Eine hochwertige medizinische Betreuung im Notfall ist unverzichtbarer Bestandteil sowohl der Gesundheits- als auch der Daseinsvorsorge. Hier hat die neue Landesregierung noch einige Hausaufgaben zu erledigen.

TK: Herr Koffner, was läuft schief im Rettungswesen in Baden-Württemberg?

Markus Koffner: Die derzeitige Situation in der Notfallversorgung und im Rettungswesen in Baden-Württemberg ist oft durch permanente strukturelle Überforderung der Notfalleinrichtungen und mangelnde Transparenz gekennzeichnet, verursacht durch fehlende effektive Steuerung und fehlende sektorenübergreifende Versorgung.

Markus Koffner

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Leiter Regionales Vertragswesen, TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Die Chancen der Digitalisierung werden nicht entschlossen genug genutzt. Das Tempo, in dem bisher in diesem Feld in Baden-Württemberg gehandelt wurde, ist nicht ausreichend und muss deutlich erhöht werden, um knappe Ressourcen zu schonen und Menschenleben nicht zu gefährden. 

TK: Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Faktoren für eine zukunftsfähige Notfallversorgung?

Koffner: Zentraler Steuerungsparameter für eine effiziente Notfallversorgung muss künftig die einheitliche, qualitätsgesicherte und softwaregestützte Triage der eingehenden Fälle sein. 

Als zentrale Anlaufstelle für Notfallpatienten, die keinen Rettungswagen benötigen, sollten Integrierte Notfallzentren (INZ) in unmittelbarer Nähe zu einem geeigneten Krankenhaus bereitstehen. Ziel ist es, die weitgehend getrennt organisierten Versorgungsbereiche von ambulant, stationär und Rettungsdienst zu einem System der integrierten Notfallversorgung zu entwickeln.

TK: Was schlägt die TK vor?

Koffner: Es führt kein Weg an einer Neuordnung des Rettungswesens vorbei, bei der die Chancen der Digitalisierung konsequent genutzt werden. Dazu zählen der Telenotarzt, die Vernetzung zwischen Rettungsdienst und Kliniken sowie der Einsatz der 5G-Technologie.   

Wir plädieren zudem dafür, dass die Gestaltungshoheit über den Rettungsdienst künftig in dem Ministerium angesiedelt ist, das auch die Gesundheitsversorgung verantwortet. Dadurch wird die sektorenübergreifende Integration des Rettungswesens in die baden-württembergische Versorgungslandschaft gestärkt.  

Darüber hinaus sollte eine deutliche Reduzierung der Zahl der Leitstellen und der Rettungsdienstbezirke erfolgen. Die bisherige "doppelte Hilfsfrist" sollte ersetzt werden durch den umfassenden Einsatz hochqualifizierter Notfallsanitäter.