Um das zu ändern, hat die Techniker Krankenkasse (TK) das Projekt " Drei für Eins " ins Leben gerufen. Gemeinsam mit der Hamburger Schulbehörde wurde es Mitte Februar 2020 im Rahmen der Landespressekonferenz vorgestellt. 

Im Interview erklärt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, wie es zur Idee kam und was das Hamburger Pilotprojekt "Drei für Eins" so besonders macht.

TK: Wie ist die Idee für das Projekt "Drei für Eins" entstanden?

Maren Puttfarcken: Die Idee ist auf einer Studienreise in Schottland aufgekommen: Eine TK-Kollegin aus dem Versorgungsmanagement lernte dort das Konzept der "Study" beziehungsweise "Social Nurse" - eine Art Gemeindeschwester - kennen. Deren Aufgabe ist es, sich für sozial Benachteiligte einzusetzen und für sie ein Lotse durch das Gesundheitswesen sowie durch Hilfs- und Unterstützungsangebote zu sein. Daraus entstand die Idee, dass so etwas auch in Deutschland sinnvoll wäre. 

Um ein solches Projekt umzusetzen, braucht es die Unterstützung durch die zuständigen Institutionen und kommunalen Einrichtungen. Deshalb ist die TK mit dieser Idee auf unterschiedliche Behörden in Hamburg zugegangen, unter anderem die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) und die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB). In Kooperation mit der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) entstand dann die Konkretisierung des Projekts "Drei für Eins".

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Wie wird die Idee im Projekt "Drei für Eins" umgesetzt?

Puttfarcken: Es gibt in Hamburg bereits jetzt viele Hilfsangebote. Jedoch werden Kinder und Jugendliche mit bereits vorhandenen Problemen oder Auffälligkeiten nicht immer erreicht. Das liegt zum einen daran, dass es viele Hilfsangebote gibt, die systemisch bedingt häufig nicht miteinander verknüpft sind. Zum anderen aber haben viele auch einfach Angst vor einer Stigmatisierung. Mit dem Projekt "Drei für Eins" möchten wir das ändern. Das Besondere ist, dass wir erstmals alle beteiligten Akteure - Kinder- und Jugendpsychiatrien, Schulen und das Jugendamt - an einen Tisch holen. So wollen wir für die Kinder und Jugendlichen ein möglichst gutes Angebot auf die Beine stellen, das die bestehenden Hilfsangebote besser miteinander verzahnt und damit viel besser und individueller auf die Kinder und Jugendlichen angepasst werden kann. 

TK: Wie geht es konkret weiter, wenn bei Schülerinnen oder Schülern ein Unterstützungsbedarf festgestellt wurde?

Puttfarcken: Wenn es einen Unterstützungsbedarf gibt, findet ein Erstgespräch in einem der teilnehmenden Regionalen Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) statt. Im Gespräch werden sowohl klinische Symptome als auch die Bildungsteilhabe der Kinder und Jugendlichen erfasst. Auf dieser Grundlage wird gemeinsam mit den klinischen Fachkräften der Versorgungs- und Therapiebedarf ermittelt. Die Kinder und Jugendlichen erhalten dann, je nach Bedarf, Sprechstunden, psychotherapeutische oder fachtherapeutische Angebote vor Ort im ReBBZ - die Hilfe kommt also zu den Kindern und nicht umgekehrt. Zusätzlich können zwischen den Akteuren Krankenhaus, Schule und Jugendamt und den Sorgeberechtigten Krisenvereinbarungen getroffen werden. Insgesamt erhalten in den nächsten vier Jahren bis zu 550 betroffene Kinder und Jugendliche in Hamburg zwischen fünf und 18 Jahren die Hilfsangebote vor Ort in den ReBBZ. Wir hoffen, dass wir durch diese übergreifende Zusammenarbeit den Kindern und Jugendlichen niedrigschwellig und nach ihren Bedürfnissen helfen können.

Hintergrund

"Drei für Eins" wird für insgesamt über vier Jahre mit bis zu 5,9 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert und startet am 1. Oktober 2020. Ziel des Innovationsfonds ist es, neue Versorgungsmodelle zu erproben und so die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung qualitativ weiterzuentwickeln. Die Standorte der teilnehmenden Regionalen Bildungs- und Beratungszentren sind Altona, Altona -West, Bergedorf und Wandsbek-Süd.

Konsortialpartner des Projekts sind neben den Abteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik (KJPPP) des Asklepios Klinikums Hamburg-Harburg, und des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift gGmbH auch die Hamburger Schulbehörde (BSB). Für die Evaluation ist die Universität Oldenburg sowie die Universität Erlangen-Nürnberg zuständig. Als weitere Krankenkassen sind neben der TK die AOK Rheinland/Hamburg, die DAK Gesundheit, die IKK classic sowie die Knappschaft-Bahn-See beteiligt. Kooperationspartner sind die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) in Hamburg sowie die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV).