Patientinnen und Patienten haben den Anspruch auf eine schnelle, angemessene und qualitativ hochwertige Notfallversorgung, egal ob mit oder ohne Blaulicht. Derzeit führen jedoch ineffektive Steuerung und fehlende sektorenübergreifende Versorgung zu permanenter struktureller Überforderung der Notfalleinrichtungen.

Auf dem Weg zu einer digital integrierten und vernetzten Rettungskette

Das Tempo, mit dem die Chancen der Digitalisierung genutzt werden, ist in Baden-Württemberg nicht ausreichend und muss deutlich erhöht werden. Ziel muss es sein, die weitgehend getrennt organisierten Versorgungsbereiche von ambulant, stationär und Rettungsdienst zu einem System der integrierten Notfallversorgung zu entwickeln.

Faktoren für eine zukunftsfähige Notfallversorgung

Eine einheitliche, qualitätsgesicherte und softwaregestützte Triage muss der zentrale Steuerparameter für die eingehenden Fälle sein. Für Patienten, die keinen Rettungswagen benötigen, müssen Integrierte Notfallzentren in unmittelbarer Nähe zu einem geeigneten Krankenhaus eingerichtet werden.

Vorschläge der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg:

  • Baden-Württemberg setzt sich im Bund aktiv für eine grundlegende Reform der Notfallversorgung und des Rettungswesens und seine Zusammenführung im SGB V ein und nimmt dabei konstruktiv Bezug auf die Kerninhalte des Gesetzentwurfs aus dem BMG aus dem Jahr 2020.
  • Um die sektorenübergreifende Integration des Rettungswesens in die baden-württembergische Versorgungslandschaft zu stärken, wird die Gestaltungshoheit über den Rettungsdienst künftig in dem Ministerium angesiedelt, das auch die Gesundheitsversorgung verantwortet.
  • Die Landesregierung überarbeitet in ihrer eigenen, originären Zuständigkeit die Struktur des Rettungsdienstes in Baden-Württemberg nach der Landtagswahl 2021 grundlegend. Es erfolgt eine deutliche Reduzierung der Zahl der Leitstellen und der Rettungsdienstbezirke und der Ersatz der bisherigen "doppelten Hilfsfrist" durch den umfassenden Einsatz hochqualifizierter Notfallsanitäter, die einer aktuellen Gesetzesreform zufolge heilkundliche Maßnahmen eigenverantwortlich durchführen können, bis ein Notarzt eintrifft.
  • Schwerpunkt einer Neuordnung des Rettungswesens ist die umfassende Nutzung aller Chancen der Digitalisierung. Das gilt sowohl für die Aufschaltung digitaler Kompetenzen im Rettungswagen im Einsatzfall (z.B. "Telenotarzt"), als auch für die Vereinheitlichung der Software-Strukturen in den Leitstellen, als auch für die Echtzeit-Vernetzung zwischen Rettungswesen und aufnehmenden Krankenhäusern. Dabei werden neue Strukturen so gedacht, dass sie alle Möglichkeiten der 5G-Technologie nutzen. Modellprojekte dazu werden gefördert.
Position der TK Baden-Württemberg - Notfall- und Rettungsdienst (PDF, 344 kB, nicht barrierefrei)