Das Bundesgesundheitsministerium plant, die Notfallversorgung zu reformieren. Die TK begrüßt die Pläne, sieht aber auch Änderungsbedarf. Berliner und Brandenburger können im Ernstfall schon auf gute Angebote zurückgreifen - die Notaufnahmen müssen jedoch entlastet werden.

Gutes wird besser

Außerhalb der Praxiszeiten sind der kassenärztliche Notdienst mit der Telefonnummer 116 117 sowie Notdienst- und Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern als Alternativen zu Kliniken und der Feuerwehr 112 kaum bekannt. Dies hat zur Folge, dass die Notaufnahmen auch bei nicht akuten Fällen aufgesucht und mit leichteren Erkrankungen überhäuft werden. Das Resultat: Überfüllte Notaufnahmen, längere Wartezeiten und Krankenhauspersonal mit weniger Zeit für Notfälle und einer zu hohen Arbeitsbelastung.

Jens Spahn plant, das bisherige Modell zu ändern und Strukturen zu vereinheitlichen. Die Reform besteht aus drei Säulen: einem gemeinsamen Notfallleitsystem (GNL) über die Rufnummern 112 und 116 117 mit einheitlicher medizinischer Ersteinschätzung, der Bildung integrierter Notfallzentren an Krankenhäusern und der Umgestaltung des Rettungsdienstes als eigenständigen Leistungsbereich.

Mehr Kooperation, mehr Nutzung digitaler Möglichkeiten

Die Debatte ist in vollem Gange. Für die Techniker ist es ein guter Vorschlag Bewährtes und Neues sinnvoll zu kombinieren. Besonders begrüßen wir dabei die einheitliche, qualitätsgesicherte Ersteinschätzung, eine stärkere digitale Vernetzung der Leistungserbringer und natürlich die Kooperation in den neu geschaffenen integrierten Notfallzentren an ausgewählten Krankenhäusern.  

Berlin und Brandenburg: Bereitschafts- und Notdienstpraxen als wichtiger Baustein

Doch wie sieht es derzeit mit der Notfallversorgung in der Region aus? Berlin und Brandenburg sind auf einem guten Weg. Vor allem die Bereitschaftspraxen in Brandenburg und die Notdienstpraxen als Berliner Pendant leisten einen wichtigen Beitrag. Sie nehmen eine erste Einschätzung der Dringlichkeit vor, entlasten damit die Notaufnahmen und bieten eine gute Versorgung für mobile, nicht akut gefährdete Patienten. Darüber hinaus arbeiten in beiden Ländern die KVen bereits mit den Leitstellen der Feuerwehr zusammen, sodass die Fälle je nach Dringlichkeit an die 112 oder 116 117 weitergegeben werden können. Die geplante Gesetzesreform würde diesen Weg logisch weiterdenken und die Versorgung langfristig verbessern.

Integrierte Notfallzentren weiter ausbauen

In Berlin existieren bereits acht Notdienstpraxen (vier für Erwachsene, vier für Kinder), weitere sind geplant. Ebenso strebt Brandenburg die Aufstockung der bisherigen zwölf Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern auf insgesamt 20 an. Die geplanten integrierten Notfallzentren sind denen schon bestehenden Notdienst- und Bereitschaftspraxen ähnlich: sie werden räumlich an Krankenhäuser angebunden allerdings weder dem ambulanten, noch dem stationären Sektor direkt zugeordnet. Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung, bedankt sich bei den Rettungsdiensten, dem kassenärztlichen Notdienst 116 117 und den Bereitschafts-/Notdienstpraxen. Sie leisten gute Arbeit und ermöglichen eine qualitativ hochwertige und regionale Versorgung im Notfall. Der Aufbau der integrierten Notfallzentren mache Gutes noch besser.

Die Bereitschafts- und Notdienstpraxen, der kassenärztliche Notdienst 116 117 und die 112 leisten gute Arbeit und ermöglichen eine qualitativ hochwertige und regionale Versorgung im Notfall. Der Aufbau der integrierten Notfallzentren macht Gutes noch besser.
Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung