TK: Welches Thema habt ihr euch für euer digitales Projekt ausgesucht?

Anika Baumgarte: In unserem Projekt geht es um die Entwicklung eines digitalen Assistenten, der Nutzer bei der Pflegeplatzsuche unterstützen soll. In den vergangenen Jahren ist es immer schwieriger geworden, einen freien und vor allem einen geeigneten Pflegeplatz zu finden. Die Menschen werden immer älter, der Fachkräftemangel in der Pflegebranche steigt und die Pflegeheime sind sehr ausgelastet. Deswegen führen schon viele Pflegeheime Wartelisten für ihre vollstationären Pflegeplätze. Wenn man also einen Platz sucht, muss man häufig viele Telefonate mit verschiedenen Heimen führen, um einen freien Platz zu finden.  

TK: Warum ist es wichtig, gerade im Pflegebereich etwas zu entwickeln?

Daniel Deipenau:  Das Ziel des finalen Chatbots (textbasiertes Dialogsystem, welches das Chatten mit einem technischen System erlaubt) ist es, mithilfe von wenigen Klicks eine Liste mit geeigneten Pflegeheimen zu erhalten. Zusätzlich kann unser Chatbot auch allgemeine Fragen rund um das Thema Pflege beantworten. Der Nutzer profitiert dabei von der uneingeschränkten Erreichbarkeit eines Chatbots und spart dabei insgesamt eine Menge Zeit. Auf der anderen Seite werden damit auch die Pflegeheime und Servicestellen entlastet, die täglich viele und vor allem sich immer wiederholende Fragen der Suchenden beantworten müssen.

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Die Studentengruppe der Uni Bremen mit Dr. Susanne Klein (re.), Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen und Frank Wessels (li.) zuständig bei der TK für integrierte Versorgung.

TK: Wie stellt sich die aktuelle Lage im Pflegebereich in Deutschland dar? 

Marina Kern: Wir haben in Deutschland einen nie dagewesenen demografischen Wandel, dazu kommen medizinische Durchbrüche. Diese beiden Faktoren führen zusammen zu immer mehr alten Menschen, die auch immer älter werden. So steigt zwangsläufig die Zahl der pflegebedürftigen Menschen. Deswegen sind viele Pflegeheime schlicht belegt und können niemanden mehr aufnehmen. Pflegeplatzsuchende müssen teilweise bei 30 Pflegeheimen anrufen, um einen Platz zu finden. Hierzu kommt noch das Problem der Informationssuche. Es gibt unzählige Webseiten auf den Informationen oftmals sehr unübersichtlich stehen, es fehlt eine Zusammenfassung der genauen Facts.

TK: Wie seid ihr bei der Recherche zum Thema vorgegangen? 

Baumgarte: Zuerst mussten wir uns in das riesige Thema Pflege einarbeiten, da keiner von uns wirklich viel Vorwissen in diesem Bereich hatte. Als nächstes haben wir durch Vermittlung der TK und eigener Kontakte Interviews mit Pflegeplatzsuchenden und Mitarbeitern eines Pflegeheims geführt. Auf Grundlage dieser Daten haben wir einen Plan erstellt, was unser Chatbot eigentlich leisten muss, um einen Mehrwert zu schaffen. Hierauf folgte die Einarbeitung in das Programm Botario mit der Hilfe von Roland Becker (CEO JUST ADD AI GmbH). Nach unseren ersten Versuchen haben wir dann ein Bot modelliert, der in der Lage ist die wichtigsten Fragen (Leitbild war hierbei der Pflegelotse) zu fragen und die jeweiligen Antworten zu speichern. Die gespeicherten Antworten werden am Ende des Chats vom Bot aufgelistet und so dem User gezeigt.

TK: Und wie geht es jetzt weiter?

Deipenau: Zum einen möchten wir unsere aktuellen Ergebnisse des Projektes verschiedenen Zielgruppen vorstellen, unter anderem Rainer Bensch von der CDU und der Sozialbehörde Bremen. Dies tun wir, um auf die bestehende Relevanz und Problematik aufmerksam zu machen. Denn um dieses Projekt erfolgreich auszuführen, ist eine Gesetzesänderung erforderlich.  

Zum anderen möchten wir im nächsten Semester ein weiteres Modul belegen, indem wir dieses spannende Projekt fortführen werden.

Dabei werden wir weitere FAQs ausarbeiten und in unseren Chatbot einpflegen. Wir werden unseren Chatbot, den wir übrigens TiKay nennen wollen, von realen Personen testen lassen, um zu schauen was verbessert werden kann. Außerdem möchten wir einen Zugriff auf "echte" Datenbanken erlangen, um den Chatbot auf dem aktuellen Stand zu halten und ihn somit zur ersten Anlaufstelle für den Pflegeplatzsuchenden zu machen.