Schwerin, 8. April 2022. Während die Techniker Krankenkasse (TK) bei ihren Versicherten bundesweit einen leichten Rückgang an Behandlungsfehlern verzeichnet, bewegt sich die Zahl in Mecklenburg-Vorpommern seit 2019 im kleinen Radius um die 100 Verdachtsfälle herum. So haben sich im Jahr 2021 103 Versicherte an die Kasse gewendet, weil sie bei sich eine ärztliche Fehlbehandlung vermuteten. Im Jahr zuvor (2020) wurden 84 Behandlungsfehlervorwürfe eingereicht, im Jahr 2019 waren es 108. Mit einer stärkeren Einbindung von Ärztinnen und Patienten geht die TK bereits seit 2020 neue Wege in Sachen Patientensicherheit im Land und macht nun erste Erfolge sichtbar.

Etwa jeder dritte Verdacht bestätigt sich 

"Laut unserer Auswertung bestätigt sich in etwa jeder dritte Fall im Verlauf der Überprüfung. Unser primäres Ziel ist es daher, eine neue Fehlerkultur zu etablieren, die davon lebt, dass ein partnerschaftlicher Austausch zwischen allen Beteiligten möglich wird und so eine Kultur des Miteinander-Lernens und der Fehlervermeidung entsteht", sagt Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern. "Wir müssen zudem von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, daher möchten wir betroffene Versicherte unbedingt ermutigen, sich nicht zu scheuen und ihre Krankenkasse anzusprechen, um Vermutungen hinsichtlich Behandlungsfehlern nachzugehen". 

Bundesweit gab es die meisten Beschwerden über Behandlungen bei Chirurgen (30% der Verdachtsfälle). Danach folgten Zahnärzte (17%), Allgemeinmediziner (10%) und Geburtshilfe sowie Gynäkologie (10%). 7% der gemeldeten Verdachtsfälle bezogen sich auf Pflegefehler, 5% auf Behandlungen bei Orthopäden.

Erste Ergebnisse zu Patientensicherheitsmaßnahmen sichtbar

Mit Blick auf die Prozesse im Gesundheitswesen sowie das Erkennen und Vermeiden von Behandlungsfehlern stellt die Patientensicherheit für die Krankenkasse ein wichtiges Fokusthema in Mecklenburg-Vorpommern dar. "Wir haben 2020 mit der Universitätsmedizin Greifswald einen Letter of Intent erstellt, in dem wir diverse Zielsetzungen zur Patientensicherheit festgehalten haben", sagt Hardy Müller, Beauftragter für Patientensicherheit bei der TK. "Erste Ergebnisse der Umsetzungsmaßnahmen sind bereits deutlich spürbar, wenn es beispielsweise um Meldemöglichkeiten für Patientinnen und Patienten sowie die Einbindung der Ärztinnen und Ärzte in die Analyse der Meldungen geht." 

Einen aktuellen Bezug zur Patientensicherheit stellt auch die Etablierung eines bundesweiten Meldesystems für Fehler im Gesundheitswesen während der Corona-Pandemie dar. Ein spezielles Covid-19 CIRS (Critical Incident Reporting Systems) bietet sowohl Beschäftigten im Gesundheitswesen als auch Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, anonymisiert von ihren Erfahrungen zu berichten. Expertinnen und Experten kategorisieren jede Meldung, die über das CIRS eingeht und analysieren die Ursachen, die zu diesem Ereignis geführt haben. Zusätzlich liefern statistische Auswertungen Details über beispielsweise Schadensfolgen und mögliche Schutzmaßnahmen, damit ähnliche Abläufe künftig möglichst fehlerfrei vonstattengehen.

"Die umfangreichen Meldungen und detaillierten Analysen eröffnen uns verschiedenste Perspektiven und schaffen dadurch einen enormen Mehrwert sowie viele neue Erkenntnisse für Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie Ärztinnen und Ärzte", fasst Hardy Müller die Ergebnisse aus dem CIRS zusammen. "Für die Zukunft planen wir fest, das Meldesystem auf alle Indikationen auszudehnen."

Neuer TK-Bericht zur Patientensicherheit erscheint im April

Weitere Informationen zu konkreten Aktivitäten rund um das Thema Patientensicherheit im Jahr 2021 sowie zur grundsätzlichen Haltung und strategischen Ausrichtung der TK zu diesem Themenschwerpunkt liefert der jährliche Bericht des Beauftragten für Patientensicherheit, welcher noch im April 2022 unter dem Titel "Mit Sicherheit gut versorgen - vom Planen zum Handeln" publiziert und vorgestellt wird. Erste Einblicke und Ergebnisse präsentiert Hardy Müller am kommenden Samstag, den 9. April 2022, in seinem Vortrag "Patientensicherheit als Entscheidungs- und Akzeptanzkriterium in der regionalen Versorgung - Transparenz als Orientierung für Versicherte" bei der Tagung "Regionale Versorgung in Vorpommern" in der Stadthalle Greifswald. 

Umfangreiches Beratungsangebot

Die TK unterstützt ihre Versicherten mit einer Beratungshotline (040 - 46 06 61 21 40), einem Online-Lotsen und einer Beratungsbroschüre. Die Kasse kann zudem beispielsweise beim Medizinischen Dienst (MD) für Betroffene kostenfreie Gutachten in Auftrag geben, die der Versicherte später für seine juristische Auseinandersetzung nutzen kann. 

Mehr Sicherheit bei medizinischen Behandlungen 

Die TK setzt sich darüber hinaus intensiv dafür ein, dass Fehlgriffe bei der medizinischen Behandlung gar nicht erst passieren. In einem Informationspaket  finden sich die verschiedenen Projekte der TK für mehr Patientensicherheit sowie Tipps und Tricks für Patientinnen und Patienten, denn auch sie selbst können einen wichtigen Beitrag zu ihrer Sicherheit leisten.