Mainz, 14. Juni 2021. Demographischer Wandel, Abwanderungstendenzen, Ärzte- und medizinischer Fachkräftemangel - insbesondere auf dem Land - sind die maßgeblichen Herausforderungen der künftigen Gesundheitsversorgung. "Wenn wir auch in Zukunft eine hochwertige und gut erreichbare Versorgung sicherstellen wollen - und zwar ohne die Beitragszahler zu überfordern - müssen wir die Umsetzung sektorenübergreifender Lösungen mit mehr Verve verfolgen", fordert Jörn Simon, Landesvertretungsleiter der rheinland-pfälzischen Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK). Vielversprechende Ansätze, um drohende Versorgungslücken zu schließen, gebe es bereits einige, ist der Landeschef überzeugt.

Regionale Gesundheitszentren könnten Versorgungssicherheit schaffen 

Nach Auffassung der TK könnte in unterversorgten Gebieten vor allem im ländlichen Raum ein so genanntes Regionales Versorgungszentrum (RGZ) zukunftsweisend sein, wenn andere Mechanismen nicht mehr greifen. Hauptmerkmal dieses Zentrums wäre, dass dort der ambulante und stationäre Bereich einheitlich sektorenübergreifend organisiert ist. "Hier könnte beispielsweise eine Rund-um-die Uhr-Notfallversorgung in Kooperation mit dem Rettungsdienst gewährleistet sein, ebenso wie Leistungen grundversorgender medizinischer Disziplinen", beschreibt Simon die mögliche Konzeption eines solchen RGZs.

Abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen könnten im RGZ aber auch Betten des stationären internistischen und chirurgischen Bereichs vorgehalten werden - etwa zur Nachversorgung operativer Eingriffe. Darüber hinaus sollte eine geriatrische Tagesklinik obligatorisch sein, um vollstationäre Einweisungen zu vermeiden. "Sofern die Expertise von weiter entfernten Leistungserbringern benötigt wird, könnten diese via telemedizinischer Lösung hinzu geschaltet werden", betont Simon.

Versorgungsbedarf muss geprüft werden

Bevor ein solches sektorenübergreifendes RGZ errichtet wird, gilt es natürlich - auf Basis konkreter Kriterien - zu prüfen, ob tatsächlich im stationären oder ambulanten Bereich eine Unterversorgung droht. Sofern dann auch die vorgesehenen gesetzlichen Maßnahmen nicht greifen, könnte eine solche Einrichtung eine zusätzliche Option sein, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet ist.

90a-Gremium könnte entscheidende Rolle übernehmen

Im so genannten 90a-Gremium, welches aus Vertretern des Landes wie der Kassenärztlichen Vereinigung, der Landesverbände der Krankenkassen sowie der Ersatzkassen und der Landeskrankenhausgesellschaft sowie weiteren Beteiligten besteht, könnte der drohende Versorgungsmangel festgestellt, der konkrete Bedarf definiert und ausgeschrieben werden, so dass sich entsprechend qualifizierte Personen oder Organisationen als Träger hierauf bewerben können. Auch die zunehmende Delegation niedrigschwelliger ärztlicher Leistungen, wie es in Modellprojekten wie "Telemedizin Assistenz" in Rheinland-Pfalz bereits erfolgreich gelebt wird, müsse zunehmend gefördert werden, appelliert der TK-Landesvertretungsleiter, Simon.