Mittels eines Jobsimulators - eines voll ausgestatteten, typischen Raums mit Pflegebett - lernen Pflegekräfte, wie sie typische Abläufe in der Pflege ergonomisch durchführen können. Dazu gehören zum Beispiel die Umlagerung von Bewohnerinnen und Bewohnern oder schweres Tragen und Heben. Ein Coach zeigt vor Ort, wie man die Bewegungen richtig durchführt, und korrigiert ungesunde Abläufe. Ein Schwerpunkt im Projekt liegt auch auf dem persönlichen Stressmangement der Pflegekräfte. Dabei kommt eine neu entwickelte App zum Einsatz. 

Im Interview erklären Thomas Flotow, Geschäftsführer PFLEGEN & WOHNEN Hamburg, und Uwe Sasse, Geschäftsführer von LifeBonus, wie das Projekt die Pflegenden konkret unterstützt und wie die App dabei hilft, Erfolge langfristig zu erhalten.

TK: Herr Flotow, als größter stationärer Pflegeanbieter hat PFLEGEN & WOHNEN im Juli 2021 das groß angelegte Präventionsprogramm für Bewegungs- und Stressmanagement für seine mehr als 1.500 Beschäftigten eingeführt. Was hat Sie an dem Programm überzeugt?

Thomas Flotow: Das Angebot für Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung ist in den vergangenen Jahren stetig größer geworden. Häufig finden sich Aktivitäten, die Beschäftigte kurzfristig unterstützen, nach Abschluss der Maßnahme aber schnell Resonanz verlieren, da der uns allen gut bekannte „innere Schweinehund“ obsiegt und das Erlernte in den Hintergrund tritt. Und genau hier setzt LifeBonus an. Beschäftigte werden an belastungsgerechte Bewegungsabläufe erinnert, die die meisten von ihnen im Zuge ihrer Ausbildung erlernt haben. Anschließend begleitet ein Coach den täglichen Schichtalltag, um eine stärkere Einübung zu erreichen. Parallel werden Beschäftigte zu sogenannten Health Coaches ausgebildet, um auch nach dem Ende der Maßnahme durch stetige Hinweise an Kolleginnen und Kollegen die Nachhaltigkeit zu sichern. Dieser Ansatz ist für uns ein entscheidendes Kriterium gewesen, uns für LifeBonus zu entscheiden.
 

Thomas Flotow

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Geschäftsführer PFLEGEN & WOHNEN Hamburg

Die 'App für Pflegende' gibt den Beschäftigten die Möglichkeit, in besonders herausfordernden Momenten oder nach dem Dienst Entspannungstechniken anzuwenden, um so wieder Kraft für die kommenden Dienste zu schöpfen. Thomas Flotow, Pflegen & Wohnen Hamburg

TK: Wie werden die Pflegekräfte konkret durch das Programm unterstützt?

Flotow: Das Team von LifeBonus agiert kollegial auf Augenhöhe. Häufig finden sich im Alltag aus vermeintlichen Geschwindigkeitsvorteilen Abläufe, die den Rücken über Gebühr belasten. Ich denke hier zum Beispiel an das Lagern oder Mobilisieren von Bewohnerinnen und Bewohnern, das allein und zudem ohne Hilfsmittel vorgenommen wird. Studien belegen, dass der zusätzliche Zeitbedarf für ergonomische Abläufe verschwindend gering ist, wenn sie denn in der Vorbereitung der Maßnahme bereits griffbereit sind. Im Alltag erinnert und bei Bedarf in der Anwendung unterstützt zu werden, ohne dabei belehrend zu wirken, ist der beeindruckende Ansatz des Teams von LifeBonus. Gerade in den andauernden Pandemiezeiten möchte ich die App zur Stressbewältigung nicht unerwähnt lassen. Den Beschäftigten gibt die App die Möglichkeit, in besonders herausfordernden Momenten oder nach dem Dienst Entspannungstechniken anzuwenden, um so wieder Kraft für die kommenden Dienste zu schöpfen.

TK: Herr Sasse, ein Bestandteil des Projekts ist die Ausbildung von Pflegefachkräften zu innerbetrieblichen "Health Coaches". Was ist deren Aufgabe?

Uwe Sasse: Health Coaches begleiten die Pflegenden dabei, den Belastungen sowohl im psychischen als auch im physischen Bereich entgegenzuwirken. Die Betonung liegt auf "begleiten", denn die Health Coaches sind als Pflegende für ihre Kolleginnen und Kollegen immer präsent und ansprechbar. Dieses Konzept einer umfassenden, kontinuierlichen und nachhaltigen Begleitung kommt bei den Pflegenden sehr gut an, weil bereits ein Vertrauensverhältnis besteht. Und da die Health Coaches selbst als Pflegende tätig sind, kennen sie den Alltag ganz genau und können praxisnah beraten beziehungsweise coachen. All das geschieht in ihrer regulären Arbeitszeit, sprich sie werden zu einem gewissen Prozentsatz von ihren pflegerischen Aufgaben freigestellt. Die pflegespezifischen Schulungen für Stressbewältigung und schonende Bewegungen erhalten sie in einer eigens dafür geschaffenen Academy, wo sie auch regelmäßig Refresher-Kurse besuchen. 

Die Health Coaches sind selbst als Pflegende tätig, kennen den Alltag ganz genau und können praxisnah beraten und coachen. Uwe Sasse, LifeBonus

Uwe Sasse

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Geschäftsführer LifeBonus Gesundheitsmanagement GmbH

TK: Wie unterstützt die "App für Pflegende" dabei, Erfolge langfristig zu erhalten? 

Sasse: Die "App für Pflegende" kann man sich wie einen pflegespezifischen Coach für die Hosentasche vorstellen. Diese App unterstützt einerseits die Arbeit des Health Coaches und ist andererseits so selbsterklärend, dass sie als rein digitaler Trainer genutzt werden kann. In der App werden die Pflegenden durch pflegespezifische Bewegungs- und Anti-Stress-Übungen geführt. Man trägt sie mit dem Smartphone immer bei sich und kann auch mal in der Pause entsprechende Übungen machen, in eine Achtsamkeitsübung abtauchen oder nachschauen, wie eine Bewegung möglichst schonend ausgeführt wird. Zusammen mit dem Health Coach profitieren die Pflegenden von einem hybriden, umfassenden und nachhaltigen Programm, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Wir sind sehr froh darüber, dass wir den Pflegenden damit eine jobspezifische und effektive Lösung anbieten können.

Hintergrund

Die TK fördert das gemeinsame Projekt von PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG und der Life Bonus Gesundheitsmanagement GmbH im Rahmen des TK-Präventionskonzeptes  Starke Pflege . Hierbei werden stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser dabei unterstützt, ihre gesundheitsfördernden Potenziale zu mobilisieren und nachhaltige Strukturen einzuführen.

Der Pflegeberuf muss gestärkt und die Digitalisierung in der Pflege vorangetrieben werden. Die TK  möchte mit ihren Projekten Wegbereiter und Impulsgeber sein. Einen Überblick über aktuelle Hamburger Projekte und Angebote der TK werden auf der Themenseite Gut gepflegt in Hamburg  zusammengefasst.