inzidenz, das heißt die Neuerkrankungsrate, in den letzten zwei Dekaden von 12,4 auf 8,8 pro 100.000 Einwohner gesunken, während die höchsten Inzidenzen weltweit mit 43,1 pro 100.000 Einwohner geschätzt werden. Dennoch liegen die Inzidenzen in vergleichbaren westeuropäischen Länder mit 6,8 pro 100.000 Einwohner niedriger als bei uns, so dass eine Evaluation der Screeningmaßnahmen in Deutschland kontinuierlich erfolgen sollte", so Dr. Kim-Wanner.

Durch das Zusammenführen von unterschiedlichen Datenquellen, etwa auch Daten der gesetzlichen Krankenkassen und der Krebsregister, könnten aus ihrer Sicht vorliegende Informationen sinnvoll genutzt werden, um nicht nur die Effekte der Früherkennungsuntersuchungen zu prüfen, sondern die Versorgungssituation allgemein zu beleuchten und zu verbessern.

Hinweis für die Redaktion:

Bei der Zahl der Frauen, die in Hessen an Gebärmutterhalskrebs erkrankt sind, bezieht sich die TK auf eine Auswertung des Hessischen Krebsregisters (Stand 09.04.2021). Das Gesetz zur Zusammenführung von Krebsregisterdaten wird voraussichtlich im Juli 2021 in Kraft treten.