Hamburg, 3. März 2022. 56 Prozent der Darmkrebspatientinnen und -patienten werden nicht in zertifizierten Krebszentren behandelt. Gleichzeitig entfallen rund 20 Prozent der Krankenhausfälle auf kurze Aufenthalte von einem Tag, könnten vielfach also auch ambulant erbracht werden. Und das Zweitmeinungsprogramm der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt, dass mehr als acht von zehn Rückenoperationen unnötig sind. Dies sind nur drei Zahlen, die zeigen, dass in Sachen Patientenorientierung in der Gesundheitsversorgung noch Luft nach oben ist.

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Wir haben in Deutschland zwar ein hohes Versorgungsniveau, setzen unsere Stärken und Ressourcen aber oft nicht zielgenau ein. Die systembedingten Reibungsverluste sind hoch - das geht auf Kosten der Patientinnen und Patienten. Noch immer finden beispielsweise viele Behandlungen nicht dort statt, wo es die beste Versorgung zu den besten Bedingungen gibt - stattdessen sind oft die vor Ort vorhandenen Strukturen und finanzielle Anreize ausschlaggebend."

Die Regierungskoalition hat viele Probleme erkannt und Reformen für verschiedene Aspekte der Versorgung angekündigt. Aus TK-Sicht müssen diese sich daran messen lassen, die Versorgung für die Patientinnen und Patienten spürbar zu verbessern und das Gesundheitssystem für die Beitragszahlenden zukunftssicher aufzustellen. Baas: "Ein System, in dem zu wenig auf Qualität geschaut wird und der Informationsfluss oft an der Sektorengrenze versiegt, ist kein Zukunftsmodell. Es ist gut, dass die Politik die Gesundheitsversorgung reformieren möchte."

Der TK-Chef weiter: "Für eine patientenzentrierte Versorgung brauchen wir mehr Spezialisierung und Ambulantisierung. Das bedeutet auch, dass künftig nicht mehr alle alles machen und abrechnen dürfen, auch wenn dafür die Erfahrung fehlt." Wichtig sei auch eine bessere Vernetzung - sowohl zwischen den Sektoren als auch bei der Einbindung digitaler Möglichkeiten. 

Konkrete Vorschläge, wie das gelingen kann, macht die TK im Positionspapier " Besser versorgt 2025 ". Es setzt sich mit Handlungsfeldern in folgenden Bereichen auseinander: stationäre, ambulante und sektorenübergreifende Versorgung, Kosten für Arzneimittel, die Einbindung neuer Berufsbilder sowie Prävention und Gesundheitsvorsorge. Auf dem Blog WirTechniker  erläutert Dr. Jens Baas, auf welche Aspekte es konkret bei den Versorgungsreformen ankommt.