Kiel, 28. März 2022. Bei aller Gründlichkeit, Fehler in der ärztlichen Behandlung können vorkommen - wie etwa eine übersehene Vorerkrankung oder eine falsche Diagnose. So zeigt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK), dass im Jahr 2021 286 vermutete Behandlungsfehler von TK-Versicherten in Schleswig-Holstein gemeldet wurden. Damit ist die Zahl im Vergleich zu den Vorjahren leicht rückläufig. Um Behandlungsfehler zu vermeiden, fördert die TK unter anderem das Projekt "SHARE TO CARE" am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH).

Entwicklung der Verdachtsfälle von Behandlungsfehlern

Die Anzahl der gemeldeten Verdachtsfälle von TK-Versicherten in Schleswig-Holstein ist seit 2020 leicht rückläufig: 285 Meldungen im Jahr 2018, 309 in 2019, 291 in 2020 und 286 in 2021. Eine mögliche Begründung der abnehmenden Zahlen könnte die Corona-Pandemie liefern, da hier planbare Operationen teilweise verschoben wurden. Daraus ergeben sich mutmaßlich auch weniger gemeldete Verdachtsfälle. "Zwar bestätigt sich nur jeder dritte gemeldete Fall als tatsächlicher Behandlungsfehler, jedoch gehen wir von einer hohen Dunkelziffer aus", ordnet Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein, ein. Im Verdachtsfall können sich Versicherte auch an ihre Krankenkasse wenden.

Patientinnen und Patienten können Behandlungsfehlern entgegenwirken

Die häufigste Ursache für Behandlungsfehler ist mangelhafte Kommunikation - etwa unter dem behandelnden Fachpersonal selbst oder zwischen der erkrankten Person und der Fachperson. So wird beispielsweise aufgrund unleserlicher Schrift das falsche Medikament verabreicht oder im Diagnosegespräch Symptome falsch eingeschätzt. Um solche Ereignisse zu verhindern, spielt auch die aktive Beteiligung der Erkrankten eine Rolle. Denn die einzige Person, die über alle Behandlungen hinweg anwesend ist und am besten in sich hineinhorchen kann, ist der Patient oder die Patientin selbst! Genau hier setzt das Programm "Shared Decision Making" (SDM) an. Im Rahmen dessen wird die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten geschult, damit sie gemeinsam mit dem Fachpersonal Entscheidungen über ihre Behandlungen treffen können. "Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass SDM einen entscheidenden Beitrag zu mehr Patientensicherheit leistet. Denn mit einer gemeinsamen Entscheidungsfindung wird neben der medizinisch richtigen Therapie auch die passendste für den betroffenen Menschen gefunden", so Schmidt-Bodenstein.

Für mehr Patientensicherheit: SHARE TO CARE am UKSH

Seit Herbst 2021 fördert die TK das Projekt " SHARE TO CARE " am UKSH. Ziel dessen ist die schrittweise Etablierung von SDM am Uniklinikum. Neben der patientenfreundlichen Aufklärung von Therapiemöglichkeiten erhält auch das Fachpersonal entsprechende Schulungen, um die Erkrankten in den Behandlungsgesprächen begleiten zu können. "Beim Thema Patientensicherheit geht es nicht um das Motto ‘Aus Fehlern wird man klug‘. Unser Ziel sind konkrete Maßnahmen, um eine Sicherheitskultur im Gesundheitssystem zu etablieren", so Schmidt-Bodenstein.

Hinweis für die Redaktion

Die TK unterstützt Patientinnen und Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten, mit einer Beratungshotline (Telefon 040 - 46 06 61 21 40), einem Online-Lotsen und einer Beratungsbroschüre . Insgesamt sind bei der TK in Schleswig-Holstein rund 513.000 Menschen versichert, Stand März 2022.