Mainz, 15. Januar 2020. Gesundheitliche Symptome können Angst machen. Insbesondere als medizinischer Laie lässt sich häufig nur schwer einschätzen, ob es sich tatsächlich um einen Notfall handelt oder nicht. Das hat zur Folge, dass viele Menschen, außerhalb der üblichen Sprechstunden, bei Beschwerden direkt die Notaufnahmen von Kliniken aufsuchen. Da dort aber nicht in Reihenfolge der Vorstellung, sondern nach Dringlichkeit behandelt wird, müssen Patienten oft sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das sorgt für Frust auf allen Seiten: Ärzte und Klinikpersonal sind überlastet, Patienten reagieren nicht selten aggressiv. Dabei handelt es sich bei mehr als vier von zehn Patienten in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland nicht um einen "echten" Notfall. Wie die rheinland-pfälzische Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt, ergab dies eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Krankenkasse. So hatten 43 Prozent der Interviewten angegeben, dass beim letzten Mal, als sie die Notaufnahme aufgesucht hatten, Entwarnung gegeben wurde und sie nicht sofort behandelt werden mussten. Für sie wäre der vertragsärztliche Bereitschaftsdienst, der außerhalb der Sprechstunden angeboten wird und unter "116117" erreichbar ist, eine Alternative gewesen. 

Patientensteuerung muss Kernziel sein

"Es liegt auf der Hand, dass die Steuerung der Patienten in die für sie richtige Versorgungsstruktur ein Kernaspekt ist, der nun durch die geplante Notfallreform angegangen werden muss", betont Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Mainz. "Bei den geplanten Neuerungen muss darauf geachtet werden, dass bereits bestehende, bewährte Strukturen mit neuen Angeboten sinnvoll kombiniert werden", so Simon weiter. Digitale Unterstützung, beispielsweise die standardisierte Ersteinschätzung am Telefon, um den Patienten in die richtige Versorgungsstruktur zu lotsen, seien ebenfalls notwendig, um Prozesse effizient und qualitätsorientiert zu gestalten. 

Integrierte Notfallzentren sind wichtiger Baustein

Dementsprechend sieht das Gesetz unter anderem vor, dass in sogenannten Gemeinsamen Notfallleitstellen (GNL) die Notrufnummern 112 und 116117 zusammengeführt werden. Meldet sich dort ein Patient telefonisch, erfolgt durch ärztliches Fachpersonal mit Hilfe eines digitalen Navigationstools eine qualifizierte Ersteinschätzung. Die Patienten werden entsprechend an die richtige Stelle gelotst, zum Beispiel in ein Integriertes Notfallzentrum (INZ). Diese sind aus Sicht der TK ein weiterer wichtiger Baustein der Reform. "Wichtig ist, dass diese INZ direkt an Kliniken, die an der gestuften Notfallversorgung teilnehmen, eingerichtet werden", sagt Simon. Auch dort erfolgt eine Ersteinschätzung, um den Patienten dann an den richtigen medizinischen Behandlungsort weiterzuleiten. "Durch die Einrichtung dieser Notfallzentren, in denen eine ambulante Versorgung der Patienten stattfindet, wird ein Angebot geschaffen, dank welchem den Bedürfnissen der Patienten präziser entsprochen werden kann. Patienten, bei denen eine stationäre Aufnahme angezeigt ist, werden unmittelbar in der Klinik weiter behandelt. Dies wird nicht nur zu einer Entlastung der Notaufnahmen, sondern insgesamt zu mehr Zufriedenheit führen", ist Simon überzeugt. 

Digitale Angebote können unterstützen

"Angesichts des demographischen Wandels bei einem sich gleichzeitig verschärfenden Fachkräftemangel muss das Kernziel der Reform darauf ausgerichtet sein, Patienten optimal durch die verschiedenen Versorgungsstrukturen zu lotsen und Personalressourcen bestmöglich einzusetzen. Die Frage, inwiefern digitale Angebote hierbei unterstützen können, wird auch weiterhin von großer Bedeutung sein", ist der TK-Landesvertretungsleiter Simon überzeugt.